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Kranke Koihaut

Therapie mittels Laserstrahlung

Manche Haustiere werden gehalten, weil der Mensch von ihrer Schönheit so beeindruckt ist. Zu diesen Tieren gehören zweifelsohne auch die Koi. Wenn sie majestätisch dahingleiten oder verspielt umherschwimmen, ist das Zuschauen Freude und Entspannung zugleich. Zunehmend werden Koi in der tierärztlichen Praxis vorgestellt bzw. der Tierarzt wird um einen Teichbesuch gebeten. Einer der häufigsten Gründe sind Hauterkrankungen, weil diese einerseits dem Besitzer schnell auffallen und andererseits ein wichtiger Indikator für die allgemeine Fischgesundheit sind. Dr. Kathrin Pees berichtet über den Komplex der Hauterkrankungen beim Koi und moderne Behandlungsmöglichkeiten.

Die Diagnostik umfasst nicht nur die Probenentnahme beim Tier selbst, sondern auch die Beurteilung des Lebensraumes. Hierzu gehören Teichtechnik, Wasserqualität, Fischbesatz und Fütterung. Für die effektive Therapie ist die Optimierung der Wasserparameter essentiell. Die Hauterkrankungen können unterschiedliche Ursachen haben. Zunächst muss darauf geachtet werden, den Teich so zu gestalten, dass die Fische sich nicht am Teichinventar verletzen können. Vor allem spitze Steine in der Uferzone können zu Verletzungen führen, wenn die Fische bei Futtersuche oder Paarungsverhalten energisch dagegen schwimmen. Weiterhin müssen andere Teichbesucher, die den Fischen nichts Gutes wollen, vom Teich ferngehalten werden.

Dazu gehören vor allem Fischreiher und Hauskatzen.
Ein zweiter wichtiger Krankheitskomplex sind infektiöse Veränderungen. Zu den Infektionserregern, die der Fischhaut schaden können, gehören auch Bakterien, die im Wasser stets vorhanden sind, aber durch begünstigende Faktoren pathogen sein können. Ein hoher Keimdruck, eine schlechte Wasserqualität, Überbesatz, Transport, ein angegriffenes Immunsystem und andere stressende Faktoren sorgen dafür, dass die Fische an einer bakteriellen Infektion erkranken. Eine Vielzahl an Außenparasiten ist ein weiterer Grund, der zunächst der Fischhaut, aber auch generell dem Allgemeinbefinden der Fische, Schaden zufügen kann. Unter den Ektoparasiten gibt es Vertreter, die eine vermehrte Schleimbildung und ein trübes Hautbild bewirken. Andere Parasiten, beispielsweise der auch bei den Aquarienfischen bekannte Erreger der Weißpünktchenkrankheit Ichthyophthirius multifiliis, rufen neben Hauttrübungen Störungen im Flüssigkeitsaushalt und damit Apathie, Trägheit und im Endstadium den Tod hervor. Übrigens sind die bei anderen Fischen so typischen weißen Pünktchen bei Koi nur wenig und oft gar nicht ausgebildet. Je nach Befallsintensität führen Parasiten zu Unwohlsein und Juckreiz. Dieser Juckreiz wiederum veranlasst die Fische sich zu scheuern, z. B. an Bodenabläufen oder Uferbefestigungen. Durch dieses Scheuern können Mikroläsionen entstehen, die einen guten Nährboden für Bakterien darstellen. Bakteriell infizierte Wunden führen schnell zu einer Art „Loch“ in der Fischhaut. Wird das Loch zu groß oder entsteht gar ein Durchbruch in die Leibeshöhle, kann die Haut ihre Funktionen (Schutz, Aufrechterhaltung des osmotischen Druckes) nicht mehr erfüllen.

