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Unter welchen Bedingungen ist ein Laborgerät rentabel?

Amortisationsberechnung für Laborgeräte

Wahrscheinlich stand jeder Tierarzt schon einmal vor der Frage, ob sich die In-House Diagnostik in der eigenen Praxis lohnt. Um zu einer eindeutigen und vor allem individuellen Antwort auf diese Frage zu kommen, müssen unterschiedliche Aspekte in der eigenen Praxis bedacht werden.

Bedarfsanalyse

Bevor die Berechnungen über Amortisationsdauer, Umsatz, Gewinn usw. starten, ist es eminent wichtig, praxisinterne Ressourcen zu betrachten: Wie viel Personal ist verfügbar? ­Welche fachlichen Qualifikationen hat das eigene Personal? Welche fachliche Ausrichtung hat die Praxis (chirurgisch oder internistisch orientiert – oder beides)? Erfolgt eine Finanzierung per Eigen- oder Fremdkapital? Wie hoch ist das Patientenaufkommen? Wie hoch sind die Kos­ten einer Einsendung der Probe? Wie viele Blutproben werden pro Woche gemessen?

Gerade bei der Beantwortung der letzten Frage wird die Anzahl oft falsch eingeschätzt.

// Hier hilft ein einfacher Trick: Führen Sie für einen Monat eine klassische Strichliste. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, wie viele Blutproben in Ihrer Praxis tatsächlich gemessen werden.

Eine weitere teilweise falsche Betrachtungsweise, ist die, dass kein In-House Labor­gerät benötigt wird, da die Tiermedizinische Fachangestellte sowieso in der Praxis ist und auch auszählen kann. Dies ist zwar einerseits richtig, aber moderne Laboranalysegeräte sind vollautomatisch, so dass sie die Parameter ­eigenständig objektiv messen und abarbeiten. Die Zeit, welche die Helferin alternativ für die Auszählung aufwenden würde, kann so effizient genutzt werden, z.B. um bereits den nächsten Patienten vorzubereiten. Dies kann zu einem insgesamt höheren Patientendurchlauf führen.

Weitere offene Fragen im Rahmen der Bedarfsanalyse sind z.B. die Handhabung des Gerätes, die erforderliche Probenmenge (z.B. bei kleinen Tieren) und Probenart, die Gerätegröße (wieviel Platz ist für ein oder evtl. zwei Geräte vorhanden?), sowie die Wartungsfreundlichkeit und der After-Sales-Service. Eine optimale Auslastung eines Laborgerätes erhalten Sie, wenn es mit anderen Laborgeräten, manuellen Analysen und externen Laboren für die Analyse von­ ­Spezialparametern kombiniert eingesetzt wird.

Die Auswahl

Nachdem die Bedarfsanalyse abgeschlossen ist und die Praxis eine gute Vorstellung der eigenen Ziele und Bedürfnisse erhalten hat, ist es notwendig Informationen und Angebote über die verfügbaren Geräte zu erhalten. Neben Messen und Erfahrungsberichten von Kollegen, sind Internetseiten der Anbieter wichtige Informa­tionsquellen. Allerdings sollte die Entscheidung nicht ausschließlich basierend auf diesen Informationen getroffen werden. Es ist ratsam die potentielle Lösung mit den jeweiligen Außendienstmitarbeitern der Anbieter zu besprechen und gegebenenfalls eine zweite Meinung einzuholen. Die meisten Hersteller bieten darüber hinaus die Möglichkeit, die Geräte für einen bestimmten Zeitraum kostenlos in der eigenen Praxis zu testen. Diese Op­tion sollte wahrgenommen werden, denn sie stärkt die vorherigen Informationen und Eindrücke um das eigene Empfinden.

