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hundkatzepferd besucht den wohl außergewöhnlichsten Hotelgast Deutschlands

Bungee, der Gepard

Aufgrund seines Körperbaus ist der Gepard das schnellste Landtier der Welt. Er erreicht im Lauf bis zu 112km/h, kann diese hohe Geschwindigkeit aber nur etwa 400m durchhalten. Die Anatomie des Gepards ist in vielen Punkten auf Schnelligkeit ausgelegt. Seine Nasengänge sind erheblich verbreitert, sodass wenig Platz für das Gebiss bleibt. Dieses ist gegenüber anderen Großkatzen viel kleiner und damit eine relativ schwache Waffe. Lungen, Bronchien und Nebennieren sind dagegen proportional wieder stark vergrößert.

Bungee, der Gepard

Eine echte Schönheit ist dieser Gepard – und er wohnt nicht in der Savanne, sondern in Baden-Württemberg. Der achtjährige Bungee lebt sogar in einem noblen Hotel in Heilbronn. Hähnchenschenkel zählen zu seinen Lieblingsspeisen – roh und samt Knochen und an manchen Tagen darf es auch mal ein frisch getötetes Kaninchen sein. Bekannt ist sein Besitzer Hans-Peter Gaupp in ganz Heilbronn, so dass es schon einmal sein kann, dass sich sonntags die Spaziergänger ums Hotel schleichen, um einen Blick auf den eigenartigen Hotelgast zu werfen.
Seit 45 Jahren schon besitzt der Hotelier Gaupp Geparde, doch schon als Jugend­licher faszinierten ihn die eleganten Tiere, die anders und exotischer sind als Hund, Katze oder Pferd. 1968 verkaufte ein befreundeter Zoohändler zwei Geparde in die Schweiz. Gaupp wurde aufmerksam und setzte alles daran, selbst eines der Tiere zu erwerben. Durch die elterliche Metzgerei war das Futterproblem gelöst und auch Auslauf und viel Platz waren seinen Raubkatzen schon immer sicher.


Abb.1: Oliver Michaut und Bungee hautnah.

Ein prominenter Fürsprecher für Gaupps Plan Geparde zu halten, war kein geringerer als der bekannte Zoodirektor und Tierschützer Prof. Bernhard Grzimek. Dieser bestätigte dem Regierungspräsidium in Stuttgart, dass Gaupp die erforderlichen Kenntnisse zur Haltung von Raubkatzen besitzt.
15 Jahre werden sie, „in freier Wildbahn aber nur etwa acht“, sagt Gaupp. Wie viele Tiere es im Lauf der Jahre waren, kann er nicht genau beziffern. Der Älteste wurde bei ihm 17 Jahre. Einige treue Tiere sind noch heute als ewiges Denkmal in ausgestopfter Form zu betrachten. Darunter Sammy, den Gaupp immer wieder erwähnt. Der größte Gepard, der je bei ihm gelebt hat und bisher einer seiner zahmsten Tiere überhaupt war. Sammy ließ sich sogar von den Hotelgästen problemlos in der Lobby streicheln. Auch der letzte ­Gepard aus Grzimeks Tiershow hat auf ewig einen Platz mit Blick in den Villen­garten bekommen. Vor zwei Jahren bekam er dann Bungee, der ganz fidel sein Revier durchstreift. Er wurde ihm von einem spanischen Tierarzt vermittelt.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert allerdings seit Jahren ein generelles Verbot für die Haltung von exotischen Tieren. Gaupp sagt, Bungee lebe artgerecht und auf diese Feststellung legt er großen Wert. Dafür zitiert er auch gerne aus der „Haltegenehmigung“ des Regierungspräsidiums Stuttgart. Darin steht, dass für die private Haltung einer Raubkatze 80m2 Auslauf vorgeschrieben sind. „Bei uns sind es 700m2“, sagt Gaupp stolz und zeigt zum Beweis auf den idyllischen, gepflegten Garten, der die zum Hotel umgebaute 100 Jahre alte Villa umgibt. Zum Abend residiert der VIP-Hotelgast dann in seinem ­eigenen beheizten Zimmer. Hier möchte man Gepard sein.
Gaupps Geparden sind zudem kleine Berühmtheiten. In der Sendung hundkatzemaus wird die Reportage über den tierischen Bewohner einmal im Jahr wiederholt. Die Geparde aus Gzimeks Tiershow „Ein Platz für Tiere“ waren Geparde von Gaupp. Auch in Günther Jauchs Stern TV war er mit seinen Raubkatzen schon vertreten. Die Werbebranche, die Modebranche und viele andere haben die Raubkatzen schon gebucht. So hat er während des ­Gesprächs schöne Geschichten von Prof. Grzimek oder einer Begegnung mit Jan Josef Liefers sowie über Erlebnisse mit TV- und Filmgrößen parat. Man möchte gar nicht mehr aufhören zu lauschen.

