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Heilen

Heilen

Faszinierende Möglichkeiten

Im ersten Teil seines Beitrages über die kontrollierte Laserakupunktur versuchte der Autor, einige wenige grundlegende Kenntnisse über die funktionellen Grundlagen und die Möglichkeiten dieser modernen Behandlungsform zu vermitteln. Anhand von 4 willkürlich ausgewählten Behandlungsbeispielen möchte Dr. Uwe Petermann nun die Möglichkeiten der Laserakupunktur aufzeigen.

Tendinitis beim Pferd

Völlig aussichtslos sah zunächst der Fall einer 8-jährigen Warmblutstute aus, die nach einer Schnittverletzung durch einen Weidedraht die komplette oberflächliche Beugesehne durchtrennt hatte und einen Teil der tiefen Beugesehne ebenfalls. Noch 4 Monate nach der Operation der Sehnen war eine eiternde Wunde im Operationsbereich entstanden, die nicht zur Heilung gebracht werden konnte. Die oberflächliche Beugesehne war im Operationsbereich etwa 2 daumendick bindegewebig derb geschwollen. Das Pferd zeigte eine starke Lahmheit im Schritt.
Um die bindegewebige Vernarbung der Sehne zurückzuführen und die Heilung der Sehne, aber auch die Wundheilung der immer noch eiternden Wunde zu ermöglichen, wurde der gesamte Bereich intensiv für mehrere Minuten jeweils mit der Frequenz A und anschließend mit der Frequenz B lokal behandelt. Die Frequenz A wirkt dabei vornehmlich gegen die Entzündung und stimuliert die Demarkation entzündeten und nekrotischen Gewebes, die Frequenz B bewirkt den Umbau bzw. die Auflockerung des bindegewebigen Reparaturgewebes und dient vor allem zur Stimulation der Kollagenfasersynthese. Diese beiden synergistischen Vorgänge, Auflockerung des Reparaturgewebes in der Sehne und gleichzeitige Stimulation der Kollagenfasersynthese, sind nach Ansicht des Autors durch keine andere Therapie in gleichem Maße erreichbar. Vonseiten der Akupunktur ergänzt man zu dieser lokalen Lasertherapie sinnvollerweise die Therapie über die so genannten tendomuskulären Meridiane (TMM) der Beugesehnen des Vorderfußes. Die TMM sind parallel zum Hauptmeridian verlaufende, durch Sehnen und Muskulatur ziehende Anteile des Meridians. Die infrage kommenden Meridiane sind hierbei der Lungenmeridian, der Perikardmeridian und der Herzmeridian. Außerdem wurde der Punkt MP2 als Wundheilungs Kollagenfaserbildungs- und anaboler Sehnenpunkt behandelt. Alle Punkte wurden mit einem 90 Watt- Impulslaser ca. 20 – 30 sec behandelt.
Nach 4 Behandlungen, etwa 14 Tage später, war die Wunde geschlossen und die derbe Schwellung der Sehne war erheblich zurückgegangen. Danach wurden die Sehne und die Akupunkturpunkte täglich mit einem Impulslaser wie oben beschrieben von der Besitzerin selbst über weitere 3 Wochen behandelt. Hiernach war die bindegewebige Schwellung der Sehne fast vollständig umgebaut worden. Die Stute ging im Trab auf hartem und weichem Boden lahmheitsfrei. Die Schwellung war weitgehend zurückgebildet. Bei einer Nachkontrolle 3 Monate später war kein Unterschied zur gesunden Sehne mehr zu palpieren, und das Pferd wurde wieder voll trainiert.

