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Prävention zeckenübertragener Erkrankungen beim Hund

Klein und gemein

Viele Hundebesitzer glauben, dass die Zeckenprophylaxe vor allem dazu dient, nicht an Borreliose zu erkranken. Dass es aber vor allem darum geht, die so genannten Vektorerkrankungen VBD (Vector-borne diseases) wie Anaplasmose, Babesiose, Ehrlichiose, FSME und Borreliose zu v erhindern, ist im Allgemeinen weniger bekannt und bedarf der Aufklärung durch den Tierarzt. Dr. rer. nat. Andrea Junker-Buchheit gibt einen Überblick über die zur Anwendung gelangenden Wirkstoffe.

Welche Wirkstoffe werden nun in handelsüblichen Präparaten eingesetzt, um das Festsaugen der Zecken, die Blutmahlzeit und somit die potenzielle Erregerüber tragung zu verhindern? Als galenische Formen stehen für den Hund Spot-on- Formulierungen oder Langzeit-Halsbänder zur Verfügung. Wirkstoffmäßig haben sich äußerlich anzuwendende Monosowie Kombinations präparate zur Bekämpfung von Ektoparasiten durchgesetzt. Die Wirkstoffe sollten sowohl repellierende als auch abtötende Wirkung gegenüber Zecken und ihren Entwicklungsstadien zeigen.

Spot-on-Formulierungen

Einer der ersten zugelassenen Wirkstoffe, der als Ektoparasitikum beim Hund Anwendung fand, ist Permethrin, ein Insektizid und Akarizid aus der Gruppe der Pyrethroide. Wird dieser Wirkstoff als Spot-on auf dem Haarkleid verabreicht, verteilt sich dieser über das Fell und die Haut des Hundes und wird lediglich in geringen Konzentrationen in den oberen Hautschichten resorbiert. Spätestens alle vier Wochen muss neu appliziert werden, um eine ausreichende Zecken prophylaxe zu erzielen. Häufigere Applikationen können dann notwendig sein, wenn aufgrund von Hauterkrankungen ein Shampoonieren des Fells notwendig ist und somit die antiparasitäre Wirkung reduziert wird – ein relativ häufig auftreten des Problem in der tierärztlichen Praxis. Hinzu kommt die Tatsache, dass die zu applizierende Lösung ggf. bei empfindlichen Hunden zu lokalen Irritationen führen kann. Generell gilt für Permethrin, dass der Wirkstoff toxisch für Wasserlebewesen und Bienen ist und dies bei der Applikation berücksichtigt werden muss. Des Weiteren erfahren Spot-on- Formulierungen mit kombinierten Wirkstoffen eine zunehmende Bedeutung. Eine bewährte Spoton-Formulierung mit dualem Wirkstoffprinzip enthält neben dem bekannten Permethrin zusätzlich Imidacloprid, das eine sehr hohe Affinität zu nicotinergen Acetylcholinrezeptoren im ZNS von Flöhen aufweist, wodurch nach Kontakt mit diesem Paralyse und Tod der Insekten auftreten. Neben synergistischen Effekten des Permethrins ist vor allem dessen repellierende Eigenschaft wichtig, um den Hund vor Zecken zu schützen. Spot-on Kombinationspräparate gegen Zecken- und Flohbefall, die keine Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethroide verwenden, nutzen beispielsweise die insektizide und akarizide Wirkung von Fipronil mit der Wirksamkeit von (S)-Methopren, das ein Wachstumsregulator für Insekten aus der Wirkstoffgruppe der Juvenilhormon- Analoga ist und die Entwicklung der unreifen Flohstadien hemmt. Die akarizide Wirksamkeit beträgt ca. vier Wochen; häufiges Baden und Nasswerden kann die Wirksamkeit beeinträchtigen. Zwischenzeitlich ist auch ein Produkt verfügbar, das zusätzlich Amitraz enthält, wodurch die Wirksamkeit der Bekämpfung des Zeckenbefalls gesteigert sein soll (Certifect®, Merial).

Halsbänder

Außerdem können antiparasitär wirkende Halsbänder verwendet werden, die entweder Mono- oder Kombipräparate enthalten und ebenfalls für die kutane Anwendung entwickelt wurden. Es werden synthetische Pyrethroide wie z.B. Delta methtrin mit insektizider und akarizider Wirkung eingesetzt, das eine ausgezeichnete und lang anhaltende repellierende Wirkung (bis zu sechs Monaten) aufweist. Als lipophiler Wirkstoff wird dieser kontinuierlich vom Halsband in das Haarkleid und die Lipidschicht der Haut abgegeben. Auch ist hier die dermale Resorption bei intakter Haut gering. Da der Wirkstoff für Wasserlebewesen toxisch ist, sollte das Halsband vor dem Baden in natürlichen Gewässern abgenommen werden. Neu in dieser Klasse der Anti-Zecken- und Flohpräparate ist nun ein Halsband, das auf die Kombination eines Wirkstoffs aus der Pyrethroidgruppe, Flumethrin mit anti-feeding, d.h. die Blutmahlzeit verhindernden Eigenschaften, mit einem weiteren bewährten Ektoparasitikum gegen Flöhe, Flohlarven und Haarlinge, Imidacloprid, setzt (Seresto®, Bayer HealthCare). Die Wirkstoffe werden ebenfalls langsam und kontinuierlich in geringen Konzentrationen aus der Halsbandmatrix frei gesetzt und verteilen sich danach im Haarkleid des Tieres. Die Schutzwirkung gegen adulte Zecken, Larven und Nymphen ist bereits zwei Tage nach Anlegen des Halsbandes gewähr leistet und hält acht Monate an. Es ist zu bemerken, dass bei allen topisch anzu wendenden Langzeitpräparaten saisonal bedingter Haarwechsel die antiparasitäre Wirksamkeit beeinträchtigen kann. Dies gilt auch bei häufigem Baden oder Shampoonieren des Hundes.

Foto: © Dr. Andrea Junker-Buchheit

HKP 2 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 2 / 2012.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
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Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
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