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Akupunktur - Heilen

Hocheffektiv

Nachdem sich die Akupunktur in der Humanmedizin von der Außenseitermedizin zu einer anerkannten hocheffektiven Heilmethode entwickelt hat, ist sie auch aus der Tiermedizin nicht mehr wegzudenken. Vor allem durch die Erkenntnis über Ursachen und Zusammenhänge bei der Krankheitsentstehung sind die beeindruckenden Therapieerfolge bei so vielen vorher therapieresistenten Erkrankungen zu erklären. In Teil 1 seines Beitrages erläutert Dr. Uwe Petermann die funktionellen Grundlagen und die Möglichkeiten dieser modernen Behandlungsform.

Kontrollierte Laserakupunktur ist eine Weiterentwicklung der klassischen Akupunktur und weit mehr als nur die Behandlung von Akupunkturpunkten mit mildem Laserlicht anstelle von Nadeln. Laserakupunktur ist eine Synthese zweier, jede für sich allein schon sehr effektiven, Therapien: der Akupunktur und der LLLT (Low Level Laser Therapy), also lokaler Laserbehandlung erkrankter Gewebe. Hinzu kommt, dass bei der Auswahl der zu behandelnden Punkte ein vegetativer Reflex des Patienten zu Hilfe genommen wird, der dem Therapeuten Informationen darüber gibt, ob der Punkt eine starke therapeutische Reaktion hervorruft und somit für die Behandlung geeignet ist. Kontrollierte Akupunktur ist so angewandt auch ein hervorragendes Diagnostikum.

Die kontrollierte Laserakupunktur ruht auf 4 Säulen

1. Säule Körperkorrektur

Diese traditionelle Akupunktur ist selbstverständlich die wesentliche, die ihre Basis in einer Jahrtausende alten Überlieferung und Erprobung hat. Sie ist inzwischen in ihren Wirkprinzipien wissenschaftlich erforscht und im Wesentlichen auch verstanden. Hier spielen die Funktionskreise oder Meridiane die wesentliche Rolle. Sie sind für einen reibungslosen Transport des Qi, der Lebensenergie, eines Individuums verantwortlich. Eine moderne Teilvariante dieser Lebensenergie ist das ATP, das in den Mitochondrien der Zellen in der Atmungskette bereitgestellt wird, und das die Energie für alle Lebensvorgänge von der Synthese von Enzymen bis zur Relaxation der Muskulatur, also alle Energie verzehrenden Prozesse im Körper bereitstellt. Bei jeder Erkrankung eines Organismus kommt es zu einer Störung des optimalen Energieflusses des Qi, was zur Folge hat, dass das Gleichgewicht, im traditionellen Sinne zwischen Yin und Yang, im medizinischen Sinne zwischen parasympathischem und sympathischem Nervensystem, gestört ist.

