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Virale Erkrankungen bei Echsen

Erben der Saurier

Auch bei Echsen treten verschiedene Virusinfektionen auf, wobei in den letzten zehn Jahren zahlreiche neue Viren nachgewiesen wurden. Häufigstes Symptom bei den Reptilien sind dabei Hautveränderungen.

Adenovirusinfektion

Diese Virusinfektion wird derzeit am intensivsten untersucht und häufig v.a. bei Bartagamen nachgewiesen. Betroffen sind aber auch andere Echsen wie Chamäleons, Leopardgeckos und Krustenechsen. Molekularbiologische Untersuchungen stellen die Reptilien-Adenoviren mittlerweile in eine enge Verwandtschaft mit einer Gruppe von Säugetier-Adenoviren, die sich möglicherweise auch daraus entwickelt haben (Genus Atadenovirus der Adenoviridae). Die Übertragung scheint v.a. über Kontakt zu erfolgen. Eine vertikale Übertragung ist bis jetzt nicht beschrieben.


Adenovirusinfektionen führen v.a. bei jungen Bartagamen zu zentralnervösen Symptomen wie Kopfschiefhaltung und Koordinationsstörungen.

Symptome

Gerade bei Jungtieren zeigen sich Symptome wie Schwäche, Apathie und zentralnervöse Störungen. Bei Alttieren werden Adenoviren auch als Zufallsbefund dargestellt. Häufig sind Sekundärinfektionen mit weiteren Viren, Bakterien oder Parasiten (z.B. Kokzidien, Oxyuren) vorhanden.

Diagnostik und Prophylaxe

Bei dem Verdacht einer akuten Infektion können Rachen- oder Kloakentupfer sowie Kot- oder Organproben infizierter Tiere mittels PCR oder Zellkulturanzüchtung ­untersucht werden. Der Antikörpernachweis zur Identifikation von Tieren, die eine Infektion überstanden haben, ist noch nicht ausreichend ausgetestet.

Therapie

Eine spezifische Therapie existiert nicht. Die oft vorhandenen parasitären und bakteriellen Sekundärinfektionen sollten bekämpft werden, damit die Tiere eine Möglichkeit haben, selbst mit der Virusinfektion fertigzuwerden. Eine unterstützende Therapie mit Infusionen von 5%iger Glukose und/oder Ringerlösung ist sinnvoll.


Dieser Anolis aus einem Import zeigt eine durch eine Ranavirusinfektion verursachte Hautentzündung.

Iridovirusinfektion (Familie Iridoviridae, Genus Irido- und Ranavirus)

Aus der Familie Iridoviridae, die v.a. bei Amphibien, Fischen und Insekten nachgewiesen wird, werden zwei Genera auch bei Echsen gefunden. Das Genus Iridovirus infiziert in erster Linie Insekten, kann aber auch oral auf Reptilien übertragen werden. Nachgewiesen wurde es bis jetzt z.B. bei Bartagamen, Chamäleons und Kragenechsen. Das Genus Ranavirus ist v.a. für Amphibien pathogen, wird aber auch auf Echsen und andere Reptilien übertragen. Die Übertragung erfolgt direkt und wahrscheinlich auch indirekt. Für eine vertikale Übertragung gibt es keine Hinweise.

Symptome

Beide Genera werden im Zusammenhang mit Hautveränderungen nachgewiesen. Dabei handelt es sich um pustelartige, graue bis gelbliche Effloreszenzen, die sich über den gesamten Körper ziehen können. Die Veränderungen sind allerdings nicht pathognomonisch. Bakterielle, mykotische oder tumorbedingte Hautentzündungen können ähnlich aussehen. Die Echsen sind oft geschwächt und apathisch. Die Virus­infektion wird oft bei frisch importierten Tieren festgestellt. Die pathogene Bedeutung des Genus Iridovirus ist noch nicht geklärt, da viele Tiere symptomlose Träger sind.

Diagnostik und Prophylaxe

Grundsätzlich ist ein Nachweis mit einer genusspezifischen PCR (Rana- oder Irido­virus) aus Organmaterial oder Tupfern möglich. Beide Viren können auch gut in der Zellkultur angezüchtet werden. Es ist allerdings bei der Untersuchung von Tupfern auf das Genus Iridovirus schwierig zu unterscheiden, ob es sich um eine flüchtige Kontamination handelt (Echse hat gerade ein infiziertes Insekt gefressen bzw. ausgeschieden) oder ob wirklich eine Infektion des Reptils vorliegt. Ob spezifische Antikörper nachgewiesen werden können, ist noch nicht untersucht.