Heute gilt Hans-Peter Gaupp bundesweit als einer der wenigen Experten für die Haltung und Aufzucht von Geparden. „Es gibt wahrscheinlich niemanden in ganz Deutschland, der schon so lange privat ­Geparde hält und aufzieht“, sagt er selbst. Bei Gaupp klingt diese Aussage wie eine leidenschaftliche Feststellung und gar nicht arrogant.


Abb.2: Sammy † und Hotelier Hans Peter Gaupp.

Eine klare Aussage Gaupps ist auch, dass er seine Geparde viel lieber mit Hunden als mit Katzen vergleicht. Ein Gepard kommt auf Zuruf, frisst aus der Hand, ist sehr gut zu zähmen, zu dressieren und vom Verhalten eher einem Hund als einer Katze ähnlich. Doch jeder Gepard ist anders. Der eine lässt sich unproblematisch streicheln, ein anderer mag es nicht. Der eine kann mit Kindern besser, der andere wiederum schlechter. Bungee zum Beispiel mag es gar nicht, wenn man sich mit einem Besen in seiner Gegenwart aufhält. Aber er hat ja das große Glück, das Hotel mitsamt 700m2 Garten als Revier für sich zu haben, da ist genug Platz, sich vor Besen aus dem Staub zu machen.

Auf einmal ist der große Moment da, um dem außergewöhnlichen Haustier persönlich entgegenzutreten. Gaupp geht mit in das Gehege. Schon nach 30 Sekunden und einem kurzen Ruf schleicht sich Bungee elegant und majestätisch an. Ein Sprung auf die Brüstung der Villa und er ist auf Augenhöhe. Während er lässig für die ­Fotos posiert, ertönt ein tiefes und lautes Schnurren. Ein kurzer Blick über die Schulter – Auge in Auge mit dem Gepard.
Fast zehn Minuten lässt Bungee sich bestaunen und taxiert mit seinem Blick den fremden Besuch. Seine Belohnung ist frisches Hähnchen.
Die Leidenschaft zu den wilden Tieren ist in der Park-Villa überall zu spüren. Das heutige Hotel war früher eine Klinik. Statt steriler Stille verfügt es jedoch über viel Charme und an jeder Ecke entdeckt man kleine Accessoires, die in irgendeiner Form etwas mit einem Geparden zu tun haben. Der Eindruck entsteht, als befände man sich in einer Kolonialvilla in Afrika. Große Balkone und Terrassen ermöglichen den Hotelgästen einen Blick auf das Gepardengehege. Man fühlt sich sehr wohl und ­irgendwie in eine andere Zeit versetzt.

Sollten Sie, lieber Leser, einmal eine Übernachtung der besonders tierischen Art suchen, lohnt sich der Besuch bei der Park-Villa in Heilbronn auf jeden Fall. Mehr Informationen unter: www.hotel-parkvilla.de

Ich danke Familie Gaupp für den schönen Tag in Heilbronn und vor allem Bungee, dass er mich so nah an sich herangelassen und nicht gefressen hat.

take home

Man schätzt, dass noch etwa 12.400 Geparde in 25 afrikanischen Ländern in freier Wildbahn leben, wobei Namibia mit 2.500 Individuen die größte ­Anzahl vorweisen kann.

Ihr Oliver Michaut

Foto: © Oliver Michaut

HKP 3 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2013.
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„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
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die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
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und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.