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Equines Cushing-Syndrom

Teil 4: Allgemeine Behandlungsgrundlagen der Cushing- und Hufreheerkrankung

Der größte Schaden an den tragenden Horn-Lamellen entsteht bereits, bevor eine Lahmheit sichtbar wird. Die Behandlungsschwerpunkte bestehen zum einen in der Normalisierung des Blutflusses in den Lederhautblättchen durch medikamentöse Therapien und zum anderen in der Minimierung der Lageveränderungen des Hufbeins innerhalb der Hornkapsel durch entsprechende Hufkorrektur. Des Weiteren sollte so schnell wie möglich die Ursache herausgefunden werden, um eine gezielte Therapie einleiten zu können.

Auf die weiteren orthopädischen Maßnahmen und detaillierte Behandlungsschwerpunkte beim Rehepferd soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Dazu folgen weitere Beiträge.

Medikamentöse Behandlung des metabolischen Syndroms

Da es zurzeit nicht viele wirksame Medikamente gibt, gestaltet sich die Behandlung des metabolischen Syndroms ausgesprochen schwierig. Man kann versuchen mit Metformin, einem Antidiabetikum, das die intrazelluläre Empfindlichkeit für Insulin erhöht, zu therapieren, jedoch sollen schon in therapeutischer Dosis schwere Nebenwirkungen für das Pferd aufgetreten sein (Metformin 2 x tägl. 3 g oral auf 570 kg KGW).
Trilostan, ein Hemmer der 3-Hydroxysteroid- Dehydrogenase, reduziert in einer Dosis von 0,5 mg/kg/Tag relativ sicher die Kortisolkonzentration (McGowan u. Neiger 2003), wirkt aber nicht selektiv und kann daher den physiologischen negativen Feedback- Effekt der ACTH-Produktion stören.

Behandlung des hypophysären Equinen Cushing-Syndroms (PDCD)

Das hypophysäre Cushing kann mit Pergolid, Cyproheptadin, Melatonin und Lichttherapie (Walter Salomon setzt hierfür die Akupunktur ein) behandelt werden. Es ist ratsam, PDCD-Patienten so früh wie möglich zu therapieren, bevor sie eine Hufrehe entwickeln, denn bei Cushing-Pferden lassen sich die normalen Behandlungsmethoden wie Vasodilatation mit z. B. Acepromazin und analgetischen Maßnahmen (z. B. Flunixin- Meglumin, Meloxicam) oft nicht anwenden (warum eigentlich nicht?).

Empfohlen werden:

Pergolid: 0,2–0,3 mg/100 kg/Tag

Weitere Behandlungsmöglichkeiten:

Cyproheptadin 0,13–0,26 mg/kg/Tag (Nebenwirkungen hoch z. B. Kolik durch vagolytische Wirkung)

- Melatonin: 2 mg abends, in Abhängigkeit von der Jahreszeit
- Vitex 1,5 % wässrige Lsg.; bis 360 kg KWG 40 ml, 360–520 kg KWG 60 ml, ab 520 kg KWG 80 ml pro Tag oral
- Licht-Therapie: Weißlicht-Quecksilberdampf- Lampe 500 Watt, abends, Intervallsteigerung nach der Sommersonnenwende von täglich zwei auf acht Stunden.
- Aminoglutethimid (Aromatasehemmer, hemmt Synthese adrenaler Steroide): Aminoglutethimid einmal täglich 4 mg/ kg, 1 x 250 mg Tablette bei 500 kg KGW

Behandlung der Hyperlipidämie

Grundsätzlich muss so früh wie möglich das diagnostizierte Grundleiden behandelt werden. Daran schließt sich der Ausgleich der metabolischen Azidose mit Bikarbonat (4,2%ige NaHCO3-Lösung), Ringerlösung und die Wiederherstellung des Wasser- und Elektrolythaushaltes an. In den folgenden Tagen sollten 80 I. E. Insulin im Abstand von zwei Tagen verabreicht werden. Beginnt das Tier nicht spontan zu fressen, muss zwangsernährt werden. Weiterhin werden Diazepam zur Appetitanregung in einer Dosierung von 0,02 mg/kg KM i.v. 2–3 mal täglich und/oder Heparin zur Induktion der Triglyzeridlipase empfohlen.

