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Maulhöhlentumore, Nasenhöhlentumore und Plattenepithelkarzinom

Die Strahlentherapie für Tumoren im Kopfbereich

Tumoren im Kopfbereich stellen eine der Hauptindikationen für eine strahlentherapeutische Behandlung dar. Die am häufigsten bestrahlten Tumoren im Kopf-Hals-Bereich sind in Gehirn, Nasenhöhle, Maulhöhle, Kehlkopf-/Rachenbereich und Speicheldrüse lokalisiert. Aufgrund der komplexen Anatomie sind häufig bildgebende Verfahren, vor allem Schnittbildverfahren (CT/MRI), zur diagnostischen Abklärung des Primärtumors notwendig.

In manchen Fällen sind auch eine klinische Untersuchung, Röntgenaufnahmen und Ultraschall zur Beurteilung des Primärtumors und eventueller Metastasen ausreichend. Diese ermöglichen die Beurteilung

// des Ausmaßes des Primärtumors (T)

// der regionalen Lymphknoten (N) und

// potenzieller Organe für eine Fernmetastasierung (M) (z.B. Lunge, Leber).

Des Weiteren können mithilfe der Informationen aus der bildgebenden Diagnostik gezielt Proben aus klinisch schwer oder nicht erreichbaren Läsionen oder palpatorisch unzugänglichen Lymphknoten entnommen werden. Zur Planung der Probenentnahme eignen sich vor allem Ultraschall und Computertomografie (CT). Das CT wird in der Radioonkologie zur Abklärung des Primärtumors am häufigsten eingesetzt, da neben den diagnostischen Informationen auch Informationen bezüglich der Dichte (Hounsfield Units, HU) der einzelnen Gewebe gegeben werden. Diese Informationen sind zur Dosisberechnung eines computerbasierten Bestrahlungsplans notwendig.

Häufige klinische Indikationen für eine strahlentherapeutische Behandlung sind

Die Strahlentherapie ist bei vielen (v.a. inoperablen) Gehirntumoren die Therapie der Wahl. In der Regel werden Patienten mit neurologischen Symptomen vorgestellt. Die meisten Patienten zeigen bereits nach wenigen Bestrahlungen eine deutliche klinische Besserung. Die mittleren Überlebenszeiten nach Bestrahlung liegen bei zirka 24 Monaten. Zum Teil benötigen Patienten, die initial mit epileptischen Anfällen vorgestellt wurden, trotzdem langfristig Antiepileptika. Bei Hypophysentumoren kann trotz Kontrolle des makroskopischen Tumors mittels Strahlentherapie die Problematik ­einer Endokrinopathie bestehen bleiben (und muss daher weiter medikamentös behandelt werden). Es ist möglich, dass die initialen Symptome zirka zwei bis drei ­Monate nach Beendigung der Strahlentherapie wieder auftreten – dies ist jedoch ein transientes, spezifisch bei Nervengewebe anzutreffendes Phänomen, das schnell auf Kortison anspricht. Es ist wichtig, dieses Phänomen zu kennen und die Sympto­matik nicht als ein Scheitern der Therapie anzusehen.


Abb.1: Melanom im Bereich des Gaumens eines Hundes vor (a) und nach (b) der Strahlentherapie.

Maulhöhlentumoren

// Melanom

Das Melanom ist der häufigste Maulhöhlentumor des Hundes. Es zeigt ein gutes ­Ansprechen auf die Strahlentherapie (Abb. 1a und b) – beschrieben sind Ansprech­raten von 83%–100%. Normalerweise werden aus radiobiologischen Gründen nur vier bis sechs Bestrahlungsfraktionen verabreicht. Lebenslimitierend sind meist Fernmetastasen (Lunge). Adjuvant wird eine in den USA entwickelte Melanomimpfung verwendet, die darauf hoffen lässt, das letztere Problem besser kontrollieren zu können.

// Akanthomatöse Epulis

Dieser Tumor kann mit kurativer Bestrahlung langfristig kontrolliert werden (in 90% der Patienten). Der Vorteil der Bestrahlung gegenüber der Chirurgie ist häufig ein besseres kosmetisches Ergebnis.


Abb.2: Katze mit sublingualem Plattenepithelkarzinom (a) vor der Therapie, (b) nach medikamentöser und Strahlentherapie und (c) nach Chirurgie.

// Plattenepithelkarzinom

Beim Hund ist eine Tumorkontrolle bei zirka 75% der Tumoren nach alleiniger kurativer Strahlentherapie beschrieben. Trotzdem sollte, wenn immer möglich, eine chirurgische Entfernung des Tumors oder eine Kombination aus Chirurgie und Strahlentherapie in Erwägung gezogen werden. Prinzipiell gilt: Je weiter rostral gelegen sich der Tumor befindet, desto besser ist die Prognose.
Bei der Katze ist die Prognose des oralen Plattenepithelkarzinoms als deutlich vorsichtiger einzuschätzen. Multimodale Ansätze scheinen erfolgversprechend, vor allem bei mandibulärer und eventuell auch sublingualer Lokalisation (Abb. 2a, b,c).