2. Säule Ohrakupunktur

Ein wichtiger Aspekt bei der Ohrakupunktur ist ihre leichte Verständlichkeit für westlich geschulte Mediziner, da sie ihren Ursprung im westlichen Denken hat. Ihr Erfinder, der französische Akupunkturarzt Dr. Paul Nogier fand empirisch heraus, dass man über Reflexpunkte am Ohr einen direkten Einfluss auf erkrankte Strukturen der Wirbelsäule und des gesamten Bewegungsapparates ausüben kann. Als er begann, diese neu gefundene Punkte am Ohr, die zunächst keinerlei Zusammenhang mit der bis dahin bekannten klassischen Akupunktur hatten, wie gewohnt, mit Nadeln zu stechen, war die Ohrakupunktur geboren. Im Laufe seiner weiteren Arbeit konnte er ein komplettes Abbild des Körpers am Ohr aufdecken, zunächst für die orthopädischen Punkte, also die Wirbelsäule und Gelenke sowie die zugehörigen Muskeln und Sehnen, später auch für Organpunkte. Diese Punkte wurden nach ihrer Einflusssphäre benannt: Kniegelenkspunkt, Hüftgelenkspunkt, Punkt des 2. Halswirbels aber auch Lungenpunkt,
vegetativer Herzpunkt, motorischer Herzpunkt, Nierenpunkt usw. Die Punkte der Wirbelsäule liegen dabei auf der sogenannten Anthelix, die Gliedmaßenpunkte auf der Scapha und die Organpunkte in der Concha des Ohres. Hierbei ergab sich das Bild eines zusammengerollten Embryos.
Die neurologischen Zusammenhänge dieser Ohrpunkte mit dem ZNS und der
Peripherie kann man inzwischen mit fMRT (funktioneller Magnetresonanztomographie) nachweisen. In Fortführung dieser Idee wurde in der Deutschen Akademie für Akupunktur (DAA) unter Leitung von Prof. Bahr das Ohr weiter erforscht. Es kamen Punkte für Nerven, Ganglien, das Rückenmark, endokrine und exokrine Drüsen und verschiedene Bereiche des Gehirns dazu. In den letzten 20 Jahren habe ich, mehr oder weniger im Gleichschritt mit der Humanmedizin, fast alle diese Lokalisationen auch am Ohr des Hundes und des Pferdes bestimmen und zu übersichtlichen Ohrkarten zusammenfassen können. Alle diese Punkte kann man nach modernen medizinischen Gesichtspunkten zu therapeutischen Zwecken kombinieren, mit hervorragendem therapeutischem Erfolg. Wenn man die Ohrakupunktur mit der kontrollierten Akupunktur kombiniert, erschließt sich dem Untersucher mit dem Auffinden der aktiven Punkte eines Patienten sozusagen seine Krankengeschichte mit (fast) all ihren ursächlichen Zusammenhängen. Im konkreten Fall sieht das so aus, dass man über die „kontrollierte Ohrakupunktur“ eine fundierte Lahmheitsdiagnostik durchführen kann. Das gleiche gilt auch für die Diagnostik innerer Erkrankungen. Das System ist sehr zuverlässig und in manchen Fällen sogar sensibler als die klinische Diagnostik, die Labordiagnostik und Diagnostik mithilfe bildgebender Verfahren. So können Störungen durchaus schon vor dem Eintreten klinischer Erscheinungen aufgedeckt und prophylaktisch therapiert werden. Die Kombination mit der klinischen Diagnostik zur gegenseitigen Überprüfung und Ergänzung hat sich außerordentlich bewährt. Mit dem Auffinden aktiver Punkte am Ohr hat man neben der Diagnose aber auch gleichzeitig die Therapiepunkte gefunden, da man über deren Reizung mit Laserlicht oder Nadel die vegetative Regulation wieder ins Gleichgewicht bringen, das heißt, den Qi-Fluss wieder in Gang setzen kann.
Inzwischen sind auch die Meridiane und traditionellen Akupunkturpunkte auf das Ohr übertragen worden. So kann man alle notwendigen Punkte am Ohr therapieren, ohne von Ohr- auf Körperakupunktur wechseln zu müssen. Noch viel interessanter aber erscheint mir dabei der Aspekt, dass am Ohr das traditionelle und das moderne Konzept direkt miteinander verglichen werden können. Fast selbstverständlich ergab sich hierbei eine völlige Deckungsgleichheit der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) mit der westlichen Medizin. So liegt am Ohr z.B. der Punkt der Lunge an derselben Stelle, wie der traditionelle Punkt Lu 7, der Nierenpunkt ist identisch mit dem Punkt Ni 7, der Leberpunkt mit Le 8, um nur einige Beispiele zu nennen. Dies ist nicht verwunderlich, schließlich beschreiben moderne Medizin und TCM die gleichen Sachverhalte nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Nirgendwo anders als in der Ohrakupunktur wird meiner Meinung nach so deutlich, wie gut TCM und moderne Medizin miteinander harmonieren.
Vor etwa 20 Jahren habe ich begonnen, entsprechende Ohrkarten zunächst für das Pferd, später auch für den Hund zu erarbeiten. 2006 konnte ich schließlich in meinem 2. Buch Kontrollierte Ohrakupunktur bei Hund und Pferd auch noch die Karten für das gesamte Meridiansystem am Ohr sowie eine Karte der psychischen Punkte am Ohr veröffentlichen. Somit steht nun die gesamte Bandbreite der Akupunkturdiagnostik auch für Pferd und Hund zur Verfügung.

