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Tierarzt – geborene Ermittler?

Tierarzt – geborene Ermittler?

„Der beste Freund des Mörders“ ist der Titel eines Krimis, in dem ein Tierarzt die Hauptrolle spielt. Wenn es sich bei dem Autor auch noch um einen veterinärmedizinischen Literaten oder einen literarischen Tierarzt handelt, ist unser Interesse natürlich doppelt geweckt. Daher sprach Masiar Sabok Sir für hundkatzepferd Vet mit Stefan Valentin Müller, der Tiermedizin und angewandte Literatur studiert hat.

Herr Stefan Valentin, Sie sind Tierarzt und Schriftsteller. Keine alltägliche Kombination. Wie kam das zustande?

Als kleiner Junge fuhr ich häufig mit meinem Onkel zu den Bauern, um deren Kühe zu behandeln. Mein Onkel war dick, er aß gerne, lag auf seinem Sofa herum, wenn er nicht auf Tour musste, und war Tierarzt. Ich wollte wie mein Onkel werden: Essen, auf Sofas herumliegen und die Kühe der Bauern behandeln. So war der Wunsch, Tierarzt zu werden, bereits mit fünf Jahren entstanden. Dazu schrieb ich schon immer kleine Geschichten, war der Liebling der Deutschlehrer und las alles, was mir in die Hände kam. Schriftsteller zu werden war damals nicht denkbar für mich, denn es war ja ausgemacht, dass ich Tierarzt werden wollte. Erst spät absolvierte ich ein Literaturstudium und begann, nebenher zu schreiben.

Um jetzt mal ein wenig philosophisch zu werden – gibt es eine ästhetische Verbindung zwischen der Veterinärmedizin und der Schriftstellerei?

Man vergleicht Ärzte und Tierärzte gerne mit Künstlern, wenn sie ihre Sache gut machen, die Schriftstellerei ist neben den angewandten Künsten und der Musik auch eine der Kunstformen an sich. Schon hier tut sich eine Parallele in ästhetischer Form auf. Natürlich nur, wenn die Akteure, ob Veterinär oder Autor, ihre Sache gut machen. Ja, ich denke, es existiert eine ästhetische Verbindung zwischen den Berufen, wenn sie auch sehr unterschiedlich sind. Aber sowohl der Tierarzt als auch der Schriftsteller brauchen eine gewisse Leidenschaft, die unabdingbar ist, diese Berufe erfolgreich auszuüben. Und diese Passion ist Grundlage der Ästhetik. Voilà, hier ist die Verbindung.

Sie selbst waren Schlachthof-Tierarzt. Diese Eindrücke haben Sie sicher auch in Ihrem ersten Kriminalroman „Schlachthofsymphonie“ verarbeitet. Was für Erinnerungen ­haben Sie an diese Zeit?

Da Sie mich gerade auf die Ästhetik im Beruf ansprachen, passt meine Zeit im Schlachthof gut hierher. Vordergründig ist das Schlachten, vor allem das Massenschlachten am Fließband, eine harte, unansehnliche Sache, die jeder Verbraucher gerne ausblendet. Wenn man aber die Schlachter bei der Arbeit beobachtet, sticht eine unerwartete Kunstfertigkeit ins Auge. Jeder Handgriff sitzt, jeder Schnitt ist perfekt ausgeführt, beinahe eine geheime Choreografie scheint im Lärm und Blut ausgeführt zu werden. Dies habe ich versucht, in meinem Krimi „Schlachthofsymphonie“ zum Ausdruck zu bringen, in dem meine Erfahrungen als Schlachthoftierarzt eine entscheidende Rolle spielen.

Nun haben Sie einen Tierarzt-Krimi geschrieben, in dem der Hauptdarsteller, ein Tierarzt mit Namen Dr. May, auf eigene Faust nach dem Verschwinden eines Mädchens ermittelt. Sind Tierärzte „geborene Ermittler“ oder besitzt nur Dr. May eine besondere Gabe?

