21.01.2018 05:58 - Über uns - Mediadaten - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Veterinärmedizin RSS > Die Hornhautentzündung des Schäferhundes

Die Hornhautentzündung des Schäferhundes

Augenblick mal!

Die Hornhaut kann auch als glaskuppelartiges Fenster des Auges bezeichnet werden. Sie stellt die vordere Begrenzung des Augapfels dar und ist wesentlich an der Brechung der Lichtstrahlen und somit am Sehvorgang beteiligt.

Die gesunde durchsichtige Hornhaut hat eine glatte und durch den Tränenfilm stets feuchte, glänzende Oberfläche. Beim Hund ist die Hornhaut zwischen 0,6 und 0,8 mm dick und setzt sich aus vier Schichten zusammen. Die Ernährung der gefäßlosen Hornhaut erfolgt über das Kammerwasser des inneren Auges und über den Tränenfilm. Die Hornhaut ist reich an Nervenfasern, daher kann es bei Entzündungen oder Verletzungen zu Schmerzreaktionen in Form von Tränen, Blinzeln, Zukneifen und Rötung des betroffenen Auges kommen.
Die Schäferhundkeratitis (medizinischer Fachausdruck: Keratitis superfizialis chronica n. Überreiter) ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Veränderung der äußeren Hornhautschichten. Oftmals ist auch die an die Hornhaut angrenzende Bindehaut oder das dritte Augenlid (Nickhaut) mit betroffen. Diese Entzündung wird als „Schäferhundkeratitis“ bezeichnet, da sie erstmals beim Deutschen Schäferhund beschrieben wurde. Das Krankheitsbild der Schäferhundkeratitis kann ebenso bei „Schäferhundmischlingen“ oder anderen Rassehunden (Hütehunde, Collie, Pudel, Dackel, Greyhound, Hovawart) auftreten.

Die ersten Symptome beginnen meistens im äußeren Augenwinkel beider Augen oder am freien, sichtbaren Rand der Nickhaut. Es gibt auch Tiere, bei denen sowohl die Hornhaut als auch die Nickhaut betroffen ist. Es gibt keine Altersbeschränkung hinsichtlich des Auftretens der Erkrankung, d.h. Die Symptome können in jedem Alter auftreten. Wichtig zu wissen ist, dass die Erkrankung, sobald sie einmal ausgebrochen ist, nicht heilbar, jedoch sehr gut therapierbar ist. Im klassischen Fall entstehen am äußeren Hornhautrand rötlich-weiße bis speckige Auflagerungen (Pannus), die anfangs auf den äußeren Anteil der Hornhaut beschränkt sind und sich im Laufe der Zeit in die Mitte der Hornhaut ausbreiten und in hochgradigen Fällen die gesamte Hornhaut bedecken können. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer Dunkelverfärbung der veränderten Hornhautbezirke durch Pigmenteinlagerungen, welche auch nach dem Abklingen der akuten Entzündungssymptome bestehen bleiben und zu Seheinschränkungen führen können. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und regelmäßig behandelt, so kann sie zur vollständigen Erblindung des Hundes führen. In einigen Fällen sind auch die Bindehaut und die Nickhaut mitbeteiligt, was sich in einer starken Schwellung, Rötung und Bläschenbildung auf dem freien Rand des dritten Augenlides im inneren Augenwinkel äußert und auch zu mildem wässrigem bis schleimigem Augenausfluss führen kann. Häufig wird das Krankheitsbild nicht rechtzeitig erkannt, da es den Tieren keine Schmerzen zu bereiten scheint.

Die genauen Mechanismen dieser Erkrankung sind noch nicht im Detail bekannt. Man geht von einer Entgleisung des Abwehrsystems aus, bei welcher der Organismus des Hundes Abwehrstoffe (Antikörper) gegen körpereigenes Gewebe (in diesem Falle die Hornhaut) bildet. Man spricht dann von einer autoimmunbedingten Erkrankung. Durch diesen „Abwehrprozess“ entstehen die beschriebenen Veränderungen an der Hornhaut. Eine Erblichkeit dieser Erkrankung ist sehr naheliegend, zumal auch familiäre Häufungen auftreten und deutliche Rassedispositionen (Veranlagungen) bestehen. Neben der rassetypischen Veranlagung gibt es auch äußere Einflüsse, die als Ursache für die Erkrankung bekannt sind. Der ultraviolette Strahlungsanteil des Sonnenlichtes hat eine wichtige Bedeutung als „Auslöser“, was den gehäuften Beginn der Erkrankung gerade im Frühjahr und Sommer erklärt.

