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Das A und Omega für gesunde Haut

Unentbehrlich in der Ernährung und in der Therapie bei Dermatosen sind Omega-Fettsäuren. Aber, was sind eigentlich Omega-Fettsäuren? Und wie beinflussen sie die Gesundheit der Haut? Ernährungsexperte Dirk Hüfler klärt auf.

Je nach Herkunft der Fette zeigt sich ein charakteristisches Verteilungsmuster der Fettsäuren: In tierischen Fetten findet man vor allem gesättigte Fettsäuren, pflanzliche Fette und Fisch enthalten einen großen Prozentsatz an ungesättigten Fettsäuren. Die Position der ersten Doppelbindung (von links) wird mit ??(omega) bezeichnet.
Die meisten essenziellen Fettsäuren gehören entweder zur Klasse der Omega-3- oder der Omega-6-Fettsäuren. Erst in den letzten Jahren haben Versuchsergebnisse jedoch gezeigt, dass es nicht nur auf die Menge ankommt, in der man diese Fettsäuren zu sich nimmt, sondern vor allem auf das Verhältnis zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Denn obwohl die Tiere nach der Aufnahme der Fettsäuren mit dem Futter diese verlängern und weiter entsättigen können, ist eine Umwandlung der Omega-3- und Omega-6- Gruppen untereinander im Organismus nicht möglich.

Unentbehrliche Substanzen

Als essenzielle Stoffe werden solche Substanzen bezeichnet, die für den Organismus unentbehrlich sind, die er aber nicht selbst herstellen kann. Essenzielle Stoffe oder ihre Vorstufen müssen dem Organismus also als Nahrungsbestandteile zugeführt werden. Zu den essenziellen Stoffen gehören bestimmte essenzielle Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente und essenzielle Fettsäuren. Zu den essenziellen Fettsäuren zählen vor allem viele ungesättigte Fettsäuren.
Die wichtigste essenzielle Fettsäure der Omega-6-Gruppe ist die Linolsäure, die wichtigste Omega-3-Fettsäure die Linolensäure.

Moleküle mit vielfältigen Aufgaben

Aus Linolsäure kann der Organismus unter anderem die überaus wichtige Arachidonsäure herstellen. Aber Achtung: Katzen sind dazu nicht in der Lage, sie müssen Arachidonsäure mit der Nahrung erhalten! Für Katzen ist die Arachidonsäure also auch eine essenzielle Fettsäure.
Arachidonsäure ist die Ausgangssubstanz für die Eicosanoide, zu denen die Prostaglandine, Thromboxane, Prostacycline, Lipoxine und Leukotriene zählen. Die Eicosanoide haben im Körper vielfältige Aufgaben, sie sind unter anderem für die Senkung des Blutdrucks verantwortlich und spielen so eine entscheidende Rolle bei der Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf diese Funktionen wurde man dadurch aufmerksam, dass Eskimos, die viel Fisch essen, kaum zu Herzerkrankungen neigen, obwohl sie sich hochkalorisch und fettreich ernähren. Außerdem hemmen die Eicosanoide die Sekretion von Magensäure, dadurch wird die Magenschleimhaut vor Geschwüren geschützt.

Fettsäuren können Immunreaktionen beeinflussen

Eine weitere Funktion der Eicosanoide ist ihre Beteiligung an Immunreaktionen. Dabei muss man zwischen zwei verschiedenen Gruppen von Eicosanoiden unterscheiden. Die Eicosanoide, die aus den Omega-3-Fettsäuren über das Zwischenprodukt Eicosapentaensäure (EPA) entstehen, wirken entzündungshemmend, während die Eicosanoide, die aus Omega-6-Fettsäuren über das Zwischenprodukt Arachidonsäure entstehen, entzündlich wirken.
Jüngste Forschungsergebnisse belegen, dass sich durch das Verhältnis von Omega- 6- zu Omega-3-Fettsäuren Immunerkrankungen wie Allergien und daraus resultierende Hauterkrankungen beeinflussen lassen.
Eine andere Möglichkeit zur Beeinflussung der Bildung von Entzündungsmetaboliten ist die Fütterung von ?-Linolensäure. Diese Säure wird im Organismus zu Dihomo ?- Linolensäure umgewandelt (DHG-Säure). Aus DHG-Säure entsteht entweder Arachidonsäure oder eine bestimmte Gruppe von Prostaglandinen, die ebenfalls entzündungshemmend sind im Gegensatz zu den Eicosanoiden, die aus der Arachidonsäure entstehen. Füttert man nun verstärkt ?-Linolen-säure, so verschiebt sich das Gleichgewicht auf die Seite der entzündungshemmenden Prostaglandine.
Aus Omega-6-Fettsäuren entstehen entzündliche Mediatoren, aus Omega-3-Fettsäuren entstehen entzündungshemmende Mediatoren.

Fettsäuremangel

Essenzielle Fettsäuren sind neben den oben genannten Funktionen unentbehrlich für die Regulation der Wasserausscheidung durch die Haut. Ein Mangel an essenziellen Fettsäuren macht sich daher meist zuerst am Hautbild bemerkbar. Folgende Symptome sind bekannt:

- verzögerte Wundheilung
- trockenes, glanzloses Fell
- schuppige Haut
- nässende Hautentzündungen, vor allem im äußeren Gehörgang und zwischen den Zehen
- Juckreiz
- Abmagerung (bei schwerem, langanhaltendem Fettsäuremangel)
- übermäßige Verhornung (Hyperkeratose)
- Haarausfall (Alopezie)
- gesteigerte Blutungsneigung durch einen Mangel an Blutplättchen
- Wachstumsstörungen

Wie viel Fettsäure braucht mein Tier?

