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Topische Therapie – wann nutze ich welches Präparat?

Angriffsfläche Haut

Die Haut ist geradezu prädestiniert für den Einsatz von oberflächlich wirkenden Produkten. Die Therapie wirkt an Ort und Stelle und kann dadurch den Einsatz von systemischen Therapien deutlich reduzieren oder sogar unnötig machen. Für den optimalen Nutzen der vorhandenen Präparate ist zum einen die Kenntnis der zu Grunde liegenden Erkrankung notwendig. Zum anderen müssen Inhaltsstoffe und deren Wirkung bekannt sein, um den optimalen Effekt zu erreichen.

Ausmaß der Hautläsionen

Je nach Größe der betroffenen Stellen kommen verschiedene Formulierungen zur Anwendung. Sind nur kleiner Areale ­betroffen und sind diese Bereiche wenig behaart, eignen sich Salben, Cremes, Gele und Lotionen. Gele haben zusätzlich den Vorteil, dass sie schnell verflüssigen und keinen fettigen Film auf der Haut hinter­lassen. Leider stehen in der Veterinärmedizin kaum Monopräparate zur Verfügung, sondern meist Präparate mit mehreren Wirkstoffen (antimykotisch, antibakteriell, entzündungshemmend). Sind die Läsionen etwas ausgedehnter und befinden sich ­zudem noch in behaarter Haut, kommen Sprays und Schaumlösungen zur Anwendung. Sie enthalten häufig die gleichen ­Inhaltsstoffe wie Shampoos und können im Wechsel oder im Anschluss an Bade­therapien eingesetzt werden. Bei Ganz­körpertherapie sind Shampoos angezeigt. Sie haben daneben den Vorteil, dass auch eine Reinigung der Haut und des Haarkleides stattfindet. Es werden daneben auch Allergene, überschüssige Hautschuppen und Mikroorganismen bei der Bade­behandlung mit entfernt. Leider ist das ­Baden sehr zeit- und arbeitsintensiv und wird nicht zudem von allen Patienten toleriert (v.a. Katzen).

Kenntnis der Ätiologie des Hautproblems

Vor der Therapie steht die Diagnostik – dies gilt auch bei der Auswahl von topischen Therapien. Nur wenn der Anwender eine Vorstellung davon hat, was therapiert werden soll, können die richtigen Wirkstoffe ausgewählt werden. Beispielhaft werden daher in dieser Übersicht häufige Hauterkrankungen ausgewählt und eine Übersicht sinnvoller topischer Therapien dargestellt.

Faltenpyodermie

Bei Patienten mit ausgeprägter Falten­bildung im Gesichts- oder Körperbereich kommt es häufig durch Ansammlung von abgestoßenen Hautschuppen, Talg und Schweiß zu einer fokalen Entzündung in diesem Bereich. Ist die Haut einmal entzündet, haben es Bakterien und Hefepilze leicht, sich in diesem schlecht belüfteten Bereich anzusiedeln (Abb.1). Ziel der ­topischen Therapie bei diesen Patienten ist die Säuberung der Falten sowie eine eventuell notwendige Bekämpfung der Infek­tionserreger. Hier ist es wichtig, dem Besitzer zu erklären, dass Wasser nicht geeignet ist, die Falten zu reinigen. Wasser wird von der Haut aufgenommen und führt zum Anschwellen der Haut, was die Falten noch enger macht. Stattdessen empfehlen sich für die Reinigung Feuchttücher, die diesen negativen Effekt nicht aufweisen. Viele­ ­dieser Produkte auf dem Veterinärmarkt sind zusätzlich mit Chlorhexidin getränkt, so dass eine gleichzeitige Desinfektion stattfindet und eine zusätzliche Behandlung mit einem weiteren Produkt nicht notwendig ist.


Abb.1 Faltenpyodermie

Allergische Erkrankungen

Bei der Therapie möchte man an drei Problempunkten angreifen: Verbesserung der epidermalen Barriere (Präparate, die z.B. ­Ceramide, Cyclodextrine, Liposome, D-Panthenol, Propylenglykol und Glycerin als Wirkstoffe enthalten), Beseitigung bzw. Prophylaxe von sekundären Infektionen mit Bakterien oder Hefepilzen (verwendet werden Chlorhexidin-haltige Produkte mit oder ohne Kombination von antimykotischen Inhaltsstoffen (Konazole oder Piro­ctonolamin) in Form von Shampoos, Sprays und Lotio­nen für Ganzkörperbehandlungen oder bei fokalen Infektionen Schaum, Gel oder Salbenpräparate) und Linderung des Juckreizes.