Vollständige Nachhandparalyse bei einem Hund

Ein 5-jähriger Berner Sennenhund war wegen einer vollständigen beidseitigen Nachhandlähmung nach einer Wirbelfraktur unklarer Ursache über 4 Wochen in einer Spezialklinik behandelt worden. Da während der Therapie keinerlei Besserung erreicht wurde, sollte der Hund euthanasiert werden. Der Besitzer entschied sich für den Einsatz der kontrollierten Laserakupunktur. Der Hund machte einen munteren Eindruck mit der Ausnahme, dass der gesamte Hinterkörper völlig atonisch hinterhergeschleift wurde, während die Vorhand fleißig und ungestüm agierte. Die Palpation der Wirbelsäule ergab weder eine Schmerzhaftigkeit noch sonst eine tastbare Veränderung. Die Akupunkturdiagnostik zeigte einen sehr starken RAC im Bereich von Th 11. Die anschließende Betrachtung des mitgebrachten Szintigramms bestätigte die durch die Akupunkturdiagnostik gefundene Stelle. Es war eine deutliche Kompression des Rückenmarks bei Th11/12 zu erkennen. Behandelt wurden der betroffene Wirbel bzw. beiderseits der dort liegende Punkt Bl18, der Rückenmarkspunkt und der zugehörige Punkt auf dem LG, LG9. Alle drei Punkte wurden mit einem Impulslaser jeweils ca. 3 min behandelt. Mit einem Impulslaser wird nicht nur der Akupunkturpunkt in der Körperfaszie erreicht, sondern auch die spastische Muskulatur und der segmental austretende Nerv und beide werden im Sinne einer lokalen Lasertherapie zusätzlich zum Akupunkturreiz beeinflusst. Zwischen den Dornfortsätzen werden auch direkt das Rückenmark erreicht und mit der dafür speziellen Frequenz E die Proliferation der Dendriten stimuliert. Synergistisch, wie bei der Tendinitis, wird der Umbau des das Dendritenwachstum behindernden Narbengewebes im Rückenmarkskanal unterstützt. Durch geeignete Akupunkturpunkte wurde diese lokale Therapie maßgeblich unterstützt; Ni4 , 3E5, Gb41. Direkt nach dieser ersten Behandlung zeigte das Tier deutliche Aktivität der Hinterhand, die zuvor eindeutig nicht vorhanden war. Die darauf folgenden Tage fand die Impulslaser-Behandlung des Hundes durch seinen Besitzer statt. Erwähnen muss man dabei, dass trotz der hohen Impulsspitzenleistung der Laser (90 Watt), die für eine entsprechende Gewebspenetration erforderlich ist, aufgrund der kurzen Impulslänge (200 ns) keine unerwünschte thermische Wirkung im Gewebe erzielt wird. Bei der Nachkontrolle eine Woche später konnte der Patient selbstständig aufstehen und gehen, wobei er jedoch noch öfter zur Seite hin umfiel. Nach einer insgesamt 7-wöchigen Behandlung, die im Wesentlichen vom Besitzer täglich selbst durchgeführt wurde, konnte der Hund wieder normal laufen.

Postoperative Gelenksinfektion bei einem Pferd

Ein klinisch gesunder 2-jähriger Hengst war bei einer prophylaktischen Röntgenuntersuchung durch einen Chip im rechten Sprunggelenk aufgefallen. Postoperativ – nach endoskopischer chirurgischer Entfernung des Fragments – entwickelte sich eine infektiöse Tarsitis. Diese wurde zuerst von der operierenden Klinik, danach von 3 weiteren Kliniken intensiv behandelt. 6 Monate post operationem wurde das Pferd vorgestellt. Das Pferd setzte die erkrankte Gliedmaße nicht auf, zeigte eine hochgradige Stützbeinlahmheit und konnte sich nur mühsam auf 3 Beinen vorwärts bewegen. Der Gelenkumfang betrug 61 cm, während das gesunde Tarsalgelenk 42 cm Umfang aufwies. Alle RAC-auffälligen Punkte im Gelenkbereich wurden im Sinne einer lokalen Lasertherapie mit der Frequenz A insgesamt etwa 15 min lang behandelt. Auffällig ist bei derartigen Gelenkinfektionen immer wieder, dass fast ausschließlich die endoskopischen Zugangskanäle Reaktionen zeigen, während das infizierte Gelenk eher nebensächlich erscheint. Nach Ansicht des Autors werden diese Gelenkinfektionen im Wesentlichen von den kleinen Infektionsherden in den bereits vernarbten, vermutlich in das Gelenk fistelnden Kanälen verursacht. Folgende Akupunkturpunkte wurden behandelt: der Punkt Ni3, der Punkt 3E5 und der Punkt Gb41 und der MP4. Alle Akupunkturpunkte wurden ca. 30 s lang mit dem 90 Watt-Impulslaser behandelt. Diese 3 Punkte zeigen in ihrer Kombination eine optimale antiphlogistische Wirkung.
Nach 14 Tagen bzw. 7 Behandlungen war der Gelenkumfang auf 47 cm zurückgegangen und das Pferd konnte im Schritt und etwa 5 Minuten im Trab longiert werden. Das Pferd lief sich schon so schnell ein, dass es nach etwa 1 Minute Trabarbeit jeweils fast lahmfrei traben konnte. Nach ca. 4 Wochen mit 12 weiteren Behandlungen wurde der Patient entlassen und konnte zuhause zunehmend bis zur vollen Belastung gearbeitet werden. Später wurde dieses Pferd als Reitpferd verkauft, wobei die Ankaufsuntersuchung keinerlei Beanstandungen ergab.

