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Vorbereitung der Maidenstute auf die Zuchtsaison

Gut geprüft ist halb gewonnen

Ehe man eine Maidenstute in die Zucht nimmt, sollte sie auf ihre züchterische und gesundheitliche Eignung geprüft werden. Die Investition in die tierärztliche Untersuchung lohnt sich in jedem Fall, wenn man die Kosten wie Decktaxe, Transportkosten für Stute und/oder Samen sowie Tierarzthonorare für Tupferproben, Follikelkontrollen, Besamung, Behandlungen und Trächtigkeitsuntersuchung bedenkt, die in der Regel auch bei einem erfolglosen Zuchteinsatz erwachsen. Diese Empfehlung gilt im Besonderen für ältere Maidenstuten, die nach oder auch während ihrer Sportkarriere zur Zucht eingesetzt werden sollen, da diese vor allem degenerative Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) aufweisen können. Dr. Stefanie Neuhauser und Prof. Dr. Johannes Handler zeigen, was bei Maidenstuten beachtet werden soll.

Erkrankungen bei Maidenstuten

Zu den Missbildungen des Genitaltrakts zählt man Störungen der Geschlechtsentwicklung wie zum Beispiel Aplasien, die Nichtanlage von Organen. Treten solche Veränderungen auf, sollte man weitere Untersuchungen wie ein Hormonprofil und eine Chromosomenbzw. Genanalyse einleiten. Ein persistierendes Hymen, also der Komplettverschluss der Scheide, kann zu Problemen beim Deckakt führen. Der Tierarzt kann diese Fehlbildung bei der vaginalen Inspektion oder bei der Uterustupferprobenentnahme feststellen. Ovulationsstörungen lassen sich meist nur durch wiederholte Untersuchungen feststellen. Anovulatorische Follikel treten vermehrt im Frühling und Herbst in den Übergangsphasen zwischen Winteranöstrus und Zuchtsaison auf. Sie können sich unterschiedlich darstellen (Atresie des Follikels, Follikelhämatom, Luteinisierung ohne Ovulation) und rhindern die Freisetzung einer befruchtungsfähigen Eizelle. Oft bedingen sie verlängerte Zyklen, die der Züchter als Dauerrosse oder verlängerte Zwischenrosse wahrnimmt. Zunehmendes Alter der Maidenstuten hat einen wichtigen Einfluss auf die Trächtigkeitsraten und erfordert oft ein intensiveres, tierärztliches Belegungsmanagement. Die Endometrose ist eine degenerative Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut, die vor allem bei älteren Stuten auftritt. Die Stuten sind klinisch und gynäkologisch unauffällig und die Erkrankung kann auch nicht mittels Ultraschalluntersuchung festgestellt werden, sondern nur durch die histologische Untersuchung einer Endometriumbiopsie. Endometriumzysten sind häufig die Folge von degenerativen Erscheinungen. Sie entstehen durch die Stauung von Uterindrüsen oder Lymphgefäßen. Einerseits können sie die Wanderung des Embryos in der Frühträchtigkeit stören und damit die Etablierung einer Trächtigkeit verhindern. Andererseits bilden sich im Bereich von Zysten die Zotten der Plazenta nicht aus, wodurch es in der Spätträchtigkeit zu einer Unterversorgung des Fetus kommen kann. Endometritiden sind Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut. Sie können durch eine Infektion (Bakterien, Pilze) oder belegungsinduziert auftreten. Die belegungsinduzierte persistierende Endometritis verursacht oft Probleme bei älteren Stuten mit Störungen der Selbstreinigungsmechanismen der Gebärmutter. Empfängliche Stuten benötigen deshalb ein gutes Belegungsmanagement (möglichst wenige Belegungen mit einem möglichst geringen Volumen an Flüssigkeit und Spermien, das in die Gebärmutter eingebracht wird) und anschließend eine intensive tierärztliche Nachbetreuung. Die Diagnose einer Endometritis erfolgt mittels Ultraschall (freie Flüssigkeit in der Gebärmutter, Abb. 1) und einer zytologischen Untersuchung (Anteil der neutrophilen Granulozyten).

