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Bundestierärztekammer - Interview mit Prof. Dr. Theodor Mantel

Leiter einer großen Herde

Die Bundestierärztekammer e. V. (BTK) wurde 1954 als „Deutsche Tierärzteschaft“ ins Leben gerufen und trägt seit 1994 ihren jetzigen Namen. Dort sind alle 17 Landes-/Tierärztekammern Mitglied und über diese derzeitig etwas mehr als 37.000 Tierärztinnen und Tierärzte in der Bundesrepublik Deutschland organisiert. Die Bundestierärztekammer e.V. vertritt die Belange aller Praktiker, Amtsveterinäre, Wissenschaftler und Tierärzte in anderen Berufszweigen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit auf Bundes- und EU-Ebene. hundkatzepferd nahm dies zum Anlass, hinter die Kulissen zu schauen und sprach mit Prof. Dr. Theodor Mantel, dem Präsidenten der Bundestierärztekammer, der diese leitet und nach außen vertritt.

Herr Prof. Mantel, seit 2008 sind Sie Präsident der Bundestierärztekammer. Wie genau sieht Ihr Arbeitsalltag in dieser Funktion aus?

Am 31.12.2007 bin ich als Amtstierarzt und Leiter der Veterinärabteilung des Landratsamtes Eichstätt in den Ruhestand getreten; am 1. Januar 2008 habe ich mein Amt als Präsident der Bundestierärztekammer angetreten. Die Arbeitstage in dieser Funktion gestalten sich völlig unterschiedlich: Die – seltenen – terminfreien Tage verbringe ich vor allem in meinem Arbeitszimmer mit Sichtung und Bearbeitung der eingegangenen E-Mails, dem Studium aktueller Gesetze, Verordnungen – jeweils auf nationaler und EU-Ebene. Soweit hierfür im Vorfeld Entwürfe vorgelegt werden, gilt es, in Abstimmung mit den zuständigen Mitgliedern der BTK-Fachausschüsse Stellungnahmen zu erarbeiten. Außerdem erfolgen zahlreiche Telefonate u.a. mit den Präsidiumsmitgliedern, der Geschäftsführerin, den tierärztlichen Referatsleiterinnen unserer Geschäftsstelle sowie dem Sekretariat zur Festlegung und Koordinierung von Terminen.
Anders gestalten sich die Sitzungstage in Berlin: Unsere Ausschusssitzungen (wir haben in der BTK 19 Fachausschüsse) beginnen grundsätzlich um 12.00 Uhr; für mich bedeutet das einen langen Arbeitstag: Verlassen der Wohnung morgens um 5.15 Uhr, Abfahrt mit dem ICE in Ingolstadt um 6.00 Uhr, Rückkehr nachhause etwa um 23.00 Uhr. Soweit möglich lege ich deshalb Sitzungstermine auf mehrere Tage hintereinander, um weniger Zeit auf der Schiene zu verbringen.
Daneben gilt es, zahlreiche Auswärtstermine wahrzunehmen: Veranstaltungen der fünf tierärztlichen Bildungsstätten und Kontaktpflege zu deren Repräsentanten, d.h., den Dekanen oder Präsidenten, Repräsentationspflichten bei Veranstaltungen von Verbänden und Instituten, Besuche bei politischen Mandatsträgern etc. Veranstaltungen der Mitgliedsorganisationen, also der 17 Landestierärztekammern sowie der Beobachterorganisationen werden im Rahmen des Möglichen ebenso besucht wie überregionale Fachkongresse sowie Jahrestagungen der anderen vier Heilberufskammern auf Bundesebene.

Zu den Schwerpunkten Ihrer Arbeit im BTK-Präsidium gehört es, die Kooperation der einzelnen Berufssparten innerhalb des Berufsstandes zu intensivieren. Wie gehen Sie dabei vor?