Im Allgemeinen wird ein Gehalt an Fettsäuren im Futter von 5 bis 25 % empfohlen. Die Frage ist jedoch nicht, wie viele Fettsäuren das Futter enthalten muss, sondern welche. Entscheidend ist dabei das Verhältnis der Omega-6- zu den Omega-3-Fettsäuren. Dies sollte ein Verhältnis von 5:1 bis maximal 10:1 nicht überschreiten.
Da die in den meisten Futtermitteln enthaltenen Fettsäuren der Omega-6-Gruppe angehören, entsteht oft ein Verhältnis von 25:1 und mehr. Die hat zur Folge, dass vermehrt die entzündlichen Eicosanoide der Arachidonsäure gebildet werden. Je höher der Anteil von Omega-3-Fettsäuren im Futter ist, desto mehr werden gering entzündliche Eicosanoide aus der Reihe der EPA-Säure gebildet.
Über das Futter können auf diesem Weg entzündliche Veränderungen der Haut jedoch beeinflusst werden. Da die zwei Gruppen der Fettsäuren nämlich um das gleiche Enzymsystem konkurrieren, verdrängen die Omega-3-Fettsäuren (sofern sie in ausreichendem Maße vorhanden sind) die Omega-6-Fettsäuren und es werden somit weniger entzündliche Eicosanoide gebildet.

In welchen Nahrungsmitteln befinden sich Omega-3-Fettsäuren?

Während Linolsäure in gängigen Ölen wie Maiskeim- oder Sojaöl und auch in Geflügeloder Schweinefett vorhanden ist, ist ein Mangel an Linolensäure charakteristisch. Es ist nur schwer möglich, den Gehalt an Omega-6-Fettsäuren zu senken, aber da es auf das Verhältnis der beiden Säuregruppen ankommt, ist es genauso sinnvoll, den Gehalt an Omega-3-Fettsäuren im Futter zu erhöhen, um das gewünschte Verhältnis von 5:1 bis 10:1 zu erzielen.
Algen synthetisieren große Mengen an Omega-3-Fettsäuren, daher sind diese auch in hohen Konzentrationen in Meerestieren wie zum Beispiel Fischen enthalten. Fischöle enthalten neben der Linolensäure auch noch die Eicosapentaensäure (EPA-Säure).
Ein weiterer wichtiger Spender von Linolensäure ist neben dem Leinöl, von dem unter anderem die Linolensäure ihren Namen erhielt, das Hanföl, es enthält Linolensäure in Konzentrationen von bis zu 28 %. Bei in Futterzusätzen enthaltenem Hanföl handelt es sich nicht etwa um das rötliche Hanföl aus weiblichen Blütenständen, das die Cannabinoide des Haschisch enthält, sondern um das Öl, das aus den ungeschälten Früchten des indischen Hanfs (Cannabis indica) gepresst wird. Dieses Öl enthält keine Cannabinoide und hat somit keine der typischen Haschischwirkungen.

Hauterkrankungen

Aufgrund ihrer hohen Umsatzrate ist die Haut gegenüber einem Mangel an essenziellen Fettsäuren besonders empfindlich. Bisher verwendet man die Erkenntnisse über essenzielle Fettsäuren vor allem zur Therapie entzündlicher Dermatosen bei Hund und Katze.
In einer Studie wurde Hunden mit Dermatitis EPA-Säure (Eicosapentaensäure) verabreicht, etwa ein Drittel der Hunde sprach gut darauf an. Auch bei verschiedenen Arten der allergiebedingten Dermatitis ist eine Unterstützung der Heilung durch den Zusatz von Omega-3-Fettsäuren sinnvoll. Da die Arachidonsäure und die EPA-Säure dasselbe Enzymsystem benutzen, wird im Falle einer höheren Konzentration an Omega-3-Fettsäuren die Arachidonsäure einfach verdrängt. Es entstehen in diesem Fall die entzündungshemmenden Mediatoren der EPA-Säure.
Bei allergischen Dermatitiden ist jedoch zu beachten, dass mit einer erhöhten Konzentration von Omega-3-Fettsäuren die Symptome der Allergie zwar bekämpft werden können, die Ursache jedoch ohne Allergietest unklar bleibt. Doch schon die Eindämmung der Symptome wie Juckreiz und schuppige, trockene Haut ist ein erstrebenswertes Ziel, da oft die Ursache der Allergie gar nicht ermittelt werden kann.
Diäten für Hunde mit atopischer Dermatitis haben einen höheren Gehalt an essenziellen Fettsäuren, wodurch sich vielleicht ihr Einfluss bei allergischen Hauterkrankungen erklären lässt. Zu den Wirkmechanismen der essenziellen Fettsäuren gehören die Modulation der Eicosanoidbildung, die Hemmung der Zellaktivität und eine Verstärkung der epidermalen Barriere. Ferner können essenzielle Fettsäuren das Immunsystem positiv beeinflussen in dem sie die T-Zellen Proliferation hemmen.
Die erhöhte Aufnahme von essenziellen Fettsäuren kann bei Hunden mit Atopie die Dosis an Glukokortikoiden verringern!

dh@nashnunki.com

HKP 4 / 2009

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 4 / 2009.
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Der Autor:

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.