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Aktuell : Mastitis ist oft ein Managementproblem

Bayer-Nutztierakademie stellt Tierärzte auf Zukunftsanforderungen ein

Mit dem strukturellen Wandel von Betrieben mit einigen wenigen Tieren hin zu Großbetrieben mit mehreren hundert Rindern ändert sich auch das Anforderungsprofil des Tierarztes. Neben kurativem Wissen sind zunehmend Kenntnisse im modernen Herdenmanagement die entscheidenden Erfolgsfaktoren, um das Wohlbefinden der Tiere zu sichern. Gleichzeitig muss die Produktivität des Betriebes optimiert und die Sicherheit des Verbrauchers garantiert werden.

„Dazu bedarf es spezifischer Informations- und Trainingsangebote“, sagt Dr. Volker Luibl aus dem Wissenschaftlichen Marketing von Bayer Tiergesundheit. Um diese zu schaffen, wurde im vergangenen Jahr die Bayer-Nutztierakademie ins Leben gerufen. Ihr Hauptziel ist es, die wirtschaftliche Bedeutung von modernem Herden- und Betriebsmanagement den Tierärzten und Landwirten stärker bewusst zu machen.

Die ersten drei Fortbildungsprogramme für Rinder-Tierärzte widmen sich den für milcherzeugende Betriebe zentralen Themen Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Kälbergesundheit. Bei der Auftaktveranstaltung in Bremerhaven ging es um die ökonomischen Aspekte der Eutergesundheit sowie die Konsequenzen von Mastitiden für Tierarzt und Landwirt.
Prof. Dr. Klaus Fehlings, Fachtierarzt für Rinder und tierärztlicher Leiter des Tiergesundheitsdienstes Bayern, machte deutlich, dass die Verbraucher in Europa inzwischen allerhöchste Qualitätsansprüche an die Milch stellen. „Der Landwirt trägt entsprechend der geltenden EU-Verordnung die volle Verantwortung für sein Produkt. Darauf muss der Tierarzt ihn hinweisen“, so Prof. Fehlings. Hohe Keimgehalte aufgrund von Hygienemängeln sowie hohe Zellzahlen bei Mastitisherden verringertendie Haltbarkeit der Milch, beeinträchtigten die Verarbeitbarkeit sowie den Genuss des Produktes.

Prof. Fehlings wies darauf hin, dass der Anteil klinischer Mastitiden nur etwa fünf Prozent beträgt. Sie würden aufgrund der deutlichen Symptome wie Rötung, Hitze, Schwellung, Schmerz und gestörter Euterfunktion meist vom Landwirt festgestellt. Die subklinische Mastitis dagegen, die in 95 Prozent der Fälle vorliege, müsse vom Tierarzt entdeckt werden. Leitparameter hierfür sei die Zellzahl in der Milch, die unter 200.000, besser aber unter 150.000 liegen sollte. Prof. Fehlings appellierte an seine Zuhörer, Milchproben grundsätzlich mit Handschuhen zu ziehen und ausschließlich sterile Probengefäße zu verwenden, denn „die Qualität der Probenentnahme entscheidet über die Qualität der Labordiagnose“. Prof. Fehlings ging auch kurz auf den immer häufigeren Einsatz von automatischen Melksystemen ein, die Milchinhaltsstoffe analysieren und eine Vielzahl diagnostischer Parameter messen können. „Der Tierarzt muss wissen, wie diese Daten zu interpretieren sind“, so Fehlings.

Dr. Andreas Striezel, Fachtierarzt für Tierschutz und Integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung rechnete vor, welche wirtschaftlichen Folgen Mastitiden für einen milcherzeugenden Betrieb haben können. Die Mastitis-bedingten Verluste beliefen sich auf durchschnittlich 315 Euro pro Kuh und Jahr. Davon seien 270 Euro pro Kuh und Jahr vermeidbar. Dr. Striezel empfahl die Anwendung von Kostenberechnungs-instrumenten, um dem Landwirt konkret aufzuzeigen, welchen Nutzen bestimmte Veränderungen im Betrieb sowie die tierärztliche Beratung und Behandlung erbringen können.
Er zeigte auf, dass das unspezifische Immunsystem eine zentrale Rolle bei der Faktorenerkrankung Mastitis spielt und welche Einflüsse dieses schwächen können. Dazu gehörten Krankheiten wie Lahmheit ebenso wie Stress oder Defizite bei der Fütterung. „Beim Analysieren eines Betriebes, der Mastitisprobleme hat, ist oft regelrechte Detektivarbeit angesagt“, so Dr. Striezel. Wie eine systematische Begutachtung eines Betriebes aussehen kann, stellte er auf Grundlage seiner eigenen Beratungstätigkeit dar. Am Anfang steht eine Vorabauswertung von Betriebsdaten, Betriebsbesuch mit Probennahme, Auswertung der Ergebnisse und die Lösungsentwicklung. Doch damit sei es nicht getan. Dr. Striezel: „Bestandsbetreuung heißt, den Landwirt dazu zu bringen, etwas zu ändern.“ Und das erfordere besonderes Kommunikationsgeschick.

Wie im Laufe der Veranstaltung deutlich wurde, muss jeder Tierarzt sein eigenes Konzept entwickeln, wie er dem Landwirt seine Beratungskompetenz in Sachen Herdenmanagement vermitteln kann. Fortbildungsangebote wie diese helfen dabei auf jeden Fall, so die einhellige Meinung der Teilnehmer. Weitere Veranstaltungen in verschiedenen Gebieten Deutschlands sind geplant.

www.bayervital.de

Foto: Prof. Dr. Klaus Fehlings (links) und Dr. Andreas Striezel im Gespräch

HKP 1 / 2011

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 1 / 2011.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
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Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.