Therapie

Wie bei den meisten Virusinfektionen ist keine spezifische Therapie möglich. Da es sich meist um Tiere in schlechtem All­gemeinzustand handelt, sollte zunächst dieser verbessert werden (Infusionen, evtl. Zwangsfütterung). Unspezifisch abwehrsteigernde Mittel wie z.B. ZylexisR können gegeben werden. Sekundäre Bakterien- oder Pilzinfektionen sollten behandelt werden.


Frisch importierte Grüne Leguane mit einer graufleckigen Hautveränderung, die durch eine Iridovirusinfektion verursacht wurde.

Herpesvirusinfektion

Herpesvirusinfektionen stellen bei Schildkröten ein großes Problem dar, bei Echsen werden sie nur selten gefunden. Berichte aus früheren Jahren beschreiben Infektio­nen bei Grünen Leguanen und Siedleragamen. Herpesviren als mögliche Ursache von Hautveränderungen werden bei Smaragdeidechsen diskutiert, es gibt aber nur einzelne Berichte. Allerdings wurden in den letzten Jahren vermehrt Herpesviren aus verschiedenen Echsen mit Stomatitiden isoliert, wobei sich in der Sektion häufig zusätzlich Hepatitiden zeigten. Dabei waren Warane und Schildechsen betroffen. Auch diese Herpesviren lassen sich mithilfe einer PCR nachweisen. Die Anzucht ist nur auf speziellen Zellkulturen möglich. Untersuchungen zum Vorhandensein von neutralisierenden Antikörpern, wie sie bei anderen Tierarten bekannt sind, existieren noch nicht.


Die gelben Pusteln bei dieser Bergagame sind auf eine Iridovirusinfektion zurückzuführen.

Reovirusinfektion

Reoviren wurden bei verschiedensten Echsenarten nachgewiesen, z.B. Grünen Leguanen, Tokehs, Leopardgeckos oder Chamäleons. Häufig sind die infizierten Tiere in schlechtem Allgemeinzustand und weisen weitere virale, bakterielle oder parasitäre Infektionen auf. Die Infektion scheint v.a. als Begleitinfektion bei frisch importierten oder aus anderen Gründen geschwächten Echsen aufzutreten. Die Viren nutzen eine Abwehrschwäche des Wirtes zur Vermehrung und schädigen ihn dadurch noch weiter. Typische Symptome sind deshalb nicht festzustellen. Das Virus kann mittels PCR oder in der Zellkultur aus Tupfern oder ­Organmaterial dargestellt werden. Neutralisierende Antikörper wurden auch schon in wild lebenden Echsen nachgewiesen, sodass diese Infektion weit verbreitet ist.

Weitere Infektionen

Im Gegensatz zu den Schlangen spielen Paramyxovirusinfektionen bei Echsen nur eine untergeordnete Rolle. Es gibt einzelne Fallberichte, nach denen diese Viren im Zusammenhang mit Pneumonien bei Krokodiltejus oder Wasseragamen gefunden wurden. Die Bedeutung von Papovaviren bei Echsen ist noch nicht geklärt. Diese ­Viren wurden bei Hautinfektionen elektronenmikroskopisch dargestellt, allerdings konnten regelmäßig auch andere Viren nachgewiesen werden, sodass die Ursache der Hautveränderungen nicht genau bestimmt ist. Pockenviren treten regelmäßig bei Infektionen der Panzerechsen auf, bei anderen Echsen sind sie jedoch weitgehend unbekannt.

take home

Von Bedeutung sind bei Echsen v.a. Adenovirus-, Reovirus- oder Iridovirus-
Infek­tionen, wobei hier die Genera Iridovirus und Ranavirus vorkommen. Seltener sind Herpesvirus- oder Paramyxovirusinfektionen nachzuweisen. Insgesamt nimmt die Zahl der Virusnachweise bei Echsen in den letzten Jahren jedoch zu, sodass von weiteren, bis jetzt unbekannten Virusinfektionen auszugehen ist. Bei unklaren Krankheitsbildern oder Bestandserkrankungen sollte deshalb auch an eine Virus­infektion gedacht werden und weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden.

Literatur bei der Autorin
Foto: © istockphoto.com| GlobalP

Stichwörter:
Adenovirusinfektion, Diagnostik, Prophylaxe, Iridovirusinfektion, Herpesvirusinfektion, Reovirusinfektion, Paramyxovirusinfektionen, Papovaviren,

HKP 4 / 2014

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 4 / 2014.
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