Behandlung der Glukosurie

Zunächst muss zwischen dem hypophysären, der nahrungsbedingten und deriatrogenen Glukosurie unterschieden werden. Beim nahrungsbedingten und iatrogenen Diabetes mellitus muss auf eine kohlenhydratarme Nahrung geachtet werden. Hochqualitative rohfaserreiche Futtermittel sollten ausreichend zur Verfügung stehen. Der Hypoinsulinismus wird anfänglich mit 0,1–0,3 I. E./kg/Tag Insulin behandelt. Je nach klinischem Bild kann die Dosis vorsichtig erhöht werden, da ansonsten die Gefahr eines hypoglykämischen Schocks besteht.

Behandlung der Hypothyreose

Die im Zusammenhang mit der Hufrehe häufig diagnostizierte Hypothyreose stellt eine sekundäre Form der Schilddrüsenunterfunktion dar. Durch tumoröse Veränderungen der Hypophyse, beim Pferd hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Equinen Cushing auftretend, kommt es zur reduzierten Ausschüttung von TSH. Die Behandlung der Hypothyreose besteht in der Substitution mit T4 und sollte nie ohne vorangegangene labordiagnostische Bestimmung von T3 und T4 und Durchführung des TRH Stimulationstests durchgeführt werden. Es können Kombipräparate aus T3, Thyroxin und Kaliumiodat eingesetzt werden, wobei sich die Dosierung nach der individuellen Krankheitserscheinung richtet.

Unterstützende Behandlung und Prophylaxe

Die vorrangige, nutritive Maßnahme ist in jedem Fall eine kohlenhydratarme und rohfaserreiche Diät. Im Mittelpunkt steht neben der Hufhornverbesserung die Regulierung und Ausbalancierung der vorliegenden Stoffwechselstörung unter Zuhilfenahme geeigneter Mineralstoff- und Spurenelementergänzungsfuttermittel.
Zur Vermeidung vieler ernährungsbedingter Erkrankungen beim Pferd (Hufrehe, ODL, Peripheres Cushing, Fettleibigkeit, Metabolisches Syndrom) müssen wir grundsätzlich unsere heutige Fütterungstechnik überdenken.
Im Frühjahr und Herbst und nach Regenperioden kann der Fruktangehalt einer Pflanze bis zu 50 % der Trockenmasse betragen, sodass ein Pferd leicht die kritische Menge von 2,5 kg Fruktan, die Hufrehe auslöst, aufnimmt. Höchstgehalte an Fruktanen z. B. von Roggengras konnten von Mai bis September in den Mittagsstunden zwischen 12.00 und 15.00 nachgewiesen werden. In diesem Zeitraum empfiehlt sich die Anbringung eines Maulkorbes oder der zeitlich begrenzte Weidegang von max. 20 Minuten.
Pferde benötigen für eine physiologische Verdauung ausreichend Rohfaser bzw. Strukturstoffe. Hauptsächlich mangelt es in der Pferdefütterung an der optimalen Anpassung von Futtermenge und Bewegung des Tieres, abgesehen von der richtigen Auswahl geeigneter Futtermittel zum jeweiligen Konditions- und Gesundheitszustand. Dabei kommt es auf die Mengen und auch auf die Qualität und Bioverfügbarkeit der Nährstoffe an. Jedes Pferd sollte regelmäßig gewogen oder einer Gewichtsschätzung unterzogen werden. Ebenso wichtig ist die Bestimmung des „Body condition score“. Dieser Score gibt die Körperkondition an bestimmten Punkten des Pferdes an.
Als wichtiges Hilfsmittel bei der Nahrungsgestaltung betroffener Pferde dienen individuelle Rationsberechnungen. Diese computergestützten Berechnungen sollten am Ende eine Liste von Futtermitteln ergeben, die für den Bedarf des jeweiligen Pferdes an verdaulicher Energie, Protein, Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen in der vorliegenden Kondition sinnvoll sind. Zudem werden Fütterungsempfehlungen mit genauen Mengenangaben erstellt.

DNeubert@equi-life.de

Literatur bei der Autorin

HKP 3 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2009.
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