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Bedarfsgerechte Ernährung

Noch vor wenigen Jahren wurden unterstützende diätetische Maßnahmen bei Intensivpatienten eher als zweitrangig betrachtet. Heute ist man sich bewusst, wie entscheidend die Beachtung der ernährungsphysiologischen Bedürfnisse betroffener Patienten nach Stabilisierung ihrer oft lebensbedrohlichen Zustände ist. Dr. Katrin Busch-Kschiewan bewertet die Bedeutung der Diätetik bei Intensivpatienten.

Untersuchungen belegen, dass intensivmedizinisch betreute Patienten mit stabilem Ernährungszustand eine geringere Mortalität und Letalität aufweisen. Daraus lässt sich ableiten, dass diätetisch optimal versorgte Patienten eine bessere Prognose im Hinblick auf ihre Genesung haben.

Warum ist die Ernährung von Intensivpatienten so entscheidend?

Bei 50 % aller stationär behandelten Tiere besteht eine Mangelernährung. Die Ursachen sind vielfältig, am häufigsten spielt Inappetenz eine Rolle. Unabhängig von der Ursache kommt es bei den betroffenen Tieren zu einer fehlenden oder mangelhaften Nährstoffund Energieaufnahme. In der Konsequenz gelangt der Körper in eine katabole Stoffwechsellage, in der er zunächst die Fett reserven und schließlich die Glykogenvorräte in Leber und Muskulatur aufbraucht. Im Anschluss erfolgt die Energiegewinnung durch Abbau von Gewebe proteinen mit der gravierenden Folge von Muskelschwund und einer Schwächung des Immunsystems mit erhöhter Infektanfälligkeit. Im Gastrointestinaltrakt kommt es zudem zu einem Enzymmangel und einer Atrophie der Darmschleimhaut. Durch die jetzt schlechtere Ausnutzung der Nahrung verschlechtert sich die Mangelsituation der Patienten zu sehends. Die oft bestehende Hypalbuminämie bedingt zudem eine schlechtere Wundheilung und geringere Widerstandskraft. Der Teufelskreislauf mündet in einer kontinuierlichen Gewichtsabnahme sowie einer reduzierten Vitalität und erhöhter Mortalität. Ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg ist deshalb die Sicherstellung der bedarfsgerechten Ernährung.

Wann ist diätetische Unterstützung nötig?

Als wichtigster Grundsatz gilt: je früher, desto besser. Indikationen für eine spezifische Ernährung von Intensivpatienten sind u. a.:

- Anorexie seit 3 – 5 Tagen
- Ernährungszustand nach Body Score < 2
- Gewichtsverlust von 5 – 10 % des KGW
- Hypalbuminämie
- Starke Schmerzen
- Unfähigkeit der spontanen Nahrungsaufnahme, z. B. nach Kieferfrakturen o. Ä.

Wichtigster Aspekt – Sicherstellung der Nährstoff- und Energiezufuhr

Optimal ist es, wenn die Patienten noch zur selbstständigen Futteraufnahme fähig sind. Leider ist ein Großteil der Intensivpatienten gar nicht mehr in der Lage, die Nahrung spontan aufzunehmen. Hier ist die enterale oder parenterale Ernährung unverzichtbar, um eine Malnutrition zu vermeiden bzw. dieser zu begegnen. Für die enterale Ernährung stehen verschiedene Sonden zur Verfügung. Die Sondenernährung ist gegenüber der parenteralen Methode kostengünstiger und zumeist unkomplizierter, der ganz entscheidende Vorteil ist jedoch, dass bei der enteralen Ernährung der Verdauungstrakt „in Gang“ gehalten wird. So kann der Darm weiterhin seinen lebenswichtigen Funktionen wie der lokalen Immunabwehr und der Ernährung der Darmzotten nachkommen – ein wichtiger Aspekt für die Genesung betroffener Patienten. Untersuchungen von Mohr et al. (2003) zeigen zudem, dass Hunde mit einer durch Parvovirose bedingten Enteritis bei enteraler Ernährung eine kürzere Rekonvaleszenz und bessere Gewichtszunahmen hatten als Tiere in der Vergleichsgruppe.

Schlüsselfaktoren der Diätnahrung von Intensivpatienten

Hohe Palatabilität der Nahrung

Intensivpatienten leiden häufig unter Anorexie. Eine hohe Palatabilität der Diät nahrung ist bei noch selbstständig fressenden Tieren entscheidend, um eine bestmögliche Futteraufnahme zu gewährleisten.

Optimale Verdaulichkeit

Hochverdauliche Inhaltsstoffe tragen zu einer leichten Verstoffwechselung im Dünndarm und zur Begrenzung von fermentativen Gärprozessen im Dickdarm bei. Letztlich ermöglicht die hohe Qualität der Rohstoffe die Versorgung der Patienten mit allen notwendigen Nährstoffen über kleine, den Darm entlastende Fütterungsmengen.

Deckung des Energiebedarfs

Intensivpatienten sollten ihr Idealgewicht halten bzw. es wieder erreichen. Nach neueren Studien reicht als Bemessungsgrundlage der Ruheenergiebedarf aus. So können eine Überfütterung und die damit verbundenen Probleme vermieden werden.

Energieträger Fett

Fette sind die Hauptenergielieferanten in der Nahrung. Durch einen angehobenen Fettgehalt erreicht man eine hohe Energiedichte in der Nahrung für Intensivpatienten, das bedeutet, die Tiere benötigen nur kleine Rationen, um ihren Energiebedarf zu decken. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Fette zu über 90 % verdaulich sind. Fettreiche Diäten werden außerdem empfohlen, um Proteine als wertvolle Baustoffe zu erhalten bzw. vor katabolen Abbauprozessen zu schützen.

Proteine von hoher biologischer Wertigkeit

Proteine sind die Baustoffe des Körpers und entscheidend, um Proteinstrukturen wie das Immunsystem und die Muskulatur aufzubauen bzw. zu erhalten. Intensivpatienten benötigen diese in ausreichender Menge, um den Abbau der Muskelreserven zu verhindern und eine positive Stickstoffbilanz zu fördern.

Energiesubstrat Glutamin

Glutamin ist eine semiessenzielle Aminosäure, die insbesondere für die Regeneration von teilungsaktiven Zellen (Darmzellen, Zellen des Immunsystems) zuständig ist. Da ihr Verbrauch bei Intensivpatienten erhöht ist, empfiehlt sich die Fütterung höherer Mengen. Untersuchungen belegen, dass sich höhere Glutamingehalte positiv auf Wundheilung, Abwehrkraft und Darmfunktion auswirken können.

Antioxidanzien

Im Stoffwechsel kranker Tiere entstehen vermehrt freie Radikale, die die Körperzellen angreifen und zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen können. Ergänzungen der Nahrung mit den „Schutzstoffen“ Vitamin C und E sowie Taurin und Lutein haben sich in diesem Zusammenhang bewährt. Untersuchungen belegen, dass eine Stärkung der Immunantwort sowie eine bessere Resistenz durch die Supplementierung von Antioxidanzien möglich sind.

HKP 2 / 2011

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 2 / 2011.
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Der Autor:

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.