19.09.2018 19:41 - Über uns - Mediadaten - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Veterinärmedizin RSS > Neue Instrumente zur Förderung der Zucht gesunder Hunde: die Vetopsie

Neue Instrumente zur Förderung der Zucht gesunder Hunde: die Vetopsie

Von der Wurfkiste bis in den Hundehimmel

Für ein seriöses Zuchtmonitoring sind Daten über Gesundheit und Todesursache von zentraler Bedeutung. Ein Rasseclub benötigt für das Erfassen und Zusammentragen von Lebens- und Krankheitsdaten vor allem Ausdauer, Beharrlichkeit und Fleiß. Noch anspruchsvoller gestaltet sich die Eruierung der Todesursache.

Mit der zunehmend stärkeren Bande zwischen Mensch und Hund werden die als vollwertige Familienmitglieder geltenden Haustiere zur Abklärung der Todesursache kaum noch für eine herkömmliche Sektion zur Verfügung gestellt. Die Vetsuisse Fakultät Bern prüft nun, in welchem Ausmaß bildgebende Untersuchungen von verstorbenen Tieren Informationen zur Todesursache liefern können. Sie erhält dazu Unterstützung von Fachpersonen aus der Privatwirtschaft, die es verstehen, im Todesfall mit Fingerspitzengefühl vorzugehen.

Ein Ende mit Würde …

Dies wird für immer mehr Heimtierbesitzer zu einem zentralen Thema. Die meisten möchten, dass ihr treuer Begleiter am Lebensabend nicht noch unnötig leiden muss. Deshalb sind sie aufwändigen veterinärmedizinischen Abklärungen und Eingriffen gegenüber oft skeptisch eingestellt, wenn sie spüren, dass die Sonne langsam untergeht. Der Tierarzt ist in diesen Situationen speziell gefordert. Seine Aufgabe ist es, über sinnvolle Wege zu informieren und Chancen und Risiken abzuschätzen. Nicht selten bewegt er sich dabei in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen mitfühlender Anteilnahme, medizinisch-wissenschaftlicher Neugierde und ethischen Grundsätzen.
Esther Sager vom Tierkrematorium Seon hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Trauerverarbeitung von Tierbesitzern auseinandergesetzt. Sie kennt die Fragen und Bedürfnisse, welche die Menschen im Fall des Hinscheidens ihres Hundes beschäftigen. Sie bietet deshalb mit ihrem ausgebildeten Team eine kundenorientierte Betreuung an. Transparenz und Sorgfalt im Umgang mit dem verstorbenen Tier gehören zu den wichtigsten Bedürfnissen von Betroffenen. Die Besitzer möchten wissen, was mit ihrem Liebling nach dem Tod geschieht. Gerade wenn es um invasive Eingriffe wie Sektionen, Biopsien oder andere Untersuchungen geht, brauchen die Tierbesitzer genaue Erklärungen und Offenheit. Nicht selten möchten Tierhalter ihr Tier nach einer solchen Untersuchung nochmals sehen und Abschied nehmen, was leider nicht immer möglich ist. Besonders wichtig ist den Trauernden, Vertrauen haben zu können, dass das eigene Tier so behandelt wird wie vereinbart und dass sie nach der Kremation wirklich die Asche ihres Tieres zurückerhalten. Esther Sager nimmt diese Bedürfnisse ernst und versucht, individuelle Lösungen anzubieten.

… und wertvollen veterinärmedizinischen Informationen

Gerade im Bestreben der Zucht gesunder Hunde wäre die Kenntnis um die genaue Todesursache jedoch enorm wichtig. Die Vetsuisse Fakultät Bern hat deshalb eine Studie lanciert, die das Potenzial von postmortalen bildgebenden Untersuchungen eruieren soll. In einer ersten Phase werden tote Hunde vor allem computertomo grafisch abgebildet. CT-geführt werden von Organen und verdächtigen Stellen Feinnadelaspirate und trucut-Biopsien entnommen. Damit die bildgebenden Ergebnisse überprüft werden können, müssen im Moment jedoch sämtliche computer tomografisch untersuchten Kadaver einer herkömmlichen Sektion unterzogen werden. Der Schweizerische Klub für Berner Sennenhunde hat seine Mitglieder und Züchter ermuntert, an dieser Studie mitzumachen. Selbstverständlich können auch Besitzer von Hunden anderer Rassen oder von Mischlingshunden an der Studie teilnehmen. Das Tierkrematorium Seon hat sich bereit erklärt, verstorbene Hunde, die kremiert werden sollen, vor der Kremation an die Vetsuisse Fakultät Bern zu transportieren und nach den Untersuchungen dort wieder abzuholen. Die involvierten Personen sorgen dafür, dass die Hunde mit Würde behandelt werden.

Literatur
[1] Dirnhofer R, Jackowski C, Vock P, Potter K, Thali MJ. VIRTOPSY: Minimally Invasive Imaging-guided Virtual Autopsy. RadioGraphics 2006; 26:1305–1333.
[2] Ross S, Ebert LC, Filograna L, Thali MJ. Chapter 27 Postmortem Biopsy. Brogdon’s Forensic Radiology, second edition, edited by M.J. Thali, M.D. Viner, B.G. Brogdon, 2011 CRC Press, Taylor & Francis Group, LLC. p. 441 – 448.
[3] Ross S, Aghayev E, Thali MJ. Chapter D5 Biopsy. The Virtopsy Approach 3D Optical and Radiological Scanning and Reconstruction in Forensic Medicine, edited by M.J. Thali, R. Dirnhofer, P. Vock, 2009 CRC Press, Taylor & Francis Group, LLC, p.437 – 442.
[4] Aghayev E, Thali MJ, Sonnenschein M, Jackowski C, Dirnhofer R, Vock P. Post mortem tissue sampling using computed tomography guidance. Forensic Sci Int 166:199 – 203, 2007.

Foto: © Dr. Urs Geissbühler

HKP 8 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 8 / 2012.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Die Autoren:

Weitere Artikel online lesen

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.