Bei den Pilzen sind zwei Vertreter von besonderem Interesse. Zum einen ist das die Gattung Saprolegnia sp., die man gut an ihrem wattebauschartigen Aussehen erkennt. Saprolegnia ist ein typischer Sekundärbesiedler von Wunden. Eine andere Gattung ist Dermocystidium sp.. Sie bildet unansehnliche rote Wucherungen in der Fischhaut. Eröffnet man diese, treten zystenartige Hyphen ähnlich weißen, feinen Würmern hervor. Dieser Pilz ist hochkontagiös. Bei Hautveränderungen muss noch ein Vertreter der Viren erwähnt werden: das Cyprine Herpesvirus 1 (CyHV-1), der Erreger der Karpfenpocken. Dieses Virus führt zu lokalen Verdickungen der Haut, eine Art Epitheliom. Diese Plaques, die häufig daumennagelgroß sind, aber immer häufiger großflächig auftreten, sieht man vor allem im Frühjahr, oft auch im Herbst, bei Temperaturen zwischen 15 und 20 °C. Es gibt keine Therapiemöglichkeit.
Neben der kausalen Therapie bekommen Maßnahmen zur Unterstützung der Hautregeneration eine zunehmende Bedeutung. Dabei hat sich gezeigt, dass der Einsatz eines medizinischen Lasers zur Oberflächenbehandlung zu deutlich besseren Wundabheilungen führt.

Diese Technik basiert auf einer Anregung der oberen Hautschichten mit der bFolge einer beschleunigten Zellteilung und -regeneration, sprich eine schnellere Wundheilung. Auch eine unspezifisch antiinfektive sowie eine antiinflammatorische Wirkung sind beschrieben. In einer Studie bei mehreren Fällen mit der unspezifischen Symptomatik „Hautveränderung“ bei Koi kam die Therapie mittels Dioden Oberflächenlaser zum Einsatz. Die Koipatienten waren frei von Parasiten und teilweise schon mehrfach antibiotisch vorbehandelt. Zum Teil konnten Bakterien nachgewiesen werden, die auf die gängigen Antibiotika im Resistenztest nicht sensibel reagierten, also nicht behandelbar waren. Die Lasertherapie muss mehrfach durchgeführt werden. Hier spielt die Kooperation mit dem Besitzer eine große Rolle. Intervalle von 4 bis 7 Tagen, mindestens 4 Mal (bei nur langsam fortschreitender Genesung auch häufiger), haben sich als günstig herausgestellt. Je nach Größe und Lokalisation der Hautläsion muss der Fisch ruhiggestellt werden. Soweit es notwendig ist, werden unspezifische Wundbehandlungsmaßnahmen begleitend durchgeführt. Dazu gehören das Entfernen von stark beschädigten Schuppen sowie die Reinigung des Wundrandes und gegebenenfalls das Auftragen von desinfizierenden Salben

oder Tinkturen (siehe Kästchen „KoiApotheke“). Es ist von Vorteil, wenn die Laser behandlung während eines Hausbzw. Teichbesuches durchgeführt werden kann. Das erspart dem Koi den Transportstress, der sich wiederum negativ auf die Heilung auswirkt. Ein weiteres Einsatzgebiet des Lasers sind kleinere chirurgische Eingriffe. Papillome und die Wucherungen des oben erwähnten Pilzes Dermocystidium, bei dem keine medikamentelle Behandlung bekannt ist, können mit der chirurgischen Lasersonde wirksam entfernt werden. Durch die oberflächliche thermische Koagulation sterben die Hyphen des Pilzes ab und können keine weiteren Fische infizieren. Wichtig dabei ist, dass alle Zysten auf die gleiche Weise behandelt werden, sonst können verbleibende Zysten den Bestand erneut infizieren. Nach über zwei Jahren praktischer Anwendung des DiodenOberflächenlasers kann eine klinische Wirksamkeit bestätigt werden. Diese Technik ist eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentellen Behandlung, besonders wenn eine Infektion mit multiresis tenten Keimen vorliegt.

fischtierarzt@arcor.de
www.koitierarzt.de

Foto: © yang yu - Fotolia.com

HKP 2 / 2010

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 2 / 2010.
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