Die gynäkologische Untersuchung

Vor der speziellen gynäkologischen Untersuchung sollte immer eine allgemeine klinische Untersuchung stattfinden. Dabei ist auch besonders auf phänotypische Erbfehler, orthopädische Erkrankungen, Funktion des Atmungstrakts und die Kreislaufsituation zu achten. Im Vorbericht sind Impfstatus, Entwurmungsregime und Haltungsbedingungen wesentliche Punkte. Außerdem kann die Frage der Belegung (Deckung, Frischsamen- der Tiefgefriersamenübertragung) gerade bei älteren Stuten von Bedeutung sein, vor allem dann, wenn man eine Prognose über die mögliche Trächtigkeitsrate stellen möchte. Die äußere Untersuchung beginnt mit der Adspektion des äußeren Genitales, wobei Lage und Schluss der Vulva beurteilt werden. Die Autoren verwenden zur Beurteilung des Vulvatyps den Caslick-Index (Abb. 2, Tab. 1). Durch das Spreizen der Labien wird anschließend die Funktion des Hymens überprüft. Wird dabei ein Einströmen von Luft akustisch wahrgenommen, ist der Hymenalschluss unzureichend, was aufsteigende Infektionen begünstigt. Für die innere Untersuchung erfolgt zuerst die rektale Palpation von Uterus und Ovarien. Größe, Konsistenz, Symmetrie und Verschieblichkeit der Organe werden dabei überprüft (Tab. 2). Anschließend werden mittels transrektalen Ultraschalls die Echogenität des Uterus und die Funktionskörper an den Eierstöcken dargestellt und der Zyklusstand bestimmt. Gelbkörper können bei der Stute nur sonografisch dargestellt werden. Bei der transrektalen Ultraschalluntersuchung muss vor weiteren Untersuchungen wie Uterustupferprobe oder Endometriumbiopsie eine Trächtigkeit ausgeschlossen werden. Die vaginale Inspektion erfolgt mit einem Spekulum. Das Spreizspekulum nach Polansky hat gegenüber dem Röhrenspe kulum den Vorteil, dass größere Bereiche des Scheidengewölbes eingesehen werden können. Es werden Farbe und Feuchtigkeit der Vaginalschleimhaut und Form und Farbe der Zervix uteri beurteilt (Tab. 2).

Weiterführende Untersuchungen: Tupferprobenentnahme und Endometriumbiopsie

Die Uterustupferprobenentnahme erfolgt mithilfe des Spekulums und der Zervixfasszange (Abb. 1). Es ist unbedingt darauf zu achten, einen doppelt geschützten Uterustupfer für die Probenentnahme zu verwenden, um eine Kontamination mit Keimen aus der Vagina oder Zervix zu vermeiden. Der Tupfer wird dann in einem Nährmedium (StuartAmiesMedium) zur mikrobiologischen Untersuchung versandt.

Tipp: Soll die Stute auch auf Taylorella equigenitalis (Erreger der contagiösen equinen Metritis CEM) untersucht werden, empfiehlt es sich, die Tupfer in Stuart-Amies-Medium mit Kohle gekühlt zu versenden, da es sich um sehr empfindliche mikroaerophile Erreger handelt. Die Gewinnung von Zellen für die zytologische Untersuchung erfolgt technisch wie die Tupferprobenentnahme. Mithilfe eines Zytobürstchens werden Zellen gewonnen, auf einem Objektträger ausgestrichen und gefärbt. Diese Untersuchung ist beim Verdacht einer Endometritis indiziert. Durch die histologische Untersuchung des Endometriums kann man die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Fohlen ausgetragen werden kann, bestimmen. Die Biopsieprobe sollte im Bereich der Hornbasis entnommen werden. Die Biopsiezange wird dafür unter Fingerschutz durch die Zervix
geführt. Anschließend geht man mit derselben Hand rektal ein, sucht sich das Ende der Zange, positioniert diese in einer Hornbasis und öffnet die Backen der Zange. Mit dem Finger der rektal liegenden Hand wird ein Stück Schleimhaut zwischen die Backen der Zange gelegt und die Backen werden rasch geschlossen.

Tipp: Die Biopsie sollte nicht unmittelbar kranial der Zervix entnommen werden, da an dieser Stelle sehr wenige Uterindrüsen vorhanden sind und die histologische Beurteilung schwierig bzw. weniger aussagekräftig wird. Obwohl die biologische Fertilität letztendlich durch die Geburt eines lebenden Fohlens unter Beweis gestellt wird, geben uns die Befunde der gynäkologischen Untersuchung wertvolle Hinweise für die Vorhersage einer erfolgreichen Belegung und Trächtigkeit. Außerdem kann man unterstützende Maßnahmen wie Caslick-Operation, Vulvaplastik oder endoskopische Zystenablation einleiten, das Belegungsmanagement anpassen und damit gezielt die Trächtigkeitsrate verbessern.

Um die Tabellen sehen zu können, laden Sie sich bitte das PDF (rechts oben) runter.

Foto: © Prof. Dr. Johannes Handler

HKP 2 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 2 / 2012.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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