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Ösophageale Manometrie – Druckmessung in der Speiseröhre beim Kleintier

Druck beim Schluck

Die Mehrzahl von neuromuskulären Funktionsstörungen der Speiseröhre führt zum klinischen Beschwerdebild einer ösophagealen Dysphagie und kann nach manometrischen und pathophysiologischen Kriterien klassifiziert werden. Dr. Peter Kook und Jennifer Kempf erläutern das Diagnoseverfahren der Speiseröhrendruckmessung beim Hund.

Beim Menschen ist die ösophageale Achalasie die häufigste funktionelle Erkrankung der Speiseröhre. Bei dieser Erkrankung öffnet sich der untere Sphinkter der Speiseröhre nicht ausreichend gegenüber dem Magen, sodass abgeschluckte Nahrung nicht in den Magen gelangen kann. Diese ständige Belastung der Speiseröhre führt unbehandelt zu einer irreversiblen Ausdehnung der Speiseröhre (Megaösophagus). Als Ursache wird eine Autoimmunerkrankung mit entzündlicher Degeneration der hemmenden Nervenzellen im Nervensystem des Ösophagus vermutet. Klinisch dominiert eine Dysphagie für feste Speisen und Flüssigkeiten. Die definitive Diagnose beruht auf der Speiseröhrendruckmessung (Ösophagusmanometrie) mit dem Nachweis einer fehlenden Relaxation des unteren Ösophagussphinkters. Der sog. Idiopathische Megaösophagus ist die häufigste funktionelle Störung der Speiseröhre beim Hund. Bisher wurde vermutet, dass es sich um einen Schaden der nervalen Versorgung handelt, es wurden jedoch nie manometrische Untersuchungen des unteren Ösophagussphinkters zum Ausschluss einer primären ösophagealen Achalasie durchgeführt.

Die in der Praxis eingesetzten Verfahren wie Röntgen und fluoroskopische Schluckstudien ermöglichen in der Mehrzahl der Fälle keine korrekte Diagnosestellung. Die Speiseröhrenfunktion ist bisher weder beim gesunden Hund noch bei Patienten mit Speiseröhrenerkrankungen untersucht worden. In der Humanmedizin stellt die Manometrie die Methode der Wahl in der Ösophagusfunktionsdiagnostik dar. Die sog. hochauflösende Manometrie (high resolution manometry) ist ein neuartiges Verfahren in der Ösophagusfunktionsdiagnostik, das im Gegensatz zu den früher gebräuchlichen Kathetersystemen mit 3 – 8 Druckaufnehmern nun Katheter mit 36 zirkumferentiell angeordneten elektronischen Drucksensoren verwendet. Dies ermöglicht eine kontinuierliche und ringförmige Erfassung sowie eine objektive Darstellung der physikalischen Druckgradienten in der gesamten Speiseröhre (Abb.1). Hierdurch können Störungen der Peristaltik, abnorme Druckgradienten bei funktionellen Obstruktionen und die Kontraktionen des oberen und unteren Ösophagussphinkters visualisiert werden. Bei der Durchführung der Messung wird ein Messkatheter aus der Kinderheilkunde (2.75 mm Durchmesser) verwendet. Dieser wird über die Nase bis in den Magen eingeführt und der Patient schluckt danach wiederholt kleine Mengen Flüssigkeit und Futter ab (Abb. 2). Zum Einführen der Sonde wird die Nase zuvor mit einem Gel lokal betäubt, damit das Einführen des Katheters nicht als unangenehm empfunden wird. Die gesamte Untersuchung dauert maximal 15 Minuten.

Foto: © Dr. Peter Kook

HKP 2 / 2012

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