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Inhalative Therapie chronischer Atemwegserkrankungen

Atemhilfe für Tiere

Auch Hunde, Katzen und Pferde können an schweren Erkrankungen der unteren Atemwege wie Asthma oder chronische Bronchitis erkranken. Die gängige Therapie – die systemische Gabe von Kortison – ist mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. Werden die Medikamente jedoch inhalativ verabreicht, können sie niedriger dosiert und Nebenwirkungen reduziert werden. Inhalierhilfen erleichtern dabei die praktische Anwendung.

Chronische Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Tiererkrankungen überhaupt: Schätzungen zufolge leidet 1 % aller Katzen an felinem Asthma. Bei Pferden sind gar 8 – 10 % von einer chronischen Erkrankung der Atemwege betroffen 1: Hier lautet das Übel COB – die chronisch obstruktive Bronchitis, besser bekannt als „Dämpfigkeit“. Auch Hunde leiden häufig an einer Form der chronischen Bronchitis. Genaue Zahlen wurden noch nicht ermittelt, aber auch hier handelt es sich um eine weit verbreitete Erkrankung.

Nachteile der systemischen Behandlung

Gemeinsam ist allen drei Erkrankungen, dass es sich um entzündliche und atemwegsverengende Erkrankungen handelt, die mit antientzündlichen Kortikosteroiden sowie bronchialerweiternden Präparaten behandelt werden. Besonders bei der systemischen Therapie mit Kortison stehen dabei den Vorzügen erhebliche Nachteile in Form von zahlreichen Nebenwirkungen gegenüber. Zu den Nebenwirkungen von Kortison zählen Gewichtszunahme, Knochen- und Muskelschwund und eine Polyurie / Polydypsie (PU / PD). Zudem steigt bei langfristiger Gabe das Erkrankungsrisiko an weiteren schweren Krankheiten wie Diabetes oder die Hufrehe bei Pferden. Mit der Inhalationstherapie lassen sich diese schweren Nebenwirkungen der Kortisontherapie jedoch verhindern. Hier hilft ein Blick in die Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen bei Menschen.

Blick in die Humanmedizin

Auch in der Humanmedizin ist die langfristige Gabe von Kortison bei chronischen Erkrankungen der unteren Atemwege (Asthma, COPD) gängige Praxis. Vor gut zwei Jahrzehnten hat hier jedoch eine Verlagerung von der systemischen hin zur inhalativen Therapie stattgefunden. Am häufigsten kommen hier so genannte Dosier - aerosole zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Medikamentensprays, die flüssigen Wirkstoff zerstäuben und in Form kleinster Tröpfchen inhalierbar machen. Die Vorteile der neueren Methode liegen im Vergleich zur davor üblichen Verabreichung der Medikamente in Tablettenform auf der Hand: Durch die lokale Applikation gelangt der Wirkstoff über die Atmung direkt an seinen Bestimmungsort und kann dort seine Wirkung besser entfalten. Weil das Medikament direkt in die Atemwege gelangt, kann es zudem niedriger dosiert werden – gerade bei der Verabreichung von Kortison können so die schweren Nebenwirkungen vermieden werden. Die klinische Wirksamkeit der Inhalationstherapie wurde in zahlreichen Studien mit positivem Befund getestet.

Inhalationstherapie in der Tiermedizin

Wie in der Humanmedizin ist nun auch in der Tiermedizin eine Verlagerung von der systemischen hin zur inhalativen Therapie erkennbar. Genau wie Menschen profitieren Tiere von den Vorteilen der Inhalationstherapie: Das Medikament wirkt direkt am Ort der Erkrankung und kann so deutlich niedriger dosiert werden – die schweren Nebenwirkungen von Kortisonspritzen oder -tabletten entfallen. Auch wenn derzeit noch inhalierbare Medikamente mit veterinärmedizinischer Zulassung fehlen, ist die Inhalationstherapie bei chronischen Atemwegserkrankungen aufgrund der Vorteile gängige Praxis. Die für den Einsatz bei Tieren erforderliche Umwidmung von humanmedizinischen Präparaten können Tierärzte von Fall zu Fall veranlassen. Weil bei der inhalativen Applikation eine weitaus niedrigere Dosierung der Medikamente möglich ist, kann die Therapie langfristig angewendet werden, ohne dass schwere Nebenwirkungen befürchtet werden müssen. Die Inhalationstherapie kann auch vom Tierhalter selbst durchgeführt werden.

Inhalationssysteme für Tiere

Speziell für Tiere sind mehrere Inhalationssysteme auf dem Markt erhältlich. Bei Pferden besteht die Möglichkeit, die Inhalationstherapie mit einem elektronischen Vernebler-System durchzuführen (z. B. mit dem air-one® von hippomed). Dabei handelt es sich jedoch um eine aufwändige Methode mit hohen Anschaffungskosten und einigem Zeitaufwand: Jede Medikamentengabe beansprucht ca. 15 Minuten, damit ausreichend Wirkstoff in die Atemwege eingebracht wird. Die Inhalation mit Dosieraerosolen ist demgegenüber die einfachere und preiswertere Variante. Ermöglicht wird Tieren die Inhalation mit Dosieraerosolen durch die Verwendung von Inhalierhilfen. Diese bestehen aus einer Kammer (engl. Chamber), an deren hinteren Ende sich ein Gummiadapter befindet. Hier wird das Dosieraerosol eingesteckt, sodass ein Sprühstoß in die Kammer abgegeben werden kann. Eine Silikonmaske, die sich am vorderen Ende der Kammer befindet, wird dann auf das Maul des Tieres (bei Pferden: auf eine der Nüstern) gesetzt. Sie schließt luftdicht ab und garantiert, dass der Wirkstoff über die Atmung des Patienten an seinen Bestimmungsort gelangt. Für Hunde, Katzen und Pferde stehen spezielle Inhalierhilfen zur Verfügung, beispielsweise bietet R. Cegla den RC-Animal Chamber an. Der Einstieg in die Inhalationstherapie für Tiere ist mit Inhalierhilfen sehr preiswert geworden. Zudem sind sie einfach anzuwenden und leicht zu reinigen. Pferde nehmen die Therapie problemlos an, aber auch Hunde und Katzen lassen sich erfahrungsgemäß leicht an die Therapie gewöhnen.

HKP 8 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 8 / 2012.
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Der Autor:

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.