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Impfmanagement

Impfmanagement

Der beste Schutz vor Infektionskrankheiten bei der Katze

Die „Impfdiskussion“ tritt in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund und es wird immer heftiger erörtert, ob unsere Haustiere, darunter vor allem Katzen, zu häufig geimpft werden. Diese Diskussion resultiert zum einen aus der Tatsache, dass erwachsene Menschen wesentlich seltener geimpft werden als erwachsene Katzen, zum anderen aus Nebenwirkungen, die bei Impfungen auftreten können. Prof. Dr. Katrin Hartmann und Dr. Bianca Stützer geben aktuelle Empfehlungen für die Praxis.

Zu den durch Impfung beobachteten Nebenwirkungen gehören Symptome, die durch den Impferreger entstehen. Beispielsweise kann es bei einer intranasalen Impfung von lebenden Erregern des Katzenschnupfens zu leichten Schnupfensymptomen kommen. Weiterhin kann man Reaktionen beobachten, die direkt nach der Impfung auftreten, wie Entzündungen an der Injektionsstelle und Fieber, die als Reaktion des Immunsystems zu werten sind und eine gute Immunität anzeigen. Und schließlich gibt es Reaktionen, die längere Zeit nach Impfung auftreten. Hierzu gehören die inzwischen als „injection siteassociated sarcomas“ (ISAS) bezeichneten Fibrosarkome bei Katzen (Abb. 1), die an der Impfstelle nach Monaten oder Jahren entstehen können. Diese Tumoren werden durch die Entzündungsreaktion an der Injektionsstelle induziert. Die Entzündung verursacht über eine Aktivierung von Zytokinen die Induktion verschiedener zellulärer Wachstumsfaktoren, was letztlich zur tumorösen Entartung führen kann. Das Risiko ist bei inaktivierten Impfstoffen (Totimpfstoffen) höher, vor allem, wenn diese Adjuvantien enthalten. Zwischen 1:1000 und 1:10000 geimpfte Katzen erkranken an einem solchen injection siteassociated sarcoma.

Impfempfehlungen

Aufgrund dieser Diskussionen wurden in den letzten Jahren weltweit neue Impfempfehlungen erstellt. So wurden die „Deutschen Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis“ von Fachvertretern und Wissenschaftlern zusammengefasst, die von der „Ständigen Impfkommission (StIKo) des Bundesverbands Praktischer Tierärzte (BPT)“ jährlich aktualisiert werden, die sich um eine ständige Verbesserung und Anpassung der Impfempfehlungen an neue wissenschaftliche Erkenntnisse bemüht. Auf internationaler Ebene gibt es beispielsweise das Europäische Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) und die American Association of Feline Practitioners (AAFP), die jeweils Empfehlungen zu Prophylaxe und Management von Infektionskrankheiten der Katze herausgeben. All diese Empfehlungen sind sich in grundsätzlichen Fragestellungen sehr ähnlich. Sie variieren in manchen Details, die beispielsweise daher rühren, dass die epidemiologische Situation der Infektionskrankheiten in verschiedenen Regionen unterschiedlich sein kann. Diese Guidelines sind Richtlinien, aus denen jeder Tierarzt sich seine persönlichen Empfehlungen, angepasst an die jeweilige Situation seiner Praxis, erstellen sollte. Dem folgenden Artikel liegen die aktuellen Impfempfehlungen der Medizinischen Kleintierklinik der LudwigMaximiliansUniversität München zu Grunde.

Mehr Tiere impfen, das einzelne Tier so häufig wie nötig

Da Nebenwirkungen auftreten, muss in jedem Fall immer das Risiko, an einer Infektionskrankheit zu erkranken, dem Risiko, an den Nebenwirkungen einer Impfung zu erkranken, gegenübergestellt und abgewogen werden. Fakt ist, dass bei Katzen Infektionskrankheiten nach wie vor weit verbreitet sind, und daher ein ausreichender Impfschutz unbedingt erforderlich ist. Der einzige Schutz gegen die Parvovirose ist beispielsweise eine regelmäßige Impfung. Wichtig ist es daher immer zu impfen, wenn es nötig ist, aber auch nur dann. Man unterscheidet CoreVakzinen und NonCoreVakzinen.Gegen die Erreger der CoreVakzinen muss jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein (was nicht zwangsläufig heißt, dass es geimpft sein muss, es kann auch z. B. nach überstandener Krankheit einen Schutz haben). Gegen die Erreger der NonCoreVakzinen sollten nur manche Tiere unter bestimmten Bedingungen geschützt werden – entsprechend ihrer Lebensbedingungen (z. B. eine ausschließlich in der Wohnung gehaltene Katze braucht keinen Schutz gegen das feline Leukämievirus FeLV), ihrem Alter und anderer Faktoren. Welche Katze gegen welche Erreger geimpft werden sollen, muss daher in einem individuellen Impfgespräch im Rahmen der jährlichen Gesundheitsvorsorge geklärt werden.

