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Malassezia-Hefen

Kommensalen der Haut oder Krankheitserreger?

Hefepilze mit pathogenem Potenzial sind nicht selten in Probenmaterialien von gesunden wie
von erkrankten Tieren nachzuweisen. Das erschwert die Interpretation derartiger Untersuchungsbefunde im Hinblick auf eine Beteiligung solcher Mikroorganismen an einem aktuellen Krankheitsgeschehen erheblich. Anhand der im Folgenden vorgestellten Malassezia- Hefen und der mit ihnen beim Hund assoziierten Krankheitsbilder zeigt sich, dass die Problematik auch für diese Pilze ihre Gültigkeit hat.

Unter der Vielzahl der im Reich der Fungi zusammengefassten Pilzarten befinden sich vergleichsweise nur wenige, die als Erreger von Krankheiten bei Tieren und/oder beim Menschen Bedeutung erlangt haben. Neben den allseits bekannten Hautpilzen (Dermatophyten) sind dies eine Reihe von sog. Dimorphen Pilzen sowie einige den Schimmelpilzen und den Spross- oder Hefepilzen zugeordnete Pilzspezies. Dabei ist die Virulenz, also der Grad der krankmachenden Wirkung, der meisten dieser Pilzarten vergleichsweise gering und es bedarf überwiegend einer Schwächung der Abwehrkraft bei ihren potentiellen Wirten „Tier“ oder „Mensch“, damit eine Infektion mit klinisch manifestem Erscheinungsbild (Mykose) überhaupt entstehen kann. Demzufolge werden solche Erreger üblicherweise als „fakultativ pathogen“ bezeichnet. Das gilt weitestgehend auch für Hefepilze mit pathogenen Eigenschaften. Diese sich hauptsächlich durch Sprossungsvorgänge vermehrenden Mikroorganismen (Sprosspilze) gehören neben zahllosen apathogenen Vertretern taxonomisch z.B. den Gattungen Candida, Cryptococcus oder auch Trichosporon an. Die Gattung Malassezia (M.) muss ebenfalls dazu gerechnet werden, enthält sie doch verschiedene Malassezia-Arten, die für eine Reihe von Erkrankungen bei Mensch und Tier in Betracht gezogen werden.

Die Gattung Malassezia

Pilzen dieser Gattung ist gemeinsam, dass sie als lipophil zu bezeichnen sind; d.h. in Bezug auf ihren Stoffwechsel haben sie eine Affinität zu Fettverbindungen und mit einer Ausnahme (M. pachydermatis) sind sie im Labor nur anzuzüchten, wenn in dem verwendeten künstlichen Nährboden eine Lipidquelle enthalten ist. Dies und die damit verbundenen Schwierigkeiten, Unterschiede in den diesen Pilzen eigenen Stoffwechselleistungen aufzudecken, sind mit als Grund anzuführen, dass lange Zeit nur zwei verschiedene Spezies unterschieden wurden: M. furfur und M. pachydermatis.
Dabei war ihre Erstbeschreibung bereits vor ca. 150 (M. furfur) bzw. über 80 Jahren erfolgt. Erst mit dem zunehmenden Einsatz molekularbiologischer Untersuchungsmethoden sind in den 90er Jahren 5 weitere Malassezia-Arten beschrieben und abgegrenzt worden (M. sympodialis, M. globosa, M. obtusa, M. restricta, M. sloofiae). Wie die neuerliche Erweiterung dieser Liste mit z.T. erst vorläufig gültiger Abgrenzung zusätzlicher Arten wie M. dermatis, M. japonica, M. nana oder M. equi zeigt, dürfte dieser Prozess bei weitem noch nicht abgeschlossen sein. Mindestens ebenso schwierig wie ihre Speziesdifferenzierung ist der Nachweis ihrer medizinischen Bedeutung und die Kenntnisse hierzu sind zumindest beim Tier insgesamt noch recht lückenhaft. Dies beruht in erster Linie darauf, dass Malassezia-Hefen vielfach als Bestandteil der normalen Hautflora anzusehen sind und damit auch bei gesunden Individuen natürlicherweise vorkommen. Beim Menschen sind dies vor allem M. sympodialis, M. globosa und M. restricta, weniger häufig M. furfur, M. obtusa oder M. sloofiae. Dennoch wird heute als mehr oder weniger gesichert angesehen, dass beim Menschen eine Reihe von Erkrankungen auf Infektionen mit Malassezia-Hefen zurückzuführen sind: so z.B. eine als Pityriasis versicolor beschriebene oberflächliche Mykose der Haut durch M. furfur, aber auch das Seborrhoische Ekzem inkl. der Kopfschuppenbildung, das Atopische Ekzem und die sog. Malassezia- Folliculitis. Beim Haut-gesunden Kleintier (Hund, Katze) lässt sich M. pachydermatis, aber auch M. sympodialis, M. globosa und M. furfur von der Haut isolieren, beim Schwein dominieren M. sloofiae und M. sympodialis und beim Pferd und Wiederkäuer neben M. furfur und M. sloofiae eine Reihe weiterer lipidabhängiger Malassezia spp. Selbst in Hautproben gesunder Hühner ließ sich M. sympodialis in über 10 % nachweisen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Vorkommen dieser Hefen oftmals nur an bestimmte Hautlokalisationen, z.B. mit hoher Anzahl an Talgdrüsen oder Bereiche mit lipidhaltigem Sekret oder vermehrter Feuchtigkeit geknüpft ist. Entsprechend wurden Malassezia spp. bei den verschiedenen Tierarten vornehmlich in Proben aus dem Ohr nachgewiesen. Bei Hunden fanden sich M. pachydermatis und andere Malassezien außer im externen Ohrkanal bevorzugt im Bereich der Haut und im Zwischenzehenbereich, an den Lippen sowie in Vagina, Analdrüsensekret und am After.