Das ist eine schöne Frage. Ja, ich denke, jeder Tierarzt ist auch Ermittler in eigener Sache oder besser in der Sache des Tieres. Die Patienten, von Papageien abgesehen, können ja nicht sprechen. So ist es immer ein Vorantasten, eine Spurensuche, um auf die entsprechende Krankheit zu kommen. Dr. May schließlich ermittelt darüber hinaus in einem Verbrechen, erweitert also sein Tätigkeitsfeld in sein alltägliches Umfeld.

Krimi-Fans freuen sich immer, wenn der ­Ermittler keine Eintagsfliege war, sondern in weiteren Fällen ermitteln wird. Greifen wir nicht zu weit vorweg, aber werden wir in Zukunft noch mehr von Dr. May hören?

Dr. May und einige der anderen Protagonisten sind mir beim Schreiben ans Herz gewachsen. Es wäre schade, wenn er nicht weiter behandeln und natürlich auch ermitteln würde. Darüber hinaus habe ich schon allerhand Leseranfragen bekommen, wann Dr. May weitermacht, wann es den zweiten Fall gibt. Ich bin mit der Planung weit fortgeschritten und lasse ihn bald wieder ermitteln. Und ich freue mich sehr darauf, denn es wird meiner Meinung nach ein interessanter Fall werden, soviel kann ich versprechen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Der beste Freund des Mörders Der Morgendunst zieht vorbei an hübschen Einfamilienhäusern, die Vorgärten sind gepflegt, man geht in der nahegelegenen Fasanerie joggen, das Leben ist gut. Doch der schöne Schein trügt. Hinter den efeuumrankten Fassaden wird gestritten, betrogen, verwünscht und verachtet. Als einige Hunde in der Siedlung verschwinden, ist Tierarzt Dr. May der Einzige, der ein Verbrechen vermutet. Seine Befürchtungen werden wahr: Die Täter haben noch viel mehr im Sinn und auch Menschen sind in Gefahr. Voller Verzweiflung versucht May, auf das für ihn Offensichtliche aufmerksam zu machen, doch das Ermittlerteam um Kommissarin ­Johanna Celep schenkt ihm kein Gehör. Und dann geht alles schief…

Berlin Verlag 2015 | ISBN: 978-3-8333-0983-0 | € 9,99

Foto: © istockphoto.com, grabi

HKP 3 / 2015

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe HKP 3 / 2015.
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Der Autor:

Dr. Birte Reinhold, ICHTHYOL-GESELLSCHAFT
„Endlich hat sich hundkatzepferd zum Fachmagazin für den Tierarzt entwickelt. In der Ausgabe 03/12 fielen neben informativen Neuigkeiten aus dem Praxisbereich und den lustigen Nachrichten aus der Tierwelt viele anspruchsvolle und praxisrelevante Fachartikel in einem ungewöhnlich anschaulichen und erfrischenden Design auf. Auch ein Fachmagazin kann unterhaltsam sein und taugt somit auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch zur Feierabendlektüre im Gartenstuhl. Gefällt mir!“
Prof. Dr. Arwid Daugschies, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät – VMF
„hundkatzepferd serviert dem Leser den aktuellen Wissensstand in leicht verdaulicher Form. In Zeiten einer erdrückenden Informationsflut tut es gut, wenn solides Wissen auch in erfrischend entspannter Art angeboten wird.“
Dr. Anja Stahn ( Leitung der Geschäftseinheit VET in Europa und Middle East bei der Alere )
Die hundkatzepferd begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Nach wie vor begeistern mich
die Aufmachung, der fachliche und informative Inhalt sowie und die beeindruckenden Fotos des
Fachmagazins. Ganz deutlich ist seit einigen Monaten eine noch stärkere Ausrichtung auf die Belange
und Interessen der Tierärzteschaft zu erkennen. Dies ist sehr erfreulich. Das Magazin gehört in jede
Praxis und sollte unterhaltsame „Pflichtlektüre“ für das ganze Praxisteam sein.