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Parasiten bei Neuweltkameliden

Ein Königreich für ein Lama

Die Haltung von Neuweltkamelen erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Im Vordergrund steht besonders die Liebhaberhaltung von Alpakas, aber auch Lamas sind immer häufiger anzutreffen. Neben diesen Klein- und Kleinstbeständen gibt es auch Züchter mit 100 und mehr Tieren.

Eine landwirtschaftliche Nutzung erfolgt vor allem durch die ­Direktvermarktung der Wolle, in wenigen Ausnahmefällen sind auch Schlachtungen bekannt. Auch wenn neuerdings einzelne ­Autoren die Tiere daher als lebensmittelliefernd einstufen, bleibt die Rechtslage hier vage. Haltererklärungen sind nur schwer umsetzbar und noch weniger juristisch belastbar. Eine klare Regelung wie beispielsweise beim Equidenpass wäre wünschenswert. Für die Parasitenbekämpfung stehen nach Umwidmung die gängigen Präparate der lebensmittellieferenden Tiere zur Verfügung. Entsprechend sind Abgabebelege auszufüllen und abzugeben und im Sinne der Umwidmung, die verlängerte Wartezeit auf den Verzehr von Fleisch anzugeben.


Kontrolle der Konjunktiva beim Lama, zur Abklärung einer Anämie. Hier mit physiologischer Durchblutung.

Endoparasiten

Unter den Kokzidien finden sich neben Eimeria alpacae, E. lamae, E. punoensis, E. ivitansis auch noch E. macusaniensis. Die beiden Letztgenannten sind für alle Altersstufen pathogen. Hier ist also auch bei symptomlosen Alttieren eine Therapie anzuraten. Zusätzlich sollte beachtet werden, dass beide Eimeria-Arten in der Regel nicht mit gängigen Flotationslösungen nachgewiesen werden können. Die wirtsspezifischen Magen-Darm-Würmer der Ursprungsländer treten hier in Europa nicht auf. Allerdings sind die Tiere auch anfällig für die klassischen Magen-Darm-Würmer unserer Hauswiederkäuer. Hier sind vor allem Haemonchus contortus, ­Teladorsagia circumcincta und Trichostrongylus longispicularis zu nennen. Anders als bei den Hauswiederkäuern sind Trichuris spp. für alle Altersstufen pathogen. Die Therapie kann hier schwierig und langwierig sein. Bandwürmer (Moniezia spp.) besitzen nur eine geringe Schadwirkung.

Besonders empfindlich reagieren Kameliden auf den Befall mit kleinem (Dicro­coelium dentriticum) und großem Leberegel (Fasciola hepatica). Ein Befall kann akut zu Peritonitis, Hepatopathien und plötzlichen Todesfällen führen. Bei chronischem Befall treten Appetitlosigkeit, Abmagerung und Anämie auf. Diagnostisch können die Leberwerte serologisch unauffällig sein. Eine Ultraschalluntersuchung der Leber kann hier aufschlussreiche Befunde liefern. Lungenwürmer (Dictyocaulus viviparus und D. filaria) sind beschrieben, spielen aber nahezu keine Rolle.

Ektoparasiten

Nagemilben (Chorioptes bovis) und Grabmilben (Sarcoptes scabiei var aucheniae) führen häufig zu Hyperkeratosen und Juckreiz im Zwischenzehenbereich, an der Schenkelinnenseite und am Bauch sowie in der Anus-Vulva-Region. Differentialdiagnostisch ist an Zinkmangel zu denken und nicht selten kommt es zu sekundären Infektionen. Selten werden bei Neuweltkameliden Saugmilben (Psoroptes ovis) nachgewiesen. Diese befallen besonders die Ohrmuschel. Die Therapie von Milben kann zeitaufwendig und lange andauern und führt unter Umständen nicht zur vollständigen Erregerelimination. Verfilztes Vlies und Scheuerstellen sind häufig hinweisend für einen Befall mit Haarlingen (Bovicola breviceps) oder Läusen (Microthoraicus spp.).

Herdenmanagement

Ein betriebsspezifisches Herdenmanagement ist unabhängig von der Bestandsgröße unerlässlich. Kotproben sollten regelmäßig untersucht werden, damit eine gezielte Behandlung erfolgen kann. Zur Vermeidung von Resistenzen ist eine Unterdosierung der Therapeutika unbedingt zu vermeiden und jede Behandlung sollte mittels einer Kontrollkotprobe überprüft werden. Der Infektionsdruck auf der Weide lässt sich durch regelmäßiges Absammeln der Kotstellen, Ausmähen der Weide und Auszäunen von Feuchtgebieten nachhaltig senken. Um den Infektionsdruck im Stall zu reduzieren, ist die Anwendung von Desinfektionsmitteln mit antiparasitärer Wirkung zu empfehlen.

take home

Das Immunsystem eines Tieres hat ­einen erheblichen Einfluss darauf, wie gut es mit einem Parasitenbefall ­zurechtkommt. Deshalb sind Stresssituation wie Überbesatz, Unter- und Fehlernährung, häufige Besatzänderungen und Transporte zu vermeiden.

Foto: © istockphoto.com, duescreatius1

HKP 1 / 2015

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 1 / 2015.
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