Klinische Bedeutung

Unter diesen Umständen ist der Nachweis dieser Sprosspilze in klinischem Untersuchungsmaterial, namentlich von Tieren, häufig mit Interpretationsproblemen behaftet. Angesichts der geringen Virulenz dieser Pilze ist daher im Falle ihrer Anzucht stets gleichzeitig darauf zu achten, ob auf Seiten der Patienten Hilfsfaktoren vorliegen, die es diesen Hautbesiedlern erlauben, sich unverhältnismäßig zu vermehren und damit zum Krankheitserreger zu werden. Solche Hilfsfaktoren finden sich z.B. in Form von mikroklimatischen Nachteilen bei Hunden mit Hängeohren, verengten äußeren Gehörgängen oder verstärktem Haarwuchs in diesem Bereich. Sie haben eine Anschoppung der hier gebildeten fetthaltigen Sekrete (Ohrschmalz) und ein feuchtwarmes Milieu innerhalb des Ohrkanals zur Folge, die das Wachstum bereits vorhandener Hefepilze einseitig begünstigen. Auch Primärinfektionen durch bakterielle Eitererreger (Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonaden), Allergieneigung oder eine verstärkte Talgdrüsenaktivität können ein Ungleichgewicht im Bereich der Barriere „Haut“ schaffen und ausreichen, dass die lipophilen Malassezia-Hefen einen begonnenen pathologischen Prozess mit ihrem vermehrten Wachstum in Gang halten.
Zu Hilfe dürften ihnen während der Vermehrung Fähigkeiten zur Bildung von verschiedenen Enzymen, wie Lipasen, Phospholipasen oder Proteinasen etc. kommen, womit sie ihr Umfeld zu ihren Gunsten verändern können. Allerdings sind die Details zur Pathogenese der einzelnen, diesen Hefen zugeschriebenen Krankheitsbilder bis heute nur höchst ungenügend bekannt. Seit längerer Zeit verhältnismäßig gesichert, erscheint die Bedeutung von M. pachydermatis beim Hund in Bezug auf die Otitis externa. Dafür sprechen die im Vergleich zu Ohr-gesunden Individuen meist um ein Vielfaches höheren Zahlen an Pilzzellen im entzündlich veränderten Ohrsekret solcher Tiere und das nicht seltene Fehlen jeglicher anderer möglicher mikrobieller Ursachen in Hundeohren mit hochgradigen Otitiserscheinungen. Die starke Vermehrung der lipophilen Hefen im äußeren Ohr, zumal wenn sie primär zusammen mit bakteriellen Erregern erfolgt, hat die Entwicklung einer Entzündung in den betroffenen Ohrpartien mit zusätzlicher Bildung von weiterem Sekret zur Folge. Klinisch ist diese ein- oder beidseitig auftretende Otitis externa typischerweise durch Kopfschütteln, ständiges Kratzen und auch Schmerzäußerungen gekennzeichnet. Bei Nichtbehandlung dieses akuten Stadiums kommt es im weiteren Verlauf zur Anfüllung des Ohrkanals mit dicken, wachsartigen, gelblichen bis braunschwarzen Massen, welche einen charakteristischen, auf Malassezia-Hefen hinweisenden Geruch abgeben und die fortgesetzte Vermehrung der Hefen begünstigen. Die nun chronisch entzündeten Auskleidungen des äußeren Gehörganges verdicken sich dabei immer mehr und werden allmählich irreversibel wulstig, was den Circulus vitiosus aus Verschlechterung des Mikroklimas im Ohr und Begünstigung der Vermehrungsbedingungen für Bakterien und Hefen vervollständigt. In diesem Stadium ist eine vollständige Wiederherstellung des äußeren Ohres durch tierärztliche Maßnahmen, wenn überhaupt, höchstens teilweise, evtl. unter Einbeziehung eines operativen Eingriffs möglich.
Als zweites Krankheitsbild wird beim Hund die seborrhoische Dermatitis seit ca. 2 Jahrzehnten mit M. pachydermatis in Verbindung gebracht. Dabei reichen die Symptome von einfacher Schuppenbildung bis zu schweren erythematösen, krustigen bis fettig-schmierigen Hautveränderungen. Teilweise strömt von den betroffenen Hunden ein stark „ranziger“ Geruch aus, der auf die Wirkung der von den Malassezien produzierten lipolytischen Enzyme zurückzuführen ist. Ständiges Lecken und Kratzen infolge ausgeprägten Juckreizes begünstigen meistens die Entzündungssymptomatik, Erythembildung und Haarausfall. Neben lokalen Dermatitiden, wie z.B. im Schnauzenbereich, zwischen den Zehen, an Achsel, Hals oder Hautfalten kommen besonders bei chronischem Verlauf auch flächenhafte Haarlosigkeit, Verdickungen sowie Vergröberung der Hautfelderung (Lichenifikation) und Schwarzfärbung, vor allem im Bereich von Unterbauch und Schenkelinnenflächen vor.
Wie bei der Otitis externa werden auch hier primäre Ursachen für die starke sekundäre Vermehrung der Malassezia-Hefen diskutiert, so z.B. allergisch bedingte Dermatitiden, hormonelle Störungen, primäre Seborrhoe, Parasitosen und bakterielle Hautinfektionen, aber auch Adipositas oder anatomische Besonderheiten (Faltenbildung). Daneben ist auch der Aspekt einer Rasse-bedingten Prädisposition für Hauterkrankungen mit Malassezia-Beteiligung bei einigen Hunderassen im Gespräch. Hierzu gehören u.a. Cocker Spaniel, Basset, West Highland White Terrier, Zwergpudel oder Dachshund. So lag z.B. beim Haut-gesunden Basset bereits die natürliche Malassezien-Besiedlung der Haut deutlich über der von Hunden anderer Rassezugehörigkeit. Dies könnte als Ausdruck einer erhöhten Empfänglichkeit dieser Rasse für Malassezien verstanden werden.

