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Yersinieninfektionen bei Hund und Katze

Achtung,Durchfall !

Kaum eine andere Krankheit hat größeren Einfluss auf die Menschheit gehabt als die Pest. Dem so genannten „Schwarzen Tod“ fielen im 14. Jahrhundert geschätzte 25 Millionen Menschen in Europa zum Opfer [1]. Als Auslöser für diese zweite Pandemie werden Genvarianten von Yersinia (Y.) pestis verantwortlich gemacht. Aber auch andere Vertreter dieser Bakteriengattung können schwere Infektionen hervorrufen.

Yersinien sind gramnegative, stäbchenförmige, fakultativ anaerob wachsende Bakterien aus der Gruppe der Enterobacteriaceae. Zum jetzigen Zeitpunkt werden 18 Spezies unterschieden (siehe Tab.), wobei Y. pestis , Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis eine besondere medizinische Relevanz besitzen.

Die Pest ist nicht ausgerottet

Auch wenn die Pest in industrialisierten Ländern so gut wie nicht mehr vorkommt, ist sie noch immer in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Amerikas enzootisch bzw. endemisch verbreitet. So werden regelmäßig humane Fälle aus Madagaskar, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo, Tansania, aber auch aus Asien, Südamerika und den USA gemeldet (promed-mail). Hauptreservoir für Y. pestis sind Nagetiere [2]. Menschen infizieren sich hauptsächlich durch Flohbisse, mehr als 30 Floharten können als Vektor dienen, im Falle der Lungenpest jedoch über Aerosole. Bei Haustieren kommt Pest selten vor, dennoch werden regelmäßig aus den USA (Neu Mexico, Arizona, Colorado, Kalifornien, Wyoming und Oregon) Erkrankungen bei Katzen und Hunden beschrieben, die infizierte Nager gejagt und verzehrt hatten. Diese Tiere stellen ein besonderes Risiko für veterinärmedizinisches Personal und Tierbesitzer dar [2]. Von Bedeutung sind auch Pestfälle bei Präriehunden, von denen regelmäßig aus South Dakota und Kanada (Saskatchewan) berichtet wird (promed-mail).

Y. enterocolitica Häufiger in den östlichen Bundesländern

Von den sieben bekannten Y. enterocolitica Biovaren (1A, 1B, 2 –5) sind in Europa hauptsächlich die Biovar / Serotyp Kombinationen (1B/O:8; 2/O:5,27; 2/O:9; 3/O:3; 4/O:3; 5/) für die beim Menschen vorkommende Yersinienenteritis verantwortlich. Am häufigsten sind dies die den Biovaren 4 (Serotyp O:3) und 2 (Serotyp O:9) zugeordneten Bakterienstämme [3]. Meistens infizieren sich Menschen durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, v. a. durch den Genuss von Schweinefleisch (Hackfleisch, Rohwürste) und Rohmilch. Die höchste jährliche Anzahl an gemeldeten Y. enterocolitica Infektionen (Neuerkrankungen) stammen aus den östlichen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, während die geringsten Fallzahlen aus Baden-Württemberg und Bayern gemeldet werden [4]. Dennoch bleibt auch in Bayern die durch Y. enterocolitica hervorgerufene Erkrankung die dritthäufigste durch Lebensmittel bedingte bakterielle Infektion [5]. Nach oraler Aufnahme des Erregers kommt es nach einer Inkubationszeit von vier bis sieben Tagen zu einer akuten Enteritis oder Enterokolitis. Diese kann einige Tage bis zu mehreren Wochen anhalten. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch schweren Durchfall, v. a. bei Kleinkindern, Pseudoappendizitis (überwiegend bei Erwachsenen) und kolikartigen Bauchschmerzen. Weiterhin können Fieber, Übelkeit, Erbrechen, blutiger Stuhl und Entzündungen im Halsbereich auftreten. Bei Vorhandensein von schweren Grunderkrankungen wie bspw. Tumoren und Diabetes mellitus können Septikämien auftreten [6]. Der direkte und indirekte Nachweis von Y. enterocolitica im Zusammenhang mit einer akuten Infektion beim Menschen ist nach §7 IfSG meldepflichtig.

Infektionen beim Hund durch Verzehr von Schweinefleisch

Wie auch beim Menschen scheinen Jungtiere besonders anfällig für eine Y. enterocolitica Infektion zu sein. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch Durchfall, erhöhte Kotabsetzfrequenz, Blut- und Schleimbeimengungen im Kot, Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang) [7] sowie Lethargie und Anorexie [8]. Gelegentlich können Hepatitiden auftreten [8]. Hunde scheinen sich hauptsächlich über den Verzehr von rohem Schweinefleisch zu infizieren [9] und können den Erreger bis zu drei Wochen ausscheiden. Y. enterocolitica (Biovar 1A, 2 – 5 /Serotyp O:3, O:5, O:5,27, O:8) wird regelmäßig aus caninen Kotproben isoliert [10], wobei 4/O:3 am häufigsten vertreten ist. Besorgniserregend ist der kürzlich erbrachte Nachweis von Y. entereocolitica in den Tonsillen von Hunden. Obwohl die in dieser Studie nachgewiesenen Isolate zum primär geringgradig bzw. opportunistisch humanpathogenen Biovar 1A gehörten, waren alle gegen bis zu drei gängige Antibiotika (Cephalotin (100 %), Ampicillin (92 %), Streptomycin (24 %)) resistent [11].