Amortisationsberechnung

Jede Investition hat das betriebswirtschaftliche Ziel, das eingebrachte Kapital mit Gewinn zurückzubekommen, d.h. die Investition soll rentabel sein. Hierbei unterscheidet man zwischen der direkten Rentabilität (Umsatz, Gewinn) und der indirekten Rentabilität (z.B. Steigerung des Praxisimages, kein zweiter Termin des Tier­besitzers und kein Nachtelefonieren notwendig, durch direkte Ergebnisse schnellere medizinische Versorgung möglich). Weiterhin hängt die Rentabilität eines Laborgerätes von den ­Kosten ab. Auch hier unterscheidet man zwischen direkten Kosten (Investitions­kosten des Laborgerätes, Verbrauchsmaterialien sowie Personalkosten für die Bedienung des Gerätes) und indirekten Kosten (Stromkosten, z.B. für die Kühlung der Verbrauchsmaterialien, Lagerhaltungskosten, u.a.). Für diese Amortisations­berechnung werden nur die direkte Rentabilität und die direkten Kosten betrachtet. Ziel der Amortisationsberechnung ist die Ermittlung des sogenannten Break-Even Punktes.

// Der Break-Even Punkt ist der Kosten­deckungspunkt, an dem die Einnahmen gleich den Kosten sind. Alle Einnahmen oberhalb dieses Punktes werden als Gewinne betrachtet. Neben der Finanzierungsart (Eigen- oder Fremdkapital) muss bedacht werden, dass die Investition in ein Praxis­gerät steuerliche Vorteile bieten kann. So wird z.B. ein Laborgerät über die Dauer von fünf Jahren linear abgeschrieben.

// Praxisneugründer sollten immer mögliche Finanzierungen über öffentliche Förderungsstellen, z.B. KfW Bank und regionale Banken prüfen.

// Die Abschreibungssumme pro Jahr ist der Betrag, welchen Sie steuerlich geltend machen können. Sie können Gewinn erzielen, welcher bis zu der Höhe der Abschreibungssumme nicht zusätzlich besteuert wird. Langfristig betrachtet rückt somit der Preis des Laborgerätes in den Hintergrund. Ein niedriger Gerätepreis ist somit nur kurz­fristig ein Vorteil. Abschreibungen werden beim Jahresabschluss als gewinnmindernde Kosten ausgewiesen.

Berechnungsbeispiel

In dem Berechnungsbeispiel (siehe Tabelle) ist das ­Laborgerät nach bereits 2,56 Jahren amortisiert (Break-Even Zeitpunkt). Danach erwirtschaftet das Laborgerät Gewinn. Dennoch können die Abschreibungskosten in Höhe von 2.000 Euro pro Jahr bis zum Ablauf der Abschreibungsfrist (fünf Jahre) gewinnmindernd geltend gemacht werden. D.h. Sie können hier einen zusätzlichen steuerneutralen Gewinn bis zur Höhe von 4.645 Euro erzielen (restliche 2,44 Jahre ­bezogen auf die Amortisationsdauer multi­pliziert mit dem jährlichen Gewinn in Höhe von 1.904 Euro).

take home

Die Praxis sollte vor der Investition in ein neues Gerät eine interne Bedarfsanalyse durch­führen. Diese erleichtert die spätere Auswahl und Berechnung. Die eingeholten Informa­tionen und Angebote sollten intensiv geprüft werden. Die Höhe der Investition ist als Faktor sicherlich relevant, jedoch sollte bedacht werden, dass diese später als Kosten angesetzt werden können (Abschreibungen). Die Investition kann somit als steuerneutral betrachtet werden. Ein relevantes Kriterium bei der Entscheidung für ein neues Laborgerät sind die laufenden Kosten, vor allem die Verbrauchskosten. Die Verpackungsgrößen sollten mit dem Probenaufkommen in Einklang stehen, so dass keine Ware verfällt. Es gilt weiterhin zu prüfen, ob die Reagenzien nach einem möglichen Software-Update oder einer Neu-Kalibrierung des Gerätes weiterhin zu verwenden sind, oder verfallen. Die Lagerung bzw. die Lagerungskosten der Reagenzien ist ein weiterer wichtiger Aspekt (z.B. Kauf eines zusätzlichen Kühlschrankes). Die Praxis sollte ein kontinuierliches Controlling bezüglich der Wirtschaftlichkeit der Geräte installieren. So können einerseits Maßnahmen bei einer Unrentabilität getroffen werden, andererseits kann frühzeitig eine Investition in eine Modernisierung der Laborgeräte (oder auch in andere Praxisgeräte) getätigt werden.

HKP 5 / 2015

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 5 / 2015.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.