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Gefährliche Pigmentstörung

Das uveodermatologische Syndrom (Vogt-Koyanagi-Harada-like-Syndrom) beim Hund

Das uveodermatologische Syndrom (UDS) ist eine seltene, autoimmun- bedingte Erkrankung beim Hund. Es äußert sich in akuten Sehstörungen und später in Pigmentveränderungen der Haut und kann zu schweren Augenschädigungen bis hin zur Erblindung führen. Besonders gefährdet sind nordische Rassen wie Akita Inu und Husky. Ashley Cullis zeigt Therapiemöglichkeiten der unbedingt behandlungsbedürftigen Erkrankung auf.

Das uveodermatologische Syndrom (UDS) wurde erstmals 1977 von Asakuri et al. Bei zwei Akita Inus in Japan beschrieben (Gelatt, 2007). Die Bezeichnung Vogt- Koyanagi– Harada-like-Syndrom bezieht sich auf die Ähnlichkeit zum Vogt-Koyanagi-Syndrom beim Menschen. Dieses äußert sich in der nahezu gleichen Symptomatik, beispielsweise mit krankhaften Augenveränderungen und darauf folgender Depigmentierung der Haut. Eine Rassedisposition für UDS besteht für Akita Inu, Samoyede und Sibirischen Husky. Die Erkrankung wurde aber auch beim Shiba Inu, Kanadischen Schäferhund, Bobtail, Irisch Setter, Fila Brasileiro, Basset Hound, Chow Chow, Golden Retriever und Dackel beobachtet. 2002 wurde die Krankheit auch beim Berner Sennenhund beschrieben (von Grüning et al.). Prinzipiell kann UDS in jedem Alter auftreten. Es besteht keine Geschlechtsdisposition.

Wie entsteht UDS?

Über die Ätiologie des UDS ist sehr wenig bekannt. Es wird vermutet, dass es sich um eine autoimmune Erkrankung handelt, bei der eine zellvermittelte Überreaktion auf Melanin und Melanozyten stattfindet (Noli, 2005). Die dermatologischen Symptome werden durch eine T-Zell-vermittelte Immunantwort ausgelöst. Im Gegensatz dazu werden die ophthalmologischen Veränderungen B-Zell-vermittelt. Beim Menschen wird vermutet, dass sich die Autoantikörper möglicherweise gegen eine Komponente der Melanozyten – nämlich das „Tyrosinaserelated Protein“ (ein Enzym, das bei der Melanogenese eine wichtige Rolle spielt) – richtet (Wolfensberger et al., 2000). Eine experimentelle Verabreichung dieses Proteins bei einigen Akitas führte dazu, dass diese Hunde daraufhin die gleichen klinischen und histologischen Veränderungen, die beim UDS vorkommen, entwickelt haben (Gelatt, 2007). Dies war ein weiterer Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen UDS und dem Vogt-Koyanagi-Syndrom beim Menschen gibt.

Vorkommen und Funktion von Melanin

Melanine sind Pigmentstoffe, die die Färbung von Haut, Haaren und Augen bewirken. Gebildet wird Melanin in Melanozyten der Epidermis, der Haarfollikel, der Choroidea, den retinalen Pigmentepithelzellen (RPE) und der Irispigmentzellen. Das Pigment schützt insbesondere Zellen in Haut und Augen vor Schädigung durch oxidativen Stress. Es absorbiert Streustrahlung und spielt auch eine wichtige Rolle als Radikalfänger und reduziert zytotoxische Lipidperoxidationen. Damit hat das Melanin sowohl eine protektive Funktion vor Lichttoxizität als auch vor Entzündungen.

Wie verläuft UDS?

Beim Hund verläuft das UDS in der Regel in zwei Phasen:

- Ophthalmologische Phase: Sie ist gekennzeichnet durch akut auftretende ophthalmologische Veränderungen wie Konjunktivitis, verminderte bzw. fehlende Pupillarlichtreflexe, Blepharospasmus, Fotophobie, Hornhautödem, bilaterale granulomatöse Uveitis anterior, Panuveitis, Irisdepigmentation, Netzhautablösung und auch Blindheit. Sekundärkomplikationen wie Kataraktbildung, Verwachsungen und Glaukome können zusätzlich auftreten.

