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Neues Fluorchinolon

Zur Behandlung bakterieller Infektionen bei Hund und Katze

Um es vorwegzunehmen: Vor Beginn der antibiotischen Behandlung sollte eine mikrobiologische Erregeridentifizierung mit Antibiogramm veranlasst werden. Nur wenn aufgrund der Schwere der Erkrankung eine sofortige Behandlung notwendig ist, kann der Tierarzt mit der Behandlung Beginnen und ein Breitspektrumantibiotikum einsetzen. Liegt dann das Ergebnis des Resistenztests vor, kann gezielt weiterbehandelt werden bzw. bei Therapieversagen das Antibiotikum gewechselt werden [1].

Antibiotika wirken auf Bakterien entweder bakteriostatisch (Hemmung des Wachstums) oder bakterizid (Abtötung von Bakterien). Fluorchinolone sind antibakteriell wirksame Substanzen mit Chinolon-Grundstruktur und werden in der Tiermedizin als bakterizid wirksame Antibiotika zur Behandlung von Infektionen bei Klein- und Nutztieren eingesetzt. Sie wirken, indem sie die bakterielle DNA angreifen und hemmen sowohl die bakterieneigene DNA-Gyrase als auch die Topoisomerase IV. Dadurch werden die für die Reproduktion der bakteriellen DNA erforderliche Entdrillung und Verdrillung (Supercoiling) verhindert. Dies führt zum Erliegen von Replikation und Transkription und es kommt bei empfindlichen Bakterien letztendlich zum Zelltod. Die therapeutische Wirkung der Fluorchinolone ist abhängig vom Erreichen einer hohen Serumkonzentration. Neu entwickelte Fluorchinolone haben ein sehr breites Wirkungsspektrum gegenüber fast allen gramnegativen und grampositiven Bakterien sowie Anaerobiern. Resistenzen entwickeln sich über Mutationen der Gyrase- und Topoisomerase-Gene [1]. Seit der Einführung des ersten tiermedizinischen Fluorchinolons – Baytril® (Enrofloxacin) – vor über zwanzig Jahren hat es keine wesentlichen Fortschritte in der Entwicklung neuer Fluorchinolone gegeben. Unter dem Handelsnamen Veraflox® (Pradofloxacin) ist nun ein Fluorchinolon-Antibiotikum der neuesten Generation verfügbar, dessen bakterizide Wirkungsweise auf einem zweifachen Angriff mit gleicher Intensität (Dual Targeting, Abb. 1) auf zwei wichtige Enzyme für die bakterielle DNAReplikation beruht. Es ist seit Kurzem europaweit für die Behandlung von Infektionen durch entsprechend spezifizierte bakterielle Erreger bei Hund und Katze zugelassen. Veraflox® ist für die einfache, einmal tägliche Verabreichung formuliert. Schmackhafte Flavour Tabletten für Hunde und Katzen entsprechend dem jeweiligen Körpergewicht sowie eine praktische Suspension mit Vanillearoma zur Eingabe für Katzen sind die verfügbaren Handelspräparate.

Charakterisierung von Veraflox®

Als Gyrasehemmer der neuesten Generation besitzt Pradofloxacin eine verstärkte antimikrobielle Aktivität im Vergleich zu anderen Fluorchinolonen, wirkt schneller und ist einfach und bequem anzuwenden. Wie in Studien gezeigt werden konnte, ist das neue Antibiotikum gut verträglich und besitzt ein günstiges Sicherheitsprofil. Vergleichsstudien mit anderen Substanzen aus der Fluorchinolon-Gruppe ergaben darüber hinaus, dass Pradofloxacin schon bei deutlich geringeren Konzentrationen inhibitorisch auf bakterieneigene Enzyme wirkt und außerdem einer Resistenzselektion besonders gut vorbeugt. Die günstige Halbwertszeit von Pradofloxacin- Tabletten (Hund 7 h, Katze 9 h), die konzentrationsabhängige, schnelle Abtötung der Bakterien und der verlängerte postantibiotische Effekt [14] von Veraflox® sorgen für eine hohe therapeutische Wirksamkeit und eine flexible Therapiekontrolle bei nur einmal täglicher Gabe. Durch deutlich geringere MHK (minimale Hemmstoffkonzentration)-Werte zeigt Veraflox® eine verstärkte Aktivität gegen grampositive und gramnegative Organismen wie E. coli, S. aureus und S. intermedius sowie gegen ausgewählte Anaerobier [3, 14]. Zudem wirkte Pradofloxacin im Gegensatz zu anderen getesteten tiermedizinischen Fluorchinolonen sogar gegenüber Bakterien im Ruhestadium, bei denen also keine Proteinsynthese- oder Teilungsvorgänge stattfinden [14]. Die empfohlene Dosierung von Veraflox® Tabletten beträgt 3,0 mg/kg Körpergewicht, die der Suspension zum Eingeben 5,0 mg/kg einmal täglich.

