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Thrombozytentherapie - Interview mit Dr. Gelja Surma

alternative Behandlungsoptionen

Viele Hunde leiden altersbedingt oder aufgrund von Gelenksverletzungen oder Fehlbelastungen an ­Arthrosen. Die Behandlung dieser ­Patienten stellt den Tierarzt vor eine schwierige Aufgabe. Eine vollständige Regeneration der betroffenen Gelenke kann nicht erreicht werden, sodass die Hunde symptomatisch behandelt werden müssen. Aufgrund des chronischen Charakters von Arthrosen geschieht dies als Langzeittherapie. Erweisen sich die gewählten Therapien über die Zeit als nicht ausreichend zur Symptomkontrolle, müssen alternative Behandlungsoptio­nen gefunden werden. Diese bieten sich nun im Einsatz von Thrombozytenkonzentrat.

Thrombozytenkonzentrat wird schon seit vielen Jahren in der Human- und Pferdemedizin eingesetzt und hat sich zur Behandlung von Schäden an Sehnen, Bändern und Gelenken bewährt. Aus dem Blut des Patienten werden die Thrombozyten selektiv angereichert und als konzentrierte Lösung an den Ort der Schädigung injiziert. Der Thrombozyt wird im geschädigten Gewebe aktiviert und schüttet als Folge eine Vielzahl von Wachstums- und Wundheilungsfaktoren (PDGF, TGF-ß, IGF, EGF, FGF, PDEGF, PDAF etc.) aus. Diese führen nach bisherigem Kenntnisstand zu:

// Wachstum, Vermehrung und Differenzierung verschiedener Zelltypen der geschädigten Gewebe (Stammzellen, Osteoblasten, Chondroblasten, Epidermiszellen etc.)

// Erhöhung der Produktion und gleichzeitig Hemmung des Abbaus von Kollagen und Proteoglykanen, die die Zellen umgeben

// Erhöhung der Gefäßbildung

// Entzündungshemmung

// Schmerzstillung

Der gezielte Einsatz von Thrombozytenkonzentrat, das aus dem Blut des Patienten gewonnen wird, unterstützt so auf natür­liche Art die körpereigene Regeneration und fördert langfristig Schmerzstillung und Mobilität.

Frau Dr. Surma, für die Kleintiermedizin ist Thrombozytentherapie eine ganz neue Behandlungsmöglichkeit. Welche Erfahrungen liegen bisher für die ­Anwendung bei Hunden vor?

Bisher gibt es hierzu zwei Feldstudien. Diese Studien hat die Firma Pall durchgeführt. Pall ist Marktführer für Filtrationssysteme und hat ein speziell auf den Hund adaptiertes Filtersystem zur Anreicherung von Thrombozyten aus Patientenblut entwickelt, das in den Studien getestet wurde. Die erste Feldstudie ist bereits veröffent­licht. In ihr wurden 94 Hunde einmalig mit Thrombozytenkonzentrat behandelt.
Der Großteil dieser Hunde litt an Arthrose, es waren jedoch auch einige Tiere mit Kreuzband- und Knochenverletzungen dabei. Direkt vor der Behandlung sowie drei Monate danach haben die behandelnden Tierärzte zusammen mit den Patientenbesitzern den Lahmheitsgrad der Hunde anhand eines definierten Punktesystems (HVA-Score) beurteilt. 84% der Tiere zeigten nach der Behandlung eine deutliche Besserung der Lahmheit. Da viele Tierärzte aus eigenem Interesse monatlich die Lahmheit ihrer Patienten überprüft hatten, können auch Aussagen dazu gemacht werden, dass der Effekt bereits im ersten Monat nach der Behandlung eintritt und offenbar für mehrere Monate anhält. Die zweite Studie wird in Kürze im JAVMA (Journal of the American Veterinary Medical Association) veröffentlicht. Sie ist meines Erachtens nach noch aussagefähiger. Hier erfolgte die Auswertung durch Trittintensitätsmessung vor und nach der Behandlung, was eine objektive Beurteilung erlaubt. Außerdem ist sie doppelverblindet und plazebokontrolliert. Die Ergebnisse bestätigen und unterstreichen die ermutigenden Resultate der ersten Feldstudie. Und neben den Studien haben sich inzwischen auch schon viele Kollegen in Deutschland ein eigenes Bild von dieser Behandlungsform gemacht und werden sie in Zukunft regelmäßig einsetzen.

Wie kann Thrombozytenkonzentrat gewonnen werden?

Das Thrombozytenkonzentrat wird aus dem Blut des Patienten gewonnen. Hierfür wird ein Filtersystem genutzt, das aus dem Vollblut aufgrund der Parameter Größe und Oberflächenspannung spezifisch die Thrombozyten selektiert. Diese können dann im Anschluss mithilfe einer speziellen sterilen Salzlösung wieder vom Filter gelöst werden. So erhält man das Thrombozytenkonzentrat, das anschließend injiziert werden kann. Das mag jetzt hier recht kompliziert klingen, ist aber einfach, schnell und vor allem ohne den Einsatz weiterer Hilfsmittel durchführbar. Auf der Internetseite www.Tier-PET.de gibt es einen Film, der die gesamte Anwendung sehr anschaulich zeigt.

Wie sollte man Thrombozytenkonzentrat einsetzen?

Die Thrombozyten müssen mit dem geschädigten Gewebe in direkten Kontakt kommen. Im Fall der Arthrosebehandlung bedeutet das, dass das Thrombozytenkonzentrat in das betroffene Gelenk injiziert wird. Gelenksinjektionen sind eine Maßnahme, die viele Kollegen nicht regelmäßig durchführen. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, ist es daher sinnvoll, die erforderlichen Techniken zunächst theoretisch wieder aufzufrischen. Der Erfahrung nach entsteht aber noch eine Vielzahl an weiteren Fragen, wenn man sich mit einer neuen Therapieform beschäftigt. Diese beantworten meine Kollegen und ich Ihnen gerne!

Vielen Dank für das Gespräch

Foto: © panthermedia.net, Maria Itina

Stichwörter:
Thrombozytenkonzentrat, Kollagen, Proteoglykanen, Arthrose, Trittintensitätsmessung, Gelenksinjektionen

HKP 3 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2013.
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„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
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Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.