Core-Vakzinen bei der Katze

Zu den CoreKomponenten zählen das feline Parvovirus (Panleukopenievirus), das feline Herpesvirus (Rhinotracheitisvirus) und das feline Calicivirus. Besonders wichtig bei diesen CoreKomponenten ist eine ausreichende Grundimmunisierung. Normalerweise findet die erste Impfung der Grundimmunisierung im Alter von acht Wochen statt, danach wird in einem Abstand von drei bis vier Wochen geimpft, bis die Katze die 16. Lebenswoche erreicht hat. Dies ist wichtig, um den Zeitraum zu überbrücken, in dem bei manchen Katzen noch maternale Antikörper vorhanden sind, bei anderen dagegen schon nicht mehr. Bei unklarem Impfstatus des Muttertieres oder hohem Infektionsdruck wird eine erste Impfung bereits in der sechsten Lebenswoche empfohlen, danach ebenfalls alle drei bis vier Wochen, bis das Tier 16 Wochen alt ist. Den Abschluss der Grundimmunisierung bildet in jedem Fall eine Impfung nach einem Jahr. Nur so ist ein ausreichender Impfschutz gewährleistet. Danach sind längere Intervalle ausreichend. Für diese Wiederholungsimpfungen werden von den verschiedenen Kommissionen unterschiedliche Abstände angegeben. Nach Meinung der Medizinischen Kleintierklinik München und der American Association of Feline Practitioners (AAFP) sind bei allen richtig grundimmunisierten Katzen Intervalle von drei Jahren ausreichend.

Non-Core-Vakzinen bei der Katze

Da in Deutschland viel Katzen ausschließlich in Wohnungen gehalten wird, gilt das Tollwutvirus-Impfantigen nicht als Core- Komponente. Bei freilaufenden Katzen und Katzen, die ins Ausland verreisen, ist die Impfung jedoch unerlässlich. Die Tollwutimpfung ist die einzige Impfung in Deutschland und Europa, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Laut Tollwut-Verordnung vom 20.12.2005 ist eine Tollwutimpfung gültig, wenn Sie im Falle der Erstimpfung bei Welpen im Alter von mindestens drei Monaten (nicht 12 Wochen!) mindestens 21 Tage nach der ersten Impfung und längstens (gilt auch für Wiederholungsimpfungen) um den Zeitraum zurückliegt, den der Impfstoffhersteller für eine Wiederholungsimpfung angibt. Im Alter von 16 Lebenswochen kann eine zweite Impfung erfolgen; diese geht über die gesetzliche Anforderung hinaus, ist aber aus immunologischen Aspekten sinnvoll und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass genug Antikörper gebildet werden, die für eine Grenzüberschreitungs-Untersuchung notwendig sind. Für die Wiederholungsimpfungen gelten in Deutschland seit Änderung der Tollwutverordnung vom 20.12.2005 nunmehr die in den Packungsbeilagen genannten Termine. Aufgrund des bei Tollwutimpfungen relativ hohen Risikos, ein ISAS zu entwickeln, solle Tollwut an der rechten (rabies –rechts) Hintergliedmaße (Abb. 2) oder ventro-lateralen Bauchwand (Abb. 3) geimpft werden (besseres Entfernen eines Tumors möglich, z. B. durch Amputation der Gliedmaße) und es sollen Impfstoffe mit einer Zulassung von mehreren Jahren verwendet werden (in Deutschland gibt es Impfstoffe mit einer Zulassung von einem bis vier Jahren).

