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Verdacht auf Parasiten?

Strategie der Bekämpfung der Parasitosen bei Pferden1

Jeder, der mit Pferden zu tun hat, kennt das Problem. Die häufigsten Fragen sind: Soll ich regelmäßig entwurmen? Entwurme ich nicht zu viel? Verträgt mein Tier die chemische Keule? Können die Mittel Allergien, Unverträglichkeiten
und sonstige unerwünschte Nebenwirkungen, wie Leistungsabfall und Diarrhoen, auslösen? Wie lange ist der Wirkstoff im Tierkörper, wie ist die Verträglichkeit für die Umwelt und den Anwender? Dr. Andreas Szabados gibt einige Antworten.

Der Fachmann befürchtet auch noch andere Gefahren, wie z.B. die Resistenzbildung bei unsachgemäßer Anwendung der Mittel. Die Zielsetzungen unserer Studie waren, die Parasitosen des Magen-Darm- Traktes (Protozoen, Würmer und Larven) beim Pferd zu studieren und gleichzeitig neue Produkte zu testen. Durch gezielte Untersuchungen vor und nach einer Entwurmung galt es, herauszufinden:

• Ist eine Entwurmung notwendig gewesen?
• War die Entwurmung erfolgreich?
• Sollte eine zusätzliche spezifische Therapie gegen Protozoen oder Würmer erfolgen?

Die Untersuchungen wurden nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der mikroskopischen Kotdiagnostik mittels Sedimentationsverfahren2 (SV) und der neuen, verbesserten Flotationstechnik (kombiniertes Sedimentations-Flotationsverfahren2 (KSFV) ausgeführt.
Alle Pferde (n=54) wurden unter sehr guten hygienischen Bedingungen im Stall untergebracht, regelmäßig und täglich auf der Weide mit ausreichend großer Fläche gehalten und bestens versorgt. Die Ergebnisse waren zum Teil überraschend und lehrreich: In den untersuchten Proben waren auch bei Mehrfachuntersuchungen an verschiedenen Tagen und/oder verschiedenen Stellen bei 27 Tieren (50 %) keine, oder keine behandlungsbedürftigen Parasitenformen nachweisbar.
Die bei den 27 befallenen Tieren nachgewiesenen Parasiten (teilweise Mehrfachbefall) verteilten sich vor der Entwurmung wie folgt:

Magenfadenwurm (Trichostrongylus axei)
Großer Leberegel (Fasciola hepatica)
Lungenwurm (Dyctocaulus arnfieldi)
Kleiner Leberegel (Dicrocoelius dendriticum)
Kleine und große Palisadenwürmer (Strongylus spp.)
Haarwurm (Capillaria sp.)
Spulwurm (Parascaris equorum)
Magenfliege (Gasterophilus intestinalis)
Zwergfadenwurm (Strongyloides westeri)
Coccidia (Eimeria leuckarti)
Pfriemenschwänze (Oxyuris equii)
Protozoon (Cryptosporidium sp.)
Protozoon (Balantidium coli)

Nach der Entwurmung waren bei 5 Tieren (etwa 9 %) noch Parasiten nachweisbar. Diese waren:

Kleine und große Palisadenwürmer (Strongylus spp.)
Magenfliege (Gasterophilus intestinalis)
Großer Leberegel (Fasciola hepatica)
Kleiner Leberegel (Dicrocoelium dendriticum)
Haarwurm (Capillaria sp.)
Protozoon (Cryptosporidium sp.)

Die Befunde Fasciola hepatica, Capillaria sp. und Balantidium coli (besonders das Letztere) sind beim Pferd sicherlich seltene Befunde. Die ersten beiden Wurmerkrankungen und das Protozoon Cryptosporidium sp. sind häufiger bei Karnivoren, bzw. bei anderen Weidetieren (Rinder, Schafe) diagnostizierbar. Leberegel, Palisadenwürmer und Magenfliegen aber sollten nach einer „Entwurmungsaktion“ nicht mehr vorhanden sein. Hier wäre entweder eine Wiederholung, oder ein Wechsel der Mittel dringend geboten. Bei der Bekämpfung der Parasitosen unterscheiden wir Verhütung (Prophylaxe), Eindämmung (Schadensbegrenzung) oder Elimination (Tilgung). Zur Behandlung stehen uns zahlreiche, mehr oder minder gut wirksame und im Allgemeinen gut verträgliche antiparasitäre Mittel, z.B. Chemotherapeutika zur Verfügung, die aber, wie in den vorliegenden Fällen ersichtlich, nicht immer als erfolgreich eingestuft werden können. Die prophylaktischen (vorbeugenden) und strategischen (planmäßigen) Behandlungen sind je nach Kenntnis der epidemiologischen Situation sicherlich zu bejahen, jedoch sind dabei regelmäßige parasitologische Kontrollen empfehlenswert. Die eingesetzten Maßnahmen, insbesondere die Chemotherapie, können und müssen danach genau durchdacht werden.
Die Grundlage für jede Therapie und Bekämpfung soll eine exakte ätiologische (ursächliche) Diagnose sein. Genau wie in der Humanmedizin, empfehlen wir hier auch: Vertrauen ist gut, jedoch ist die parasitologische Kontrolle besser. Es muß darüber auch nachgedacht werden, inwieweit es sinnvoll ist, die Tiere regelmäßig zu „entwurmen“, die gar keine Parasiten (weder Würmer, noch Protozoen) haben. Auf die Gefahren (s.a. oben) brauchen wir hier nicht einzugehen. Oder wären Sie selbst gerne bereit (außer der Malaria-Prohylaxe in den Tropen), regelmäßig Mittel zu schlucken, die Sie gegen nicht vorhandene Parasiten schützen soll? Obwohl die Zahl der hier untersuchten Tiere nicht hoch ist und die Studie bis jetzt als wenig repräsentativ eingestuft werden kann, soll an das häufige Zitat unserer Lehrer aus Studienzeiten an der Universität erinnert werden:
„ Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt!“

Literatur

1 Kooperationsprojekt „Forschende Industrie im Städtebund Inn-Salzach mit der Technischen Universität München“
2 Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung der Fa. Biosepar GmbH, Mühldorf am Inn / Grünwald, mit ihrem neuen Produkt für die Kot-Diagnostik ParasiTrap® Animal Line
3 Mikroskopische und makroskopische Aufnahmen: Géza Holzinger, Photograph, Fa. Biosepar GmbH, Mühldorf am Inn

dr.andreas.szabados@gmx.net

HKP 4 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 4 / 2010.
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