3. Säule RAC-Kontrolle

RAC bedeutet Reflex-Auriculo-Cardial und ist ebenfalls auf die Genialität des Dr. Nogier zurückzuführen. Der RAC ist ein vegetativer Reflex, der bei der Reizung eines „aktiven“ Akupunkturpunktes entsteht und zu einer tastbaren Veränderung der Pulsqualität des Patienten führt. Mit Hilfe der RAC-Diagnostik kann man nun gezielt nach aktiven, also vegetativ gestörten Punkten suchen und diese Punkte z. B. als Unterstützung für die Lahmheitsdiagnostik oder Diagnose innerer Erkrankungen verwenden. Findet man am Ohr also den Hüftgelenkspunkt als aktiven Punkt, weiß man, dass das Hüftgelenk in seiner Funktion gestört ist, findet man dazu den Punkt des 4. Lendenwirbels, weiß man, dass dieser ebenfalls gestört ist und sehr wahrscheinlich in gegenseitigem ursächlichen Zusammenhang mit der Hüftgelenksproblematik steht. Oder wenn man einen aktiven Hypophysen-, Leber-, Nieren- oder Pankreas-Punkt am Ohr findet, kann man von einer gestörten Hypophysen-, Leber-, Nieren- bzw. Pankreasfunktion ausgehen. Über die Stimulation dieser gefundenen aktiven Punkte erfolgt auch die Therapie.
Die RAC-Diagnose ist aber nicht nur in der Ohrakupunktur möglich, sondern auch in der Körperakupunktur. Eine sehr einfache Möglichkeit, sich eine Übersicht über die Pathologie eines Patienten zu machen ist, die segmental entlang der Wirbelsäule verlaufenden Zustimmungspunkte mit dem RAC zu überprüfen. Diese haben sowohl in der Orthopädie als Wirbelpunkte im Zusammenhang mit Lahmheiten und Rückenproblemen Bedeutung als auch in der inneren Medizin im Zusammenhang mit den segmental zugeordneten Organen. Hier zeigt sich ganz nebenbei ein weiterer ganzheitlicher Aspekt. Jede orthopädische Erkrankung hat auch einen Einfluss auf die inneren Organe und umgekehrt. Bei der Akupunkturbehandlung trage ich diesen Zusammenhängen automatisch Rechnung.

4. Säule lokale Lasertherapie

Ursprünglich hat diese Therapie nichts mit der Akupunktur zu tun, aber es hat sich gezeigt, dass sie die Akupunktur hervorragend unterstützen kann. Es ist wichtig, zu betonen, dass mit Laserakupunktur nicht nur die Stimulation des Akupunkturpunktes durch den Laserstrahl anstelle der Nadel gemeint ist, sondern als wesentlicher Bestandteil der Therapie die lokale heilende Wirkung des Laserlichts die Akupunktur ergänzt.
Wieder war es Dr. Nogier, der die Möglichkeiten des Lasers für die Akupunktur entdeckte und wieder war ihm der RAC dabei hilfreich, den Einsatz des Lasers in der Therapie und auch für die Stimulation der Akupunkturpunkte zu optimieren. Da Resonanz in biologischen Systemen eine wesentliche Rolle spielt, experimentierte er mit unterschiedlichen Frequenzen (der Laserlichtimpulse) und entwickelte die sogenannten Nogier-Frequenzen, die sich auch im klinischen Experiment als besonders wirksam herausstellten. So ist die Frequenz A besonders geeignet Entzündungen zu therapieren, die Frequenz B hat besondere Affinität zum Bandapparat, die Frequenz C zu den Knochen und Gelenken, die Frequenz E hat eine stimulierende Funktion auf das Nervengewebe und die Frequenzen F und G auf die niederen bzw. höheren Gehirnanteile.

druwepetermannmelle@t-online.de

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HKP 6 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 6 / 2009.
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