Gegen das feline Leukämie-Virus (FeLV) sind in Deutschland inaktivierte, adjuvantierte Impfstoffe sowie eine FeLV-Vektorvakzine ohne Adjuvans zugelassen, die als monovalente Impfstoffe und in Kombination mit den Core-Komponenten zur Verfügung stehen. Die Impfung ist vor allem bei hohem Expositionsrisiko (Freiläufer, Kontakt zu Katzen mit unbekanntem FeLV-Status, junge Katzen etc.) zu empfehlen. Bei unbekanntem FeLV-Status ist vor der Impfung ein FeLV-Test (Antigentest oder PCR) durchzuführen. FeLV-positive Katzen sollten nicht geimpft werden, da eine Impfung bei infizierten Katzen unwirksam ist. Optimal ist eine Grundimmunisierung in der 16. und 20. Lebenswoche, eine weitere Impfung sollte nach 15 Monaten erfolgen. Für die Wiederholungsimpfung sind Intervalle von drei Jahren ausreichend. Katzen ab einem Alter von ca. sieben Jahren müssen aufgrund einer sich entwickelnden Altersresistenz nicht mehr unbedingt geimpft werden. Wegen des Risikos, ein ISAS zu entwickeln, soll FeLV an der linken (leukemia – links) Hintergliedmaße (Abb. 2) oder ventrolateralen Bauchwand (Abb. 3) geimpft werden. Die Medizinische Kleintierklinik empfiehlt den Einsatz der Vektorvakzine ohne Adjuvans auf Basis eines Canarisockenvirus, da durch diese Lakzine nachweislich weniger Entzündungan der Injektionsstelle entsteht und so auch das Risiko eines ISAS geringer ist.

Gegen die feline infektiöse Peritonitis (FIP) gibt es einen intranasalen Impfstoff. Dieses Impfvirus kann sich nur im NasenRachenraum (bei 31 °C) vermehren, nicht aber im restlichen Körper (bei 38 – 39 °C). Die Wirkung der Impfung ist umstritten. Impfstudien kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Bei Katzen über 16 Wochen, die bisher keinen Kontakt zu Coronaviren hatten, kann die Impfung unter Umständen einen gewissen Schutz bieten. Bei Tieren, die bereits Kontakt zu Coronaviren hatten, ist die Impfung wirkungslos. Ein Nachteil der Impfung ist, dass geimpfte Katzen „Antikörperpositiv“ werden und so FCoVinfizierte von geimpften Tieren nicht unterschieden werden können. Da die Wirkung nicht ausreichend belegt ist, wird in der Medizinischen Kleintierklinik die FIPImpfung nicht empfohlen.

Gegen Bordetella bronchiseptica ist in Deutschland zurzeit ein monovalenter Lebendimpfstoff zur intranasalen Applikation erhältlich. Der Impfstoff kann keine Infektion verhindern, aber eine Reduktion der klinischen Symptome bewirken. Die Impfung erfolgt einmalig ab der achten Lebenswoche und mindestens eine Woche vor einer zu erwartenden Exposition. Die Dauer der Immunität beträgt ein Jahr. Die Impfung sollte bei Katzen in Problem beständen oder mit viel Kontakt zu Artgenossen (Tierpensionen, Tierheimen, Katzenzuchten) erfolgen. Eine Impfung sollte nicht bei tragenden oder säugenden Kätzinnen durchgeführt werden. Wenn der Besitzer immunsupprimiert ist, ist die Impfung ebenfalls nicht zu empfehlen, da Bordetella bronchiseptica möglicherweise auf den Besitzer übergehen und bei immunsupprimierten Menschen zu Pneumonien führen kann.

Gegen Chlamydophila felis sind in Deutschland derzeit sowohl Impfstoffe zugelassen, die inaktivierte ChlamydophilafelisStämme in Kombination mit anderen Impfantigenen wie felines Herpes, Caliciund Parvovirus sowie felines Leukämievirus oder attenuierte Varianten (Lebendimpfstoffe) enthalten. Die Impfung ist in Problembeständen anzuraten, ist jedoch nicht routinemäßig nötig. Die erste Impfung von Katzen kann ab einem Alter von acht Wochen erfolgen, gefolgt von einer zweiten drei bis vier Wochen später. Die Dauer des Impfschutzes beträgt ein Jahr. Impfungen gegen DermatophytenInfektionen werden nicht generell empfohlen, da die Wirkung fraglich ist und nur zu einer Reduktion der durch die entsprechenden Pilzarten verursachten klinischen Symptome führt. Geimpft werden sollte nur in Problembeständen. Die Dauer der Immunität variiert zwischen neun Monaten und einem Jahr nach einer zweimaligen Impfung ab einem Alter von zehn Wochen im Abstand von 14 Tagen an wechselnden Körperseiten.

Das komplette Heft im PDF-Format beinhaltet die die vollständigen Tabellen und Abbildungen zum Beitrag.

Foto:Prof. Johannes Hirschberger

HKP 3 / 2011

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2011.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.