Struktur von Pradofloxacin

Pradofloxacin zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Struktur des Fluorchinolon-Moleküls aus: Das Basismolekül wurde an C7 und C8 durch einen Pyrrolopiperidin- Ring sowie eine Cyano-Gruppe ergänzt. Beide Substituenten verstärken – zusätzlich zur gramnegativen Wirksamkeit – die Aktivität gegen grampositive und anaerobe Bakterien sowie gegen Wildtypstämme und Stämme mit reduzierter Sensibilität [2].

Zugelassene Anwendungsgebiete

Zahlreiche Studien bestätigen eine hervorragende Wirksamkeit von Pradofloxacin bei der Bekämpfung relevanter Erreger der zugelassenen Indikationen für die Katze [4]:
- Wundinfektionen
- Akute Infektionen der oberen Atemwege
- Abszesse
Im Vergleich zur Behandlung mit beta-Laktam- Antibiotika und beta-Laktamase-Inhibitoren (z.B. Clavulansäure) beweist Veraflox® bei akuten Infektionen der oberen Atemwege eine überlegene therapeutische Wirksamkeit durch deutlich höhere Erregerelimination [10]. Mit der oralen Suspension werden signifikant höhere Konzentrationen in Speichel- und Tränenflüssigkeit erzielt als im Vergleich zur erreichbaren Serumkonzentration mit Doxycyclin. Damit kann Veraflox® als hochwirksames Antibiotikum in der Behandlung feliner respiratorischer Infektionen und damit häufig verbundener Konjunktivitiden empfohlen werden [11]. Bei der Behandlung von Abszessen wurden unter einer Gabe von 1 x täglich 5 mg/kg KGW über 7 Behandlungstage in einer Feldstudie klinische Heilungsraten von 100 % erzielt. Es zeigte sich, dass Veraflox® Suspension zum Eingeben hochwirksam bei der Therapie von felinen Wundinfektionen und Abszessen war [12]. In einer Studie konnte mittels Elektroretinografie bewiesen werden, dass selbst bei 10-facher Überdosierung keine retinotoxischen Effekte bei der Katze auftraten [13]. Zudem zeigte Pradofloxacin keine schädigende Wirkung auf den wachsenden Gelenkknorpel bei Katzenwelpen, die 6 Wochen oder älter sind [4].

Häufig auftretende Infektionskrankheiten des Hundes lassen sich mit Pradofloxacin erfolgreich behandeln. Das breite Wirkspektrum erfasst die relevanten grampositiven, gramnegativen, aeroben und anaeroben Erreger der zugelassenen Zielindikationen für den Hund [4]. Diese sind oberflächliche und tiefe Pyodermien, akute Harnwegs- und Wundinfektionen und unterstützende Therapie bei schweren Periodontalinfektionen. Bei der tiefen Pyodermie des Hundes wurde eine schnellere klinische Remission bei 86 % der behandelten Hunde erreicht und im Gegensatz zur Behandlung mit beta-Laktam-Antibiotika und beta-Laktamase-Inhibitoren ein Wiederauftreten der tiefen Pyodermie verhindert. Die hohen Remissionsraten der behandelten Hunde in dieser Studie belegen die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit von Pradofloxacin. Bei Infektionen der Maulhöhle mit Anaerobiern ist Veraflox® das erste und einzige Fluorchinolon, das zur unterstützenden Behandlung bei der Therapie von schweren Periodontalerkrankungen zugelassen ist [3]. Es zeigt eine hohe Wirksamkeit gegen anaerobe Bakterien – einschließlich metronidazol- resistenter Isolate. Porphyromonas
gingivalis und Prevotella intermedia – zwei pathogene Bakterienarten, verantwortlich für die aggressive Zerstörung des Knochens bei Infektionen des Zahnhalteapparates – werden wirkungsvoll eliminiert [6]. Die Therapie von akuten Harnwegsinfektionen mit Pradofloxacin beweist in Studien eine deutliche Überlegenheit gegenüber der Behandlung mit beta-Laktam- Antibiotika und beta-Laktamase-Inhibitoren [9]. Veraflox® zeigt hier eine signifikant (p = 0,002) höhere Heilungsrate [9]. Die weitgehende Erregerelimination verringert das Risiko für ein Wiederauftreten der Infektion
deutlich.

Literatur beim Autor

HKP 3 / 2011

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2011.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
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