Infektionen bei der Katze

Die Bedeutung von Y. enterocolitica Infektionen bei der Katze ist aufgrund der sehr schwachen Datenlage nur schwer abschätzbar. Katzen gelten als asymptomatische Träger, dennoch können schwerer Durchfall mit Lethargie und Anorexie auftreten. Ebenso gilt auch für Katzen die Beobachtung, dass Jungtiere dem Erreger anscheinend empfindlicher gegenüber sind als ältere Tiere. Bei Katzen wurden die Biovare 2, 3, 4 und Serotypen O:3 und O:9 isoliert [10]. Über die Häufigkeit der Übertragung von Y. enterocolitica zwischen Mensch, Hund und Katze ist wenig bekannt, wobei identische Serotypen bei allen drei Spezies nachgewiesen wurden. Ob die Infektion durch den Tierkontakt oder durch eine gemeinsame Infektionsquelle hervorgerufen wurde, ist nicht bekannt. Aufgrund des fäkaloralen Übertragungswegs ist eine zoonotische Übertragung jedoch leicht möglich, wobei Kinder, Senioren, Immunsupprimierte und Rekonvaleszente wie für andere Infektionserreger auch besonders empfänglich sind.

Y. pseudotuberculosis Infektionen beim Menschen ähneln „akutem Blinddarm“

In Deutschland werden Y. pseudotuberculosis Infektionen überwiegend durch Stämme der Serogruppe O:1, seltener durch Stämme der Gruppen O:2 und O:3 hervorgerufen, wobei alle Y. pseudotuberculosis Stämme als pathogen zu bewerten sind. Menschen infizieren sich hauptsächlich durch kontaminierte Lebensmittel, v. a. durch den Genuss von Schweinefleisch. Das klinische Bild kann sich als Darmentzündung, scheinbare Blinddarmentzündung oder mit der Symptomatik eines Morbus Crohn darstellen. Ähnlich der Klinik bei Y. enterocolitica Infektionen entwickeln nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen v. a. Kinder und Jugendliche eine mesenteriale Lymphadenitis mit einer akuten Pseudoappendizitis. Der Erreger kann über einen Zeitraum von bis zu zehn Wochen ausgeschieden werden. Als Folgeerkrankung kann eine reaktive Arthritis im Rahmen einer Autoimmunerkrankung entstehen [12].

Infektionen bei Hunden sind selten – Ausscheider jedoch nicht

Y. pseudotuberculosis kann regelmäßig im Kot von klinisch unauffälligen Tieren nachgewiesen werden. Hunde erkranken selten, wenn, dann sind v. a. Welpen betroffen. Gehäuft tritt die Erkrankung in den Wintermonaten auf. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch schleimigen bis blutigen Durchfall. Gelegentlich können Erbrechen und Fieber auftreten. Bei Abszessbildung können je nach Organlokalisation entsprechende Symptome auftreten [13].

Infektion bei Katzen mit FIP verwechselbar

Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch Anorexie, Erbrechen und allgemeine Schwäche und kann mit einer felinen infektiösen Peritonitis (FIP) verwechselt werden. Häufig werden pyogranulomatöse Läsionen im Gastrointestinaltrakt, der Leber und den Lymphknoten beobachtet. Unbehandelt kann die Infektion zum Tode führen.


Yersinia pseudotuberculosis auf CIN Agar


Yersinia pseudotuberculosis auf Columbia Blut Agar

Therapie

Die Therapie sollte symptomatisch erfolgen (Volumenersatz, Schmerzlinderung, Schonkost). Bei Abszessbildung ist eine Antibiose nach Antibiogramm mit bspw. Chloramphenicol, Tetracyclin, Gentamicin, Cephalosporinen oder Trimethoprim-Sulphonamid angeraten.

Diagnostik

Der direkte Erregernachweis bspw. aus Kotproben erfolgt nach Anreicherung über Selektivmedien oder Kälteanreicherung. Die anschließende Differenzierung pathogener von apathogenen Isolaten kann dann über biochemische Verfahren oder mittels PCR durchgeführt werden. Serologisch können mittels ELISA Antikörper gegen Y. enterocolitica bzw. Y. pseudotuberculosis nachgewiesen werden.

Bester Schutz

Da sowohl Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis über den fäkaloralen Weg übertragen werden, sind strikte Hygieneregeln beim Umgang mit Haustieren und deren Kot die wichtigste infektionsvorbeugende Maßnahme. Das Entfernen und Entsorgen von Kot aus der Umwelt verringert die Ansteckung anderer Tiere und Menschen. Auch sollte das Verfüttern bzw. der Verzehr von rohem Schweinefleisch vermieden werden. Trotz anders lautender Meinung in vielen Lehrbüchern gehören Yersinien nicht zur physiologischen Darmflora von Hunden und Katzen und sollten mit entsprechender Vorsicht behandelt werden.

take home

Der direkte und indirekte Nachweis von Y. enterocolitica im Zusammenhang mit einer akuten Infektion beim Menschen ist nach §7 IfSG meldepflichtig. Wichtigste infektionsvorbeugende Maßnahme gegen Yersinieninfektionen sind strikte Hygieneregeln beim Umgang mit Haustieren und deren Kot. Kein Verfüttern von (rohem) Schweinefleisch an Hunde und Katzen.

Literatur bei der Verfasserin.

Bild: © istockphoto.com| GlobalP

Stichwörter:
Yersinieninfektion, Enterobacteriaceae, Y. pestis, Y. enterocolitica, Y. pseudotuberculosis, akuten Enteritis, Enterokolitis, Septikämien, Tenesmen, Tonsillen, Morbus Crohn, feline infektiöse Peritonitis, Chloramphenicol, Tetracyclin, Gentamicin, Cephalosporinen, Trimethoprim-Sulphonamid, ELISA Antikörper

HKP 5 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 5 / 2013.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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