- Dermatologische Phase: Die Hautveränderungen zeigen sich meistens einige Tage bis mehrere Monate nach den Augenveränderungen. Die dermatologischen Symptome manifestieren sich in erster Linie durch einen Pigmentverlust im Bereich von Nasenspiegel, Lefzen und periokulärer Haut. Depigmentierungen im Bereich von Hodensack, Vorhaut, After, hartem Gaumen und Ballen sind ebenfalls möglich. Pigmentverluste an den mukokutanen Übergängen können auch auftreten. Die dermatologischen Veränderungen sind in den meisten Fällen asymptomatisch. Sekundärkomplikation wie Erytheme, Krusten, Erosionen sind allerdings möglich und werden vermutlich durch eine Fotodermatitis hervorgerufen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Patienten werden in der Regel wegen akut aufgetretener Augenprobleme vorgestellt. Nach der allgemeinen Untersuchung sollte bei ihnen eine gründliche ophthalmologische Untersuchung durchgeführt werden. Hilfreich ist auch eine sonografische Untersuchung des Augenhintergrunds. Differenzialdiagnostisch sollten auch andere Ursachen wie systemische Erkrankungen, Infektionen, Neoplasien und andere Autoimmunerkrankungen in Betracht gezogen werden. Die definitive Diagnose auf UDS wird anhand der Anamnese, der typischen klinischen Symptome und der pathohistologischen Untersuchung der Haut gestellt. Bei frühen Läsionen ist eine dichte, bandförmige Entzündungsreaktion im dermoepidermalen
Übergangsbereich zu erkennen. Dominierende Zellart sind große Hisiozyten, aber auch Plasmazellen und Lymphozyten können vorkommen (Gross et al. 1992). Allgemeine und labordiagnostische Untersuchungen sind in der Regel unauffällig.

Wie sieht die Therapie aus?

Patienten, bei denen der Verdacht auf ein uveodermatologisches Syndrom besteht, benötigen umgehend eine aggressive Behandlung, um irreversible Schäden wie vordere Synechie mit Sekundärglaukom, Katarakt und sogar Blindheit zu verhindern. Die Augen müssen mit topischen bzw. subkonjunktivalen Glukokortikoiden behandelt werden.

Geeignete Präparate sind

- 0,1 % Dexamethason Augentropfen alle 4 Stunden
- 1 % Prednisolon Augentropfen alle 4 Stunden
- Dexamethason 1 bis 2 mg subkonjunktival
- Triamcinolon 10 bis 20 mg subkonjunktival
- Depot-Betamethason 6 mg subkonjunktival

Zu beachten ist, dass subkonjunktivale Injektionen nur mit wässrigen Lösungen erfolgen sollten, da bei kristallinen Lösungen die Gefahr von Granulombildung besteht. Außerdem sollte Atropin 1 % lokal alle 6 – 24 Stunden oder nach Bedarf appliziert werden. Bei der Anwendung sollte vorher eine Kontrolle des Augeninnendrucks erfolgen, da ein bestehendes Glaukom durch Atropin-Tropfen verschlimmert werden kann. Zusätzlich zur lokalen Behandlung sollte eine systemische immunsuppressive Therapie eingeleitet werden. Initial erfolgt die Behandlung mit oralen Glukokortikoiden. Hierzu wird in erster Linie Prednisolon in der Dosis 2 – 4 mg/kg einmal bzw. verteilt auf zweimal täglich verwendet. Nach Abklingen der Symptomatik sollte die Dosis allmählich auf 0,5 – 2 mg/kg reduziert werden. Findet keine wesentliche Besserung statt, sollte auf ein anderes Glukokortikoid umgestellt werden. Geeignet sind Methylprednisolon 1,5 – 3 mg/kg, Dexamethason 0,2 – 0,4 mg/kg oder Triamcinolon 0,2 – 0,4 mg/kg. Sollten Glukortikoide alleine nicht ausreichen bzw. um unerwünschte Nebenwirkungen zu reduzieren, ist es sinnvoll, eine Kombinationstherapie von Steroiden mit anderen immunsuppressiven Medikamenten durchzuführen.

Geeignete nichtsteroidale Medikamente sind

- Azathioprin 1 bis 2 mg/kg pro Tag
- Chlorambucil 0,1 bis 0,2 mg/Kg pro Tag
- Ciclosporin 5 bis 10 mg/kg pro Tag
- Tetrazyklin und Niacinamid kombiniert
- 10 kg: 500 mg von jedem Medikament alle acht Stunden
- 10 kg: 250 mg von jedem Medikament alle acht Stunden
- Längerfristig können die Medikamente alle 12 bis 24 Stunden gegeben werden.
- Chrysotherapie (Injektion von Goldsalzen)

Die nichtsteroidalen Immunsuppressiva werden alle zwei Tage gegeben. An den dazwischen liegenden Tagen erfolgt die Behandlung mit oralen Glukokortikoiden.

Was ist zu beachten?

Bei Patienten, die eine immunsuppressive Therapie erhalten, ist eine engmaschige Überwachung essenziell. Durch die Medikamente sind sie anfällig für Sekundärinfektionen, die beispielsweise in Form von bakteriellen Pyodermien, Dermatophytosen und Demodikosen auftreten können. Häufig sind auch subklinische Infekte wie z.B. Zystitiden vorhanden. Deshalb sollten in der anfänglichen Behandlungsphase in zweiwöchentlichem Abstand die Blutwerte kontrolliert werden, später dann alle 3 bis 6 Monate. Wichtig sind auch regelmäßige Harnuntersuchungen.

ashleycullis@aol.com

Foto: © 04-15-09 © Kim Gunkel, istockphoto.com

HKP 1 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 1 / 2010.
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