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HKP-6-2012 > meiMarkenzeichen Tierarztpraxis

meiMarkenzeichen Tierarztpraxis

Die Balance herzustellen zwischen einem funktional optimal abgestimmten Arbeitsplatz und sichtbaren Alleinstellungsmerkmalen – wie etwa die persönliche Note – ist gar nicht so aufwändig, wie allgemein vermutet wird. Da jeder Tierarzt (TA) sein eigenes Profil sucht, um sich auf dem immer enger werden Markt erfolgreich durchzusetzen, ist dieses Thema aktueller denn je.

Was sind die wesentlichen Knackpunkte, die mit der Planung und Einrichtung einer TA-Praxis auftreten? Zunächst sind die Grundvoraussetzungen wie Lage der Praxis, Angebot der medizinischen Leistungen sowie Größe und bautechnische Beschaffenheit der Immobilie sehr genau zu prüfen. Schon hier gehen die Meinungen weit auseinander. Welche Berater binde ich in den Planungsprozess mit ein? Finanzberater, Steuerberater, Architekten beim Neubau, Medizintechniker sind selbstverständlich, aber wenn es um fachkundige Planung der Räumlichkeiten, Möblierung, Materialauswahl, Beleuchtung und Akustik geht, so sind doch viele Tierärzte der Meinung, dass sie diese Fragen in Eigenregie bewältigen können. Noch schwieriger ist es, wenn Renovierungen anstehen, da hier noch die nicht zu vermeidende Betriebsblindheit im Wege steht. Nur in der vorausschauenden und detaillierten Planung lassen sich Fehler und Kosten vermeiden.

Baugewerbliche Vorschriften und Fehlkalkulationen

In letzter Zeit werden die Tierarztpraxen gerade in Hinblick auf die baugewerblichen Vorschriften stärker unter die Lupe genommen, das geht bis zur Forderung von behindertengerechten Zugängen und WC-Anlagen. Auch bei Neubauplanungen, die meist unter der Regie der Architektenkollegen erfolgt, stellt man immer wieder fest, dass die Kollegen aufgrund der mangelnden Erfahrung der Funktionsabläufe den Platzbedarf der einzelnen Arbeitsabläufe in den Praxen um ca. 10 – 15 % zu groß planen. Die Baukosten sind dann entsprechend um 30.000 bis 50.000 Euro höher als geplant. Dafür hätte man eine schöne Inneneinrichtung bekommen. Die bisherigen Beispiele zähle ich zu den greifbaren, harten Fakten. Für das Image sind jedoch, wie ich sie nenne, die weichen (unbewussten) Kriterien viel wichtiger. Da geht es um das Wie:

Materialauswahl

- Farbigkeit ( Marketing, Logo )
- Beleuchtung
- Bodenbelag ( bestimmt zu über 50 % den Charakter der Praxis)
- Akustik
- Dekoration( Bilder, Sammlerstücke und Pflanzen)

Das Wartezimmer (Abb. 1) erfüllt so ziemlich alle Kriterien für ein Tierarztimage aus den 70Jahren (ist aber heutige Realität): kalte Ausstrahlung und unpersönlich. „Hier möchte ich nur raus.“ Der Wohlfühlfaktor im zweiten Beispiel (Abb.2) liegt dagegen bei annähernd 100 %. Da Ihre Praxis immer ein Spiegelbild Ihrer Person ist, sollten auch Ihre persönlichen Merkmale zum Ausdruck kommen. Sind Sie eher funktional (klare Linien, wenig Farbe, harte Materialien, helles (Neon)Licht, keine Dekoration) oder möchten Sie Ihr Lebensgefühl zum Ausdruck bringen (starke Farben, Materialien mit freundlicher Anmutung – keine Fliesen)? Sehr wichtig sind gut ausgesuchte themenbezogene Bilder, die eine Größe von mindestens DIN A2 haben sollten. Weiterhin liegt mir sehr am Herzen, daraufhin zu weisen, welche Einflüsse schlechtes Licht und nervende Akustik auf die Energiebilanz des Personals in einer TA-Praxis haben. Bei entsprechend guter Planung fühlen Sie sich und Ihr Personal nach einem harten Tag in der Praxis um mindestens 30 % frischer.

Kosten und Nutzen

Da z.B. die Kosten für einen Innenarchitekten, der sich mit der Materie auskennt, nur 2 – 4 % der Gesamtinvestition eines Neubaus (ohne medizinische Geräte) ausmacht, ist das Vorurteil der zu hohen Kosten für eine Praxis mit „Wohlfühleffekt“ kaum von Bedeutung. Fehlplanungen und unzufriedene Personen sind wesentlich teurer in der Gesamtbilanz. Die Hauptschwierigkeit für die TA besteht nach meinen Erfahrungen darin, ein Konzept für das Erscheinungsbild zu finden. Dazu müssten Sie mit einem Planer in Kontakt treten und genau hier liegt die einzige Schwierigkeit oder Hemmschwelle.

Foto: © Holger Hempel

HKP 6 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 6 / 2012.
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Der Autor:

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.