Für den Besitzer sicher am wichtigsten ist die Linderung von Juckreiz und Entzündung. Hier wird seit Jahrzehnten auf steroidhaltige Präparate zurückgegriffen. Viele der älteren Präparate sind leider Kombi­nationen aus Steroiden und antibakteriellen sowie antimykotischen Wirkstoffen. Die meisten dieser Kombinationspräparate enthalten Glukokortikoide, die die Haut penetrieren können. Dadurch besteht vor allem bei Langzeitanwendung das Risiko einer lokalen Nebenwirkung in Form von Haut­atrophie, Ulzera, Teleangiektasien, Alopezie, Komedonen und Calcinosis cutis. Diese Präparate können aber durchaus auch eine systemische Wirkung entwickeln. Daher sollten diese Präparate nur für die kurzzeitige und fokale Anwendung verordnet werden. Durch die Entwicklung neuerer Präparate (Wirkstoff Hydrocortisonaceponat), die schon in der Haut in größtenteils inaktive Substrate metabolisiert werden, wird dieses Risiko deutlich reduziert. Die Applikation steroidhaltiger Präparate ist vor allem bei lokalisierten Prozessen zur Kontrolle des Juckreizes sehr hilfreich (Abb.2).


Abb.2 Allergische Pododermatitis

Keratinisierungsstörungen

Unter Keratinisierung versteht man die ständige Erneuerung der Epidermis durch Teilung von Zellen in der Basalschicht, die dann durch weitere Reifung während ihrer ‚Reise‘ an die Hautoberfläche allmählich verhornen bis sie dann in die Umgebung abgestoßen werden. Kommt es zu Störung des Gleichgewichts zwischen Neubildung von Epidermalzellen und Abstoßung von alten verhornten Zellen, spricht man von Keratinisierungsstörung. Das Ungleichgewicht kann entweder durch erhöhte Zellteilung (z.B. bei allergischen Erkrankungen oder bei Sekundärinfektion) oder durch Störung des Abstoßungsprozesses entstehen. Das klinische Bild entspricht einer mehr oder weniger starken Schuppen­bildung. Zu den Erkrankungen dieses Komplexes gehören z.B. die Ichthyose, die primäre Seborrhoe, die Zink- bzw. ­Vitamin A-responsive Dermatose, die Ohrrandkeratose, sowie die Nasenspiegel- und Ballenhyperkeratose. Die Wirkung von Antischuppen-Präparaten beruht entweder auf dem Entfernen von oberflächlichen Schuppen (keratolytisch) oder der Normalisierung der Epithelisierun bzw. Kerati­nisierung (keratoplastisch). Bei der Auswahl des zu verwendenen Produkts sollte zudem berücksichtigt werden, ob es sich um trockene oder ölige Schuppen handelt. Zur Verwendung kommen Präparate mit Schwefel, Salicylsäure, Seleniumdisulfid, Zinkglukonat und Pyroxidin. Teer wird in Veterinärpräparaten nicht mehr verwendet, da es über ein karzinoges Potential verfügt und häufig zu starken Irritationen führt. Auch bei Verwendung von Schwefel kann es zu Hautirritationen, Übelkeit nach Ablecken der Präparate sowie Verfärbungen von Fell und Kontaktmaterialien kommen. Durch die Kombination verschiedener Wirkstoffe besteht auch die Möglichkeit, gleichzeitig die Schuppenbildung und z.B. eine Sekundärinfektion mit einer einzigen topischen Therapie abzudecken. Aufgrund des meist generalisierten Auftretens von Schuppen kommen in der Regel Shampoo, Sprays oder Lotionen zur Anwendung.


Abb.3 Sebadenitis

Sebadenitis

Hierbei handelt es sich um einen immunmediierte Attacke der Talgdrüsen, die dadurch erst in ihrer Funktion reduziert und dann komplett zerstört werden. Sebum wird mit dem wachsenden Haar, das es ebenfalls ummantelt, an die Hautoberfläche verbracht. Es ist für ein glänzendes Haarkleid ebenso wichtig, wie für die oberflächliche Fettschicht der Haut. Ist die Produktion von Sebum reduziert oder komplett fehlend, kommt es zum Anhaften von Keratin am Haar. Diese sogenannten Keratinmanschetten können schon frühzeitig nach dem Herauszupfen am Haar erkannt werden. Vorgestellt werden die Patienten meist mit starker Schuppenbildung an den Haaren, die dann förmlich in Keratin eingepackt wirken (Abb.3). Studien haben gezeigt, dass statt einer systemischen Therapie dieser immun-mediierten Erkrankung topische Therapien mit Ölpräparaten über einen langen Zeitraum die gleiche Wirkung haben. Zum Einsatz kommen entweder ­Ölbäder oder fetthaltige Sprays. Die Häufigkeit der Anwendung richtet sich nach dem Schwergrad der Erkrankung.

take home

Topische Therapie stellt ein wichtiges Standbein in der Dermatologie dar, die aufgrund der niedrigen bis fehlenden Nebenwirkungen bei allen Spezies und in allen Altersklassen eingesetzt werden kann. Ihr Nutzen wird in der Praxis immer noch unterschätzt, da Unsicherheit über die richtige Auswahl aus der Vielzahl der verfügbaren Präparate besteht. Hat man sich aber einmal über die jeweiligen Wirkstoffe und Ihren Nutzen informiert, wird ­diese Therapieform sicher häufiger in der Praxis eingesetzt.

Foto: © istockphoto.com, kimeveruss

Stichwörter:
Hautläsionen, Ätiologie, Faltenpyodermie, Juckreiz, Glukokortikoide, Keratinisierungsstörungen, Sebadenitis,

HKP 8 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 8 / 2013.
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Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.