// Fibrosarkom

Fibrosarkome sind Tumoren, die nicht gut bzw. nicht ausreichend auf alleinige Strahlentherapie ansprechen. Daher sollte, wenn immer möglich, eine Kombination aus Chirurgie und Bestrahlung angestrebt werden. Für eine solche Kombinationstherapie sind Tumorkontrollzeiten von 33%–76% nach einem Jahr beschrieben. Bei Tumoren, die aufgrund fortgeschrittenen Ausmaßes inoperabel sind, kann eine palliative Strahlentherapie klinische Symptome wie Blutung, Schmerzhaftigkeit und Tumorausmaß häufig positiv beeinflussen.

Tumoren der Nase

// Nasenhöhlentumoren

Bei Tumoren der Nasenhöhlen ist die Strahlentherapie die Therapie der Wahl. Diese Tumoren sprechen in der Regel initial sehr gut auf die Strahlentherapie an. Leider sind sie selten langfristig kontrollierbar. Meist bessern sich die klinischen Symptome wie blutiger Nasenausfluss und Symptome, die durch die Verengung der Atemwege hervorgerufen werden, schon nach wenigen Fraktionen. Mittlere Überlebenszeiten nach kurativer Strahlentherapie von zirka 12–18 Monaten beim Hund und von 12 bzw. 24 Monaten (Lymphom) bei der Katze sind beschrieben. Dies beinhaltet in der Regel Behandlungszeiten von zwei bis vier Wochen. Aber selbst palliative Strahlentherapieprotokolle können die Lebensqualität der betroffenen Patienten relativ schnell und deutlich verbessern und führen zu Tumorkontrollzeiten von mehreren Monaten.


Abb.3: Hund mit Nasenhöhlentumor und metastatischen mandibulären und retropharyngealen Lymphknoten, welche in einem separaten Feld bestrahlt werden.

Kombinationstherapien von Strahlentherapie mit

// Chirurgie z.B. junge Patienten, deren Tumoren durch die Strahlentherapie deutlich kleiner, aber nicht vollständig zurückgegangen sind.

// Chemotherapie z.B. Patienten, bei denen die regionalen Lymphknoten mit betroffen sind, welche in diesem Fall auch mitbestrahlt werden (Abb.3)

sind beschrieben und werden individuell in Erwägung gezogen.


Abb.4: Computerisierter Therapieplan zur Behandlung eines Nasenhöhlentumors: Die Augen werden so gut wie möglich von der hohen Dosis (hier in pink dargestellt) ausgespart.

Die Strahlentherapieplanung für intranasale Tumoren ist aufgrund der anatomischen Lokalisation sehr komplex. Empfindliche und deshalb dosislimitierende Organe sind die Augen und das Gehirn. Durch eine gute Therapieplanung (Abb. 4) werden langfristige Schäden auf ein Minimum reduziert und akute Reaktionen wie Dermatitis, ­Mukositis, und Konjunktivitis limitiert. Letztere sind zu einem gewissen Grad jedoch zu erwarten und werden symptomatisch behandelt. Der bestrahlte Bereich bleibt ­einige Monate haarlos (Abb. 5) und Haut und Fell können später – je nach Dosis – Hyper- oder Depigmentierung zeigen.


Abb.5: Patientin mit nasalem Karzinom vor (a) und nach (b) palliativer Strahlentherapie.

// Plattenepithelkarzinom der Katze

(Nasenspiegel/-rücken, Augenlider, Schläfe)
Das Plattenepithelkarzinom ist der häufigste Hauttumor der Katze. Aufgrund der Lokalisation des Tumors ist eine chirurgische Resektion häufig schwierig durchführbar oder sie kann zu unbefriedigenden kosmetischen Ergebnissen führen.
Mit der Strahlentherapie (vor allem mit schnell verabreichten, kurativen Protokollen) erreicht man sehr hohe Ansprechraten. Mehr als 90% der Tumoren sprechen auf die Behandlung an; zirka 65% sind nach einem Jahr kontrolliert. Für oberflächliche Neoplasien bietet sich die fotodynamische Therapie (PDT) an.
Weitere Tumoren im Bereich des Kopfes – z.B. Speicheldrüsenkarzinome, Mastzelltumoren – und Neoplasien im Bereich des Larynx und Rachens sind seltener. Das thera­peutische Vorgehen wird hier in Abhängigkeit von den histologischen Befunden und klinischen Symptomen individuell angepasst.

take home

// Gehirntumorpatienten: gute Prognose ohne Nebenwirkungen bei kurativem Ansatz.

// Maulhöhlentumoren: Je nach Histologie empfiehlt sich Kombinationstherapie, v.a. mit Chirurgie oder Strahlentherapie als alleinige lokale Therapie. Die Prognose ist je nach Histologie sehr verschieden.

// Nasenhöhlentumoren: Kurative Protokolle mit dem Ziel länger­fristiger Tumorkontrolle oder ­palliative Protokolle helfen zur schnellen Verbesserung der ­Lebensqualität des Patienten.

// Plattenepithelkarzinome der Katze im Bereich des Nasenspiegels/-­rückens, Schläfe und der Augenlider können, je nach Invasivitätsgrad, erfolgreich mit Strahlentherapie oder PDT behandelt werden.

Foto: © panthermedia.net, Anna-Katharina Steinhardt

Stichwörter:
Primärtumor, Metastasen, Fernmetastasierung, Läsionen, palpatorisch unzugänglich, nasalem Karzinom, sublingualem Plattenepithelkarzinom, Akanthomatöse Epulis, Plattenepithelkarzinom, Speicheldrüsenkarzinome, Mastzelltumoren, Neoplasien, Larynx

HKP 3 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2013.
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