MRSA-Infektion bei einem Hund

Das folgende Behandlungsbeispiel zeigt, dass die hervorragende antiinfektive Wirkung der Laserakupunktur auch in solchen Fällen wirkt, in denen Antibiotika keinerlei Wirkung mehr zeigen. Ein 3-jähriger Schäferhundmischling männlichen Geschlechts wurde zur Behandlung vorgestellt, nachdem eine über etwa 4 Monate dauernde Behandlung in einer Kleintierklinik erfolglos abgebrochen worden war. Es ging um die Frage, ob die Laserakupunktur in der Lage wäre, eine MRSAInfektion zu kurieren. Bislang konnten zwar keine MRSA-Infektionen, aber zahlreiche andere antibiotikaresistenten Infektionen erfolgreich mit der kontrollierten Laserakupunktur behandeln werden.
Der Rüde war in der vorbehandelnden Klinik wegen einer kleinen Wunde unklarer Genese im Widerristbereich vorgestellt worden. Die Wunde wurde gesäubert und antibiotisch versorgt. Ungeachtet der Therapie nahm die Wundschwellung jedoch schnell zu, zeigte eitrig seröse Fistulation und große Schmerzhaftigkeit. Es wurde daraufhin eine Gewebeprobe zur Untersuchung entnommen und eine MRSA-Infektion diagnostiziert. Die Klinik versuchte mit ausgesuchten Antibiotika-Kombinationen eine weitere Therapie. Nachdem diese keine Verbesserung bewirken konnten, wurde als Ultima Ratio eine großflächige Exzision
des erkrankten Gewebes vorgenommen. Die Wunde allerdings zeigte schon nach wenigen Tagen eine Dehiszenz mit massiver Infektion. Die Wundränder zeigten eine stark destruktive infiltrative Infektion. Das Granulationsgewebe war höckerig und stark sezernierend. Die Klinik riet zur Euthanasie des Hundes, weil die Schmerzen auch mit starker antiphlogistischer Therapie nicht beherrschbar waren und die Prognose infaust war (keinerlei Heilungsaussicht bestand). Mit Beginn der Laserakupunktur wurde die gesamte medikamentelle Therapie (Antibiotika und Antiphlogistika) spontan abgesetzt. Neben der LLLT der Wunde mit der Frequenz A (wieso A) für 10 Minuten wurden die immunstimulierenden Punkte 3E 5 und MP 4 behandelt. Nach 10 Tagen (5 Behandlungen) war eine deutliche Wundkontraktion mit zufrieden stellender Epithelisierung und reinem Granulationgewebe zu sehen. 1 Monat nach Beginn der Laserakupunktur war die Wunde fast ohne eine erkennbare Narbe verheilt.
Die vorgestellten Behandlungsbeispiele geben leider nur einen sehr spärlichen Einblick in die wirklich vielseitigen, beeindruckenden Möglichkeiten der Laserakupunktur. Aber es könnte ein Anreiz sein, eingefahrene Bedenken einmal beiseitezuräumen und sich damit zu beschäftigen und sei es nur, sie als potent zu erkennen. Nach Ansicht des Autors bedeutet „ganzheitliche Behandlung“, dass nicht die Behandlung eines Symptoms in den Mittelpunkt gestellt wird, sondern die Symptomerkrankung im Zusammenhang mit den gesamten Körperbefindlichkeiten, die häufig sogar erst zur Entstehung der symptomatischen Erkrankung geführt haben, betrachtet werden. Mithilfe der „kontrollierten Akupunktur“ ist man in der Lage, viele dieser wesentlichen Faktoren zu ermitteln und diese auch zu therapieren. Damit wird der Organismus überhaupt erst wieder in die Lage versetzt, „normergisch“ (statt allergisch oder rheumatisch) zu reagieren.
Bedeutsam ist, dass die Patienten des Autors fast ausschließlich wegen chronischer Krankheiten vorgestellt werden und dass alle Medikamente wie z.B. Antibiotika, NSAIDs, Steroide sofort vollständig abgesetzt werden. Dies setzt aber eine verantwortungsvolle und gewissenhafte Vorgehensweise und Arbeitsweise voraus. Dazu ist es notwendig, die Akupunktur zunächst gründlich zu erlernen und danach praktische Erfahrung zu sammeln. Dies ist natürlich durchaus möglich, indem man die Akupunktur zunächst nur als Ergänzung mit der bisherigen Therapie kombiniert und durch Medikamente unterstützt. Nach und nach kann man die Medikation immer weiter zurückfahren. Das Ziel dieses Beitrages ist, Skepsis abzubauen und im Falle von Therapieresistenzen die Patienten nach Rücksprache mit einem Akupunkturkollegen an diesen zu überweisen.

druwepetermannmelle@t-online.de
www.akupunkturtierarzt.de

HKP 1 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 1 / 2010.
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Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
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Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
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Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.