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HKP-3-2009 > Hände richtig handeln

Hände richtig handeln

Der korrekte und sichere Umgang mit dem wichtigsten Instrument eines jeden Tierarztes – den Händen.

Die Durchführung einer adäquaten Händehygiene inklusive der regelmäßigen Anwendung von
Hautpflegeprodukten ist keine persönliche Angelegenheit, sondern vielmehr eine berufliche Pflicht und dient sowohl der eigenen Gesundheit, als auch der Gesunderhaltung der Patienten.

Hauterkrankungen stellen bei medizinischem Personal einen wesentlichen Anteil an Berufskrankheiten dar. Hier gilt, dass sich die Prophylaxe von Dermatitiden weitaus einfacher gestaltet als eine Therapie. Bei den möglichen Maßnahmen der Händehygiene handelt es sich um die Händewaschung und Desinfektion, deren Zielsetzung es ist, eine möglichst schnelle und umfangreiche Elimination von Mikroorganismen herbeizuführen.

Händewaschung

Die zusätzliche Intention des Händewaschens gegenüber einer Desinfektion, ist die Entfernung situationsbedingter Verschmutzungen, abgeschilferter Zellen sowie von Sebum- und Schweißresten. Die Entfernung oberflächlicher Lipide sowie abgeschilferter Zellen inklusive daran gebundener Bakterien ist essenzieller Bestandteil der Händehygiene. Gleichzeitig kommt es auch zu einer Entfernung interzellulärer Lipide Stratum corneums, die als Hydrolipidfilm einen wichtigen Bestandteil der Hautschutzbarriere darstellen und an der Regulierung des transepidermalen Feuchtigkeitsverlustes beteiligt sind. Außerdem weisen Fettsäuren eine wichtige bakterizide und fungizide Wirksamkeit auf und wirken modulierend auf die Hautflora. Geschädigte Haut beherbergt so eine erhöhte Anzahl potenziell pathogener Keime.
Der verminderte Gehalt an Ceramiden und anderen Lipiden, führt so u.a. zu einer funktionellen und später auch strukturellen Beeinträchtigung der interzellulären Lipiddoppelschicht. Außerdem kommt es zu Alterationen des Lipidstoffwechsels, wobei insbesondere auch der Arachidonsäurestoffwechsel betroffen ist und Entzündungsmediatoren freigesetzt werden. Insgesamt führt dies zu einem erhöhten transepidermalen Wasserverlust bzw. zu einer Abnahme der Hautfeuchtigkeit. Durch Beeinträchtigung der Barrierefunktion wird die Penetration schädigender Einflüsse erleichtert und führt zu einer Sensibilisierung der Haut, bis hin zu der Entstehung einer allergischen Kontaktdermatitis. Hierbei handelt es sich um eine Typ 4 Überempfindlichkeitsreaktion: Zu Beginn treten kleinmolekulare, reaktionsfähige Verbindungen durch die Epidermis und werden als Haptene an zelluläre Trägerproteine gebunden, die über Kontakt zu antigenpräsentierenden Zellen das Immunsystem stimulieren. Erneuter Hautkontakt führt nun zu einer wiederholten Antigenpräsentation mit Aktivierung spezifisch sensibilisierter T-Gedächtniszellen, in deren Folge pro-inflammatorische Cytokine ausgeschüttet werden.

Bei einer Händewaschung ist darauf zu achten, lediglich lauwarmes Wasser zu verwenden, da es bei Waschtemperaturen oberhalb von 30 °C zu einem vermehrten Herauslösen von Lipiden aus tieferen Hautschichten kommt. Von entscheidender Bedeutung ist die Verwendung von Waschlotionen mit möglichst hautfreundlichen waschaktiven Substanzen und zusätzlichen Pflegestoffen, die die erwähnten Effekte auf die Haut kompensieren oder zumindest auf ein Minimum beschränken. Beobachtungen zeigen, dass sowohl Händedesinfektion als auch –waschung nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt werden, was neben einem mangelhaften Hygienestandard ebenfalls zu Auswirkungen auf die Hautgesundheit führt. Chemikalien, Fäkalien und andere Substanzen werden demzufolge nur ungenügend von den Händen entfernt und können über eine größere Zeitspanne einwirken. Hauptursache für die schlechte Compliance des Händewaschens ist eine hohe Arbeitsbelastung, die keine Zeit für Händewaschen lässt, sowie das Fehlen einer Waschgelegenheit.
Die hierfür benötigte Zeit sollte es einem Wert sein, sowohl im Hinblick auf die eigene als auch die Gesundheit des Patienten. Fehlende Waschmöglichkeiten können durch Tragen von Handschuhen oder den Gebrauch von Einweg-Reinigungstüchern ausgeglichen werden. Erschwerend kommen die durchaus berechtigten Vorbehalte hinzu, dass der Gebrauch von Seifen und Desinfektionsmitteln zu Hautirritationen führt, und in der Folge Hygienemaßnahmen an den Händen nur soweit zwingend notwendig durchgeführt werden.
Häufig wird auch keine Reinigung der Hände vorgenommen, da diese optisch sauber erscheinen und so entsprechende Reinigungsmaßnahmen nicht als notwendig erachtet werden. Aus hygienischer Sicht sind in diesem Fall alternativ die Hände zu desinfizieren. Generell gilt, dass Hände so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu waschen sind. Bei verschmutzten und klebrigen Händen sowie nach Umgang mit Fäkalien und Blut ist jedoch immer eine Händewaschung indiziert. Im Anschluss sind die Hände mit Einwegtüchern abzutrocknen. Sind Verschmutzungen vorhersehbar, sollten Schutzhandschuhe angelegt werden, sodass Händewaschungen kaum mehr erforderlich sein sollten.

Foto: photocase.de | AllzweckJack

Nicole.Wenzel@schumacher-online.com

HKP 3 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2009.
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