Nachweis und therapeutische Aspekte

Der praktische Nachweis von Malassezia-Hefen in klinischem Untersuchungsmaterial ist vergleichsweise einfach: Mit einer von dem krankhaft veränderten Bereich (Ohrkanal, Hautbezirk) oberflächlich entnommenen Tupferprobe lässt sich in kurzer Zeit ein Ausstrich anfertigen, der nach Fixation und Anfärbung mikroskopisch durchzumustern ist. Darin können die Malassezien aufgrund ihrer charakteristischen „Birnen“- oder „Erdnuss“form sicher angesprochen und anhand ihrer Größe von den deutlich kleineren Bakterien abgegrenzt werden (siehe Aufmacherbild). Zusätzlich sind Aussagen über ihre Anzahl und damit ihre potenzielle Bedeutung für das vorliegende Krankheitsgeschehen möglich.
Da gleichzeitig bekanntlich auch Bakterien an derartigen Erkrankungen beteiligt sein können und deren Identifizierung allein auf mikroskopischem Wege meist nicht möglich ist, sollte eine kulturelle bakteriologische Untersuchung der Tupferprobe mit Bestimmung der Antibiotika-Empfindlichkeit evtl. anzuzüchtender pathogener Bakterien eingeleitet werden. In diesem Rahmen ist auch die kulturelle Absicherung des mikroskopisch erhobenen Malassezia-Befundes durch zusätzliche Beimpfung je eines Pilzagars mit und ohne Ölzusatz (z.B. Olivenöl) und ihre Bebrütung über ca. 5 Tage bei 28–30 °C möglich und zudem sinnvoll in Hinblick auf eine eventuelle Beteiligung anderer, Lipid-abhängiger und nicht der Spezies M. pachydermatis zuzurechnender Malassezia-Hefen am Krankheitsgeschehen.
Die von tierärztlicher Seite einzuleitenden therapeutischen Maßnahmen richten sich nach Ausmaß und Schwere der klinischen Veränderungen. Im Falle der Malassezia-assoziierten Otitis externa des Hundes stehen dabei lokale Behandlungen mit Präparaten, die eine antimyzetische Wirksamkeit besitzen (z.B. Polyen- oder Azol Verbindungen), im Vordergrund. Bei Beteiligung bakterieller Erreger können Mischpräparate mit zusätzlicher antibiotischer Wirkung verwendet werden. Gegebenenfalls sind dabei auch systemische Antibiotikagaben erforderlich. Ausgedehnten seborrhoischen Dermatitiden mit Malassezia-Beteiligung lässt sich durch äußerliche Badebehandlungen mit Shampoos begegnen, die einen Wirkstoff gegen Hefepilze enthalten. Die über einige Wochen in mehrtägigem Abstand durchzuführenden Maßnahmen können bei schweren klinischen Fällen parallel mit einer systemischen Azol-Therapie unterstützt werden. Dabei kann auf der Basis des durch die Bekämpfung der Malassezien-Besiedlung erzielten Therapieerfolges rückwirkend auch auf deren Bedeutung in dem Krankheitsgeschehen geschlossen werden.
In allen Fällen von Erkrankungen der Haut und ihrer Anhangsorgane mit Malassezien-Beteiligung sind unabhängig von den gezielten Maßnahmen die jeweils in Frage kommenden Primärschädigungen und prädisponierenden Faktoren zu erfassen und, soweit möglich, gleichzeitig zu therapieren.

Reinhard.Weiss@vetmed.uni-giessen.de

Literatur beim verlag

HKP 1 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 1 / 2009.
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