Unbehandelt verläuft die Krankheit schubweise progressiv, d.h. in regelmäßig wiederkehrenden Entzündungsschüben, wobei die Hornhaut in schweren Verlaufsfällen durch die fortschreitende Pigmentierung ihre Durchsichtigkeit verliert. Da diese Erkrankung im Allgemeinen beidseitig auftritt, kann es in diesen Fällen früher oder später zur vollständigen Erblindung des Hundes kommen. Es gibt natürlich auch Verlaufsformen mit milderen und geringgradigeren Symptomen, die bei regelmäßiger medikamenteller Behandlung zu keinen Seheinschränkungen für das Tier führen. Das Ziel der Behandlung ist es, akute Krankheitsschübe schnellstmöglich unter Kontrolle zu bringen und weitere Schübe zu vermeiden. Eine Heilung dieser Autoimmunerkrankung ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich, da dieser Form der Keratitis eine „Fehlreaktion“ des Immunsystems zugrunde liegt.
Die Therapie besteht daher in der Unterdrückung dieser überschießenden Immunreaktion am Auge des Hundes mit örtlichen immunsuppressiven Medikamenten (Kortison- und/oder Cyclosporingaben) in Form von Augensalben oder Augentropfen. Im akuten Stadium kann dies durch eine Injektion des Medikamentes unter die Bindehaut (subkonjunktivale Injektion) erreicht werden, wobei das Auge zuvor durch Augentropfen lokal betäubt wird. Die Therapie wird anschließend vom Besitzer durch das Einbringen von Augensalben (3–5 mal täglich) weitergeführt. Ob eine Injektion oder „nur“ eine Salbentherapie notwendig ist, hängt von der Schwere der Erkrankung im Einzelfall ab und muss vom behandelnden Tierarzt entschieden werden; weiterhin muss der Behandlungserfolg dann in regelmäßigen Abständen durch den Tierarzt überprüft werden.

In den meisten Fällen können die Augensalben schrittweise reduziert werden, müssen jedoch während des gesamten Lebens des Hundes in niedriger Dosierung (mindestens 1 x täglich) weiter verabreicht werden, um weitere Krankheitsschübe zu vermeiden. Es gibt natürlich auch Hunde, die trotz der Therapie immer mal wieder Entzündungsschübe bekommen, die dann selbstverständlich wieder in höheren und stärkeren Dosierungen bis zum Abklingen der Symptome behandelt werden müssen. Im fortgeschrittenen Stadium (Pigmentierung, Vernarbung der Hornhaut) ist die Erkrankung nur schwer medikamentell zu beeinflussen und kann zur Erblindung des Tieres führen. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, die oberen pigmentierten (verfärbten) Hornhautschichten chirurgisch abzutragen (Keratektomie) und somit das Sehvermögen des Tieres wieder herzustellen. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose vorgenommen und kann, da die Hornhaut nur eine begrenzte Dicke hat, nicht beliebig oft wiederholt werden. Er sollte daher nur als „ultima Ratio“ reserviert bleiben, zumal durch diese Operation die Erkrankung nicht ursächlich geheilt wird. Eine weitere Möglichkeit besteht in einer mehrfachen Radio- (Bestrahlung) therapie der Augen, welche jedoch bisher nur in wenigen Kliniken in Europa durchgeführt wird. Auch hierfür ist eine Vollnarkose notwendig und eine Heilung nicht zu erwarten.

Aus diesen Gründen ist die wichtigste Aufgabe des Besitzers neben der aufmerksamen Beobachtung jeder Augenveränderung seines Tieres die konsequente Verabreichung der vom Tierarzt verordneten Medikamente und die regelmäßige Wiedervorstellung des Patienten zu den Kontrolluntersuchungen beim behandelnden Tierarzt. Des Weiteren müssen möglichst alle Faktoren ausgeschaltet werden, die den Ausbruch der Krankheit verursachen. In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, den Hund vor übermäßiger Sonneneinstrahlung zu schützen, da der kurzwellige Anteil des Sonnenlichtes nachgewiesenermaßen das Auftreten akuter Krankheitsschübe verursacht. Der Hund sollte sich somit an sonnigen Tagen im Schatten oder sonnengeschützten Gebäuden aufhalten. Je nach Gemüt des Hundes (manche Hunde tolerieren Brillen nicht) sind auch spezielle UV-Schutz-Hundebrillen in verschiedenen Größen, Formen und Farben erhältlich.

HKP 6 / 2008

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 6 / 2008.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor:

Weitere Artikel online lesen

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.