Die Kooperation der einzelnen Berufssparten unter dem Dach der Bundestierärztekammer ist nicht zuletzt durch geltendes Satzungsrecht gewährleistet. In dem siebenköpfigen Präsidium sind neben dem Präsidenten und den beiden Vizepräsidenten vier Ressortverantwortliche festgeschrieben: Das Ressort „praktische Berufsausübung“, derzeit geleitet vom Präsidenten des Bundesverbandes der praktizierenden Tierärzte in Deutschland, befasst sich mit den Problemen dieser zahlenmäßig stärksten Gruppierung des Berufsstandes und berichtet hierüber der Delegiertenversammlung. Analoges gilt für das Ressort „öffentliches Veterinärwesen und gesundheitlicher Verbraucherschutz“, das vom Präsidenten des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte geleitet wird. Auch der Vorsitzende der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft ist Präsidiumsmitglied. Er ist verantwortlich für das Ressort „Aus- Fort- und Weiterbildung, Forschung und Industrie“. Dieser Bereich beschäftigt sich auch mit den aktuellen Problemen von Hochschullehrern und Industrietierärzten.
Außerdem besuche ich grundsätzlich die großen Jahreskongresse der oben erwähnten Berufsgruppen und stelle dadurch einen intensiven Kontakt zwischen der Bundestierärztekammer und den einzelnen Berufssparten her.
Obwohl die Interessenlage der einzelnen Berufssparten zwangsläufig eine unterschiedliche ist, bilden sie aber schlussendlich alle einen gemeinsamen Beruf ab – nach dem Motto „One Profession“.

17 Landestierärztekammern sind bei Ihnen Mitglied. Entstehen dadurch Schwierigkeiten, deren Interessen zu vereinbaren bzw. gibt es Konflikte?

Ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland ist auch die deutsche Tierärzteschaft föderal organisiert. D.h., jede Landestierärztekammer ist für den eigenen Kammerbereich grundsätzlich autonom. Die BTK dagegen hat die satzungsmäßige Aufgabe, die Interessen der Tierärztekammern auf Bundes- und EU-Ebene zu vertreten. Die 17 Landes- tierärztekammern sind freiwillige Mitglieder der Bundestierärztekammer und in dieser durch ihre Delegierten vertreten. In Abhängigkeit der Mitgliederstärke der einzelnen Kammern entsenden sie ihre nach einem satzungsmäßig festgelegten Schlüssel Zahl von Delegierten zur Delegiertenversammlung der BTK, wo sie sämtliche Entscheidungen und Beschlüsse dieses höchsten Gremiums der deutschen Tierärzteschaft aktiv gestalten. Darüber hinaus bilden die Präsidenten/- innen der einzelnen Kammern das so genannte erweiterte Präsidium, das grundsätzlich jeweils vor den zweimal jährlich stattfindenden Delegiertenversammlungen tagt und diese vorbereitet. Eventuell vorhandene unterschiedliche Auffassungen einzelner Kammern zu bestimmten bundes- oder europäischen Themen können hier im kleinen Kreis intensiv beraten und anschließend in der Regel einer einvernehmlichen Lösung zugeführt werden, in bedeutsamen Fällen auch unter Einbeziehung der Delegiertenversammlung.

Wie denken Sie, dass sich der Berufstand des Tierarztes entwickeln wird? Sehen Sie neue Herausforderungen in der Zukunft?

Die weitere Entwicklung des Berufsstandes stellt sich aus meiner Sicht in Verbindung mit einer 45-jährigen Berufserfahrung wie folgt dar:

- Analog zur Situation in der Humanmedizin eine generell weitergehende Spezialisierung

- Im kurativen Bereich, insbesondere bei Nutztieren: Bildung größerer Praxiseinheiten mit mehreren Tierärzten; die „Einzelkämpferpraxen“ werden zunehmend durch Mehrpersonenpraxen abgelöst werden

- Im Hinblick auf den jetzt schon festzustellenden und zunehmenden Frauenanteil wird die Schaffung familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle unumgänglich sein

Die Herausforderungen an den Berufsstand werden künftig weitgehend dieselben sein, wie wir sie heute schon kennen, nämlich:

- Kontinuierliche Fortbildung auf hohem Niveau

- Harmonisierung der Weiterbildung

- Intensivierung der Darstellung tierärztlicher Leistungen im gesundheitlichen Verbraucherschutz

- Vermehrte Einflussnahme auf Rechtsetzungsvorhaben der EU

- Forderung nach mehr Ressourcen zur Umsetzung des Tierschutzes

Herr Prof. Mantel, herzlichen Dank für das Gespräch!

Foto: © Wolfgang Maria Weber

HKP 5 / 2012

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 5 / 2012.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download
Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.