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Dermatophytose bei Hund und Katze

Dermatophytose bei Hund und Katze

Therapieoptionen

In der letzten Ausgabe von hundkatzepferd hat Dr. Ursula Mayer über die Bedeutung der Diagnostik von Pilzerkrankungen bei Haustieren geschrieben und erklärt, dass Dermatophytose keine Blickdiagnose ist. Im zweiten Teil ihres Artikels geht die Tierärztin auf spezielle Therapieoptionen ein.

Ziele der Therapie

- Möglichst schnelle Heilung der Infektion des betroffenen Tieres – durch systemische und topische Therapie.
- Minimierung des Zoonosepotenzials durch Entfernung von Sporen und infizierten Haaren aus der Umgebung –
durch Kürzen der Haare, topische Therapie und Umgebungsbehandlung.
- Schutz vor Reinfektion – durch Behandlung von Umgebung und Kontakttieren (asymptomatische Träger).

Topische Therapie

In Studien bei Hund und Katze wurde nachgewiesen, dass eine alleinige topische Behandlung selten zu einer dauerhaften Heilung (klinisch und mykologisch) führt, jedoch in Kombination mit systemischer Therapie die Behandlungsdauer signifikant verkürzt. Chlorhexidin und Povidon Iod alleine wurden in mehreren Studien als ineffektiv nachgewiesen. Chlorhexidin (2 %) in Kombination mit Miconazol (2 %) (Micocep ® Shampoo) zeigt jedoch synergistische Effekte und eine bessere Wirkung als Miconazol alleine. Enilconazol (Imaverol®) führt bei zweimal wöchentlicher Waschanwendung nach 4 – 5 Wochen zu negativen Pilzkulturen, bei alleiniger Therapie kann es jedoch nach Absetzen wieder zu positiven Kulturen kommen. Beobachtete Nebenwirkungen bei Katzen sind: Speicheln, Anorexie, Gewichtsverlust, Erbrechen, idiopathische Muskelschwäche und geringgradige Erhöhung der ALT (AlaninAminotransferase). Da dies u.U. durch eine orale Aufnahme (Ablecken vom Fell) verursacht ist, wird empfohlen, den Tieren einen Halskragen aufzusetzen, bis die Lösung abgetrocknet ist. Lime sulfur (Kalziumpolysulfidmischung), das im englischsprachigen Raum seit Jahrzehnten erfolgreich zur topischen Therapie von Dermatophytosen angewendet wird, zeigte sich in einer neuen Studie an Tierheimkatzen effektiver als ein 2 %iges ChlorhexidinMiconazol Shampoo. Seit Kurzem ist auch in Deutschland ein solches Präparat erhältlich (Lime Plus Dip®).

Systemische Therapie (Tab.)

Itraconazol ist für die Katze zugelassen und das zurzeit einzige für Tiere in Deutschland zugelassene Präparat zur Behandlung von Dermatophytosen. Itraconazol reichert sich in der Epidermis und den Haaren an, sodass es als Pulstherapie angewendet werden kann. Das herkömmliche Protokoll beinhaltet 3 Zyklen mit einer Verabreichungsdauer von über 7 Tagen, gefolgt von je 7 Tagen Pause.

Weitere, nicht für Tiere in Deutschland zugelassene Systemika

Griseofulvin, das über Jahre gegen Dermatophytose bei vielen Haustieren eingesetzt wurde, musste in einer kontrollierten Studie an Katzen im Mittel 70 Tage lang verabreicht werden, um eine Heilung zu erreichen. Ketokonazol zeigt im Vergleich zum Itrakonazol eine geringere Wirksamkeit und deutlich mehr Nebenwirkungen. Terbinafin, das in einer Studie an Katzen eine bessere Wirksamkeit in der höheren Dosierung (30 – 40 mg/kg) zeigt, kann vereinzelt zu erhöhten Leberwerten führen. Bei Hunden und Katzen wir meist eine mittlere Therapiedauer von 60 Tagen benötigt. Es gibt jedoch auch Berichte von 14 oder 120 Tagen. Lufenuron, das als Wirkstoff in einem Insektenentwicklungshemmer (Program) enthalten ist, wurde seit 2000 aufgrund von zwei positiven Veröffentlichungen vermehrt bei Dermatophytosen eingesetzt und unterbricht die Chitinsynthese. Chitin ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Exoskelettes vieler Insekten, sondern auch der Zellwand von Pilzen. Inzwischen ist die Wirkung jedoch in Bezug auf einen Infektionsschutz und eine schnellere Heilung von Dermatophytosen widerlegt. Der einzige nachweisbare positive Effekt ist ein verzögerter Ausbruch der Erkrankung. Lufenuron war jedoch nicht im Stande, eine Infektion zu verhindern. Massenpilzimpfungen mit Lebendimpfstoffen haben in manchen Ländern bei Rindern und Pelztieren beinahe zur Ausrottung der betreffenden Dermatophytenspezies geführt. Lokale Impfreaktionen sind hierbei jedoch nicht unüblich. Bei Hund und Katze haben bisher weder experimentelle noch kommerzielle Dermatophytenimpfstoffe in Studien eine Infektion mit Dermatophyten verhindern können. Ein in Deutschland kommerziell erhältlicher Impfstoff (Insol Microsporum®) hat in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie bei Katzen mit starken Läsionen im Alter bis zu einem Jahr und bei Katzen mit einer Erstinfektion eine signifikant bessere Heilung erreichen können. Es zeigten jedoch nach 6 Wochen Behandlung noch über 50 % der Katzen positive Pilzkulturen, wodurch das Zoonosepotenzial erhalten bleibt. Daher kann dieser Impfstoff nur als zusätzliche Maßnahme bei der Behandlung von Dermatophytosen empfohlen werden. In einer kleinen (N=12) placebokontrollierten Studie an Pferden mit einem ähnlichen Impfstoff gegen 6 verschiedene Dermatophytenspezies (Insol Dermatophyton®) kam es zu einem signifikant schnelleren Abheilen der klinischen Läsionen bei den mit Verum behandelten Pferden.

Weitere Hinweise

Kontakttiere sollten immer, auch wenn sie selbst keine Läsionen aufweisen, mitbehandelt werden, da sie asymptomatische Träger darstellen können. Die Therapie sollte so lange durchgeführt werden, bis 2 im Abstand von 2 – 3 Wochen genommene Pilzkulturen negativ sind. In der Regel kann mit einer Behandlungsdauer von 6 – 12 Wochen gerechnet werden. Es muss immer über die klinische Heilung hinaus behandelt werden.

Umgebungsbehandlung

Hier ist es nicht ausreichend, den Schlafplatz des Tieres zu behandeln. Überall dort, wo die Haare des Tieres hingelangen können, muss dekontaminiert werden. So sollte z.B. auch der Transportbehälter für den Tierarztbesuch und das Auto nicht vergessen werden. Weiterhin müssen Teppiche, Vorhänge, Bettzeug, Matratzen, Spielzeug usw. mitbehandelt werden. Während viele Reinigungsmittel in vitro (im Reagenzglas) sporizid getestet werden, sind nur wenige zur Anwendung der Umgebungsbehandlung geeignet. Dies liegt daran, dass in den Labortests einzelne Sporen verwendet werden, während die Sporen und Hyphen von Dermatophyten im Haushalt häufig gut geschützt in den ausgefallenen Haaren vorliegen und somit vielen Reinigungsmitteln widerstehen können. Hier haben sich bisher nur zwei Mittel als wirklich effektiv erwiesen: 0,2 % Enilconazol und 1:10 verdünnte Chlorbleiche. Chlorbleiche kann zur Entfärbung von Flächen und Textilien führen. Eniconazol ist in Deutschland als Imaverol® verfügbar, das unverdünnt klebrig ist. Eines der Hauptziele der Umgebungsbehandlung besteht darin, die Menge an Haaren in der Umgebung zu reduzieren. Dazu können bei langhaarigen Tieren die Haare gekürzt werden. Heutzutage werden die Tiere hierzu nicht mehr geschoren, da so die Gefahr besteht, Mikroläsionen in der Haut zu setzen, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen können. Weiter ist anzuraten, dies in einem leicht zu reinigenden Raum (z.B. gefliestes Badezimmer) durchzuführen und die Haare vor der Entsorgung zu verbrennen oder in Eniconazol einzuweichen. Häufiges Staubsaugen mit Hepafiltern (die vor der Entsorgung ebenfalls verbrannt oder in Enilkonazol eingeweicht werden) ist ebenfalls angeraten. Eine Behandlung der Umgebung mit Dampfstrahler ist nur effektiv, wenn die Temperatur des Dampfstrahls bei Auftreffen auf den Teppichboden noch mindestens 40 °C beträgt. Dies ist bei vielen herkömmlichen Dampfstrahlern nicht der Fall. Empfehlenswert ist Dampfstrahlen mit dem Zusatz fungizider Mittel. Glatte Flächen können mit fungiziden Mitteln gewischt werden. Wäsche sollte bei möglichst hohen Temperaturen gewaschen werden. Bei niedrigeren Temperaturen ist es ratsam, die Stoffe vorher ebenfalls in einem fungiziden Mittel einzuweichen. Problematisch bei der Dekontamination können schlecht zu reinigende Materialien wie Körbchen, Spielzeug und Katzenbäume sein. Hier ist teilweise die Entsorgung notwendig. Die Umgebungsbehandlung sollte während der gesamten Therapie alle 14 Tage durchgeführt werden. Dies kann sich bei großen Wohnflächen sehr aufwändig gestalten. Hier sollte man überlegen, den Auslauf des betroffenen Tieres für die Dauer der Therapie auf einen gut zu reinigenden Raum zu beschränken.

Literatur bei der Autorin

HKP 4 / 2011

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 